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Finanzkrise: Trostpreis für die Fonds

Die Fondsbranche blickt auf ein schwarzes Jahr zurück. Die Finanzkrise allein reicht als Erklärung für die massiven Verluste nicht aus.

Von Hansjörg Ryser
30.01.2009

Wenn die Schweizer Fondsbranche Anfang Februar im Zürcher Kongresshaus ihr Stelldichein gibt, besteht kein Anlass zu einem Freudenfest. Horrende Verluste und Vermögensabflüsse haben den Anlagefonds eines der schlimmsten Jahre beschert. Sicher trifft die Fonds keine Schuld an der Finanzkrise, wie der Präsident des Schweizerischen Fondsverbands, Gérard Fischer, betont. Auch hätten die Fonds regelmässig Bewertungen vorgelegt und sowohl Ausgabe wie Rücknahme von Anteilen gewährleisten können, so Fischer.

Doch damit hat es sich dann auch schon an Positivem. Die Fonds haben 2008 rund ein Drittel der ihnen anvertrauten Vermögen vernichtet, wie eine Auswertung der exklusiv für BILANZ erstellten Fonds­übersicht der Ratingplattform Lipper zeigt (siehe Seiten 66 und 67). In vielen der wichtigsten Kategorien schnitt kaum ein Manager besser ab als passiv geführte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF).

Boom der Indexfonds. Diese erfreu­ten sich denn auch eines regen Geldzuflusses. «Wir haben gegenüber dem Vorjahr etwa 60 Prozent Vermögenszuwachs zu verzeichnen», ist von Beat Rüegg, Chef des Indexfonds XMTCH der Credit ­Suisse, zu erfahren. Nun solle die Palette kräftig ausgeweitet und in den europäischen Markt vorgestossen werden, wie Rüegg durchblicken lässt. In Europa ist der ETF-Markt im letzten Jahr trotz der Börsenbaisse um elf Prozent auf 170 Milliarden Franken an verwalteten Vermögen gewachsen. Insgesamt wurden 70 Milliarden an Neugeldern investiert.

Derweil haben die aktiv geführten Fonds einen Abfluss von 600 Milliarden Franken zu beklagen. In der Schweiz zogen Anleger erneut fast 20 Milliarden ab, nach 29 Milliarden im Vorjahr. Gemäss Nationalbankstatistik belief sich der Anteil der Fonds an den gesamten Depotvermögen bei den Banken in der Schweiz Ende November noch auf 31,1 Prozent. Damit hat die Fondsbranche erstmals seit zehn Jahren Marktanteile verloren.

«Die letzten Jahre waren geprägt von Produktverkäufern», stellte Nicolas Pictet, Teilhaber der Privatbank Pictet, kürzlich in einem Interview mit der Zeitung «Finanz und Wirtschaft» ungeschönt fest. Häufig hätten die Kunden nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie benötigten, und stattdessen Investitionsvorschläge erhalten, die oft gar nicht zum Kundenprofil passten, moniert der Bankier. Das sei jetzt vorbei. Nun hätten die Kunden die Oberhand. Sie verlangten Produkte, die ihnen besser liegen, erwarteten mehr Erläuterungen und forderten mehr Transparenz ein. In dieselbe Kerbe schlägt Vermögensverwalter André Kistler von Albin, Kistler, Partner. Mit dem Internet sei die Fondswelt transparenter geworden. Anleger seien nicht mehr länger bereit, hohe Gebühren zu zahlen, die sich in schlechten Zeiten besonders negativ auswirken.

Cashcow-Fonds. Tatsächlich mussten die Anleger in den letzten Jahren immer höhere Gebühren zahlen. In Europa sind die Kosten gemäss einer Lipper-Statistik für Aktienfonds um 30 Prozent gestiegen und auch in der Schweiz um ein Fünftel. Dabei sind die Transaktionskosten oder Ausgabe- und Rücknahmekommissionen noch nicht einmal eingerechnet. Viele Anleger sind nicht länger bereit, Manager von aktiv geführten Aktienfonds dafür teuer zu bezahlen, dass diese wiederum in andere Fonds oder gar ETF investieren.

Für die Banken war es lukrativ, die Gelder ihrer Kunden nicht nur zu verwalten, sondern auch in eigene Produkte zu investieren und so mehrfache Einnahmen zu generieren. Deshalb wurden zwar laufend neue Fonds aufgelegt, aber kaum welche liquidiert. Heute stehen den Schweizer Anlegern beispielsweise 464 Fonds zur Auswahl, die weltweit in Aktien investieren, oder 161 Japan-Aktienfonds. Jeder zweite Fonds kommt nicht über ein Volumen von 100 Millionen Franken hinaus, wie der BILANZ-Fondstabelle im Internet entnommen werden kann.

Die Experten sind sich aber uneins darüber, ob nun die grosse Marktbereinigung ansteht. «Ich habe das schon vor Jahren erwartet», sagt Fischer. Geschehen sei bisher das Gegenteil. Eher sei mit Zusammenschlüssen zu rechnen, um so den Volumenschwund auszugleichen. Alex Hinder, Vermögensverwalter und ETF-Spezialist, erwartet einen steigenden Kon­solidierungs­druck durch die passiven Fonds. Zudem dürfte es bei den Geldmarktfonds zu einer Bereinigung kommen, da bei tiefen Zinsen die Fondsgebühren praktisch die gesamte Performance beanspruchen. André Kistler, der nur in Aktien und Anleihen investiert, sieht die Branche gar vor einem fundamentalen Wandel: «Sie wird sich auf die noble Grundaufgabe der Vermögensverwaltung rückbesinnen müssen, Ersparnisse zurück in den Wirtschaftskreislauf zu führen.»

Zum BILANZ-Dossier "Finanzprodukte"

BILANZ-Experte an der «Fonds»

Vom 4. bis zum 6.  Februar findet im Zürcher Kongresshaus die Schweizer Finanzmesse «Fonds 2009» statt. An der bedeutendsten Leistungsschau der Schweizer ­Finanzbranche wird dieses Jahr zweifellos die Krise das zentrale ­Gesprächsthema sein. BILANZ bietet dazu eine spezielle Aktion: Mit dem unabhängigen Fondsexperten ­Michael Frei von OLZ Wealth ­Management werden am Beratungsdesk Fragen zu Depotauszügen, Fonds oder Anlagen beantwortet.

Termine: BILANZ-Leser können ihren persönlichen Termin bis am 4.  Februar unter Telefonnummer 043 444 55 20 reservieren.

Kosten: Die Auskünfte am ­Beratungsdesk sind kostenfrei.

Stand: V01.

Beratungszeiten: Donnerstag und Freitag, 5. und 6.  Februar, von 11.30 bis 14 Uhr.

Online: Michael Frei beantwortet Fragen auch unter www.bilanz.ch.

Messe-Öffnungszeiten:
4.  Februar von 10 bis 18 Uhr (für Fachbesucher),
5.  Februar von 10 bis 19 Uhr,
6.  Februar von 10 bis 17 Uhr.

 Eintritt Publikumstage: 10 Franken.

Donnerstag: Podiumsdiskussion über Rohstoffe mit Vladimir Kuznetsov, Präsident von OC Oerlikon und Anlagestratege von Renova, der Beteiligungsfirma von Viktor Vekselberg (Beginn: 12 Uhr).

Freitag: Podiumsdiskussion unter anderem mit Bankenombudsmann Hanspeter Häni über die Finanzkrise (Beginn: 10.30 Uhr).
Podiumsdiskussion unter anderem mit Yves Rossier, Chef Bundesamt für Sozialversicherungen, über Vorsorge (Beginn: 12 Uhr).
Streitgespräch zwischen Hans ­Eichel, dem früheren Finanzminister Deutschlands, und Nationalrat Hans Kaufmann über Steuerstreit und ­Finanzkrise (Beginn: 15.30 Uhr).

Weitere Informationen zur Messe: www.fonds-messe.ch.

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