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Euro 08: Frankreich holt langsam auf

Der starke Euro zeigt die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit vieler Firmen in Frankreich. Grosse Konzerne holen auf.

Von Markus Diem Meier
25.01.2008

Frankreich hat von seinem Nachbarn Deutschland die Rolle als «der kranke Mann Europas» übernommen. 2007 ist das Land um bloss 1,9 Prozent gewachsen, die reichen Länder im Club der OECD haben im Schnitt um 2,7 Prozent zugelegt. 2008 wird sich dieses betrübliche Wachstum gar noch weiter abschwächen.

Während Deutschland die Globalisierung zu nutzen versteht und mit Exporten auf einer Erfolgswelle reitet, schreibt Frankreich seit 2005 im Aussenhandel Defizite. Die Schwäche Frankreichs und vor allem der mittleren und kleinen Unternehmen ist eine Folge der Einführung des Euro. Wie Italien verdankten viele Unternehmen der «Grande Nation» ihre Wettbewerbsfähigkeit einst sogenannten kompetitiven Abwertungen. Die französische Zentralbank unter Jean-Claude Trichet sorgte für einen schwächeren Franc, wodurch die französischen Produkte für das Ausland billiger wurden. Heute verhindert dies die Einheitswährung. Die Europäische Zentralbank – wiederum unter Jean-Claude Trichet – tut wenig gegen den teuren Euro. Entsprechend leiden die Exporteure.

Investoren sollten sich davon dennoch nicht abschrecken lassen. «Der französische Aktienmarkt ist nur begrenzt ein Spiegel der französischen Wirtschaft», erklärt Frédéric Buzaré vom Finanzdienstleister Dexia. Vor allem die grossen Konzerne im CAC 40 Index, dem französischen Leitindex, sind heute stark international ausgerichtet, sowohl was den Absatz wie auch die Produktion betrifft. Die Wette geht hier nicht um Frankreich, sondern um die Weltwirtschaft. Anders als in der Schweiz, wo leidende Banken- oder Pharmatitel just den ganzen Markt hinunterreissen können, dominiert in Frankreich kein einzelner Bereich alle anderen. «Der französische Aktienmarkt ist breiter diversifiziert als alle anderen Europas», betont Hervé Prettre, leitender Aktienanalyst der Credit Suisse.

Schaut man sich die einzelnen Unternehmen an, ergeben sich bei den Chancen deutliche Unterschiede. Gut positioniert sind zum Beispiel generell defensive Titel, so etwa der Ölkonzern Total oder die Konstrukteure Schneider und Alstom. Der letztgenannte Titel sei nicht nur besonders günstig bewertet, sondern profitiere auch von Aufträgen aus China und von den Plänen, die veraltete Infrastruktur von Paris zu erneuern, begründet Hervé Prettre die Chancen von Alstom. Selbst im sonst international gemiedenen Bankensektor gibt es einen interessanten Titel: BNP Paribas. Die Bank ist kaum in die US-Subprime-Krise involviert, wurde aber nach Ansicht der angefragten Analysten zu stark abgestraft, weshalb der Titel heute ebenfalls sehr günstig bewertet ist: Das geschätzte KGV 2008 liegt bei 8,24. Anders liegt der Fall bei Crédit Agricole. Risikokontrolle wie Geschäftsgebaren dieser Bank generell gelten als ausgesprochen schwach, weshalb man um diesen Titel besser einen Bogen macht.

Die Schwäche der französischen Wirtschaft – vor allem wegen unflexibler Arbeitsmärkte und absurder Regulierungen auf anderen Gebieten – bietet aus Investorensicht ebenfalls Chancen. Sollten die Reformen von Nicolas Sarkozy tatsächlich greifen, könnten einige Branchen und Unternehmen zulegen. Vom Werbeverbot in den staatlichen Medien profitieren etwa die börsenkotierten Fernsehsender TF1 und M6, von Liberalisierungen im Bereich des Detailhandels Carrefour und Danone.

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