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Nachhaltige Anlagen: Ein rasant wachsender Markt

Immer mehr Investoren achten auf Nachhaltigkeit. Entsprechend ernst nehmen die Konzerne diesen Trend.

Veröffentlicht 25.01.2008

Die Sustainable-Asset-Management-Gruppe (SAM) hat Ende 2007 ein Vermögen von über 15 Milliarden Franken betreut, rund 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ende 2006 hat die niederländische Finanzgruppe Robeco, die auch Mehrheitsaktionärin der Bank Sarasin ist, mit zwei Dritteln des Aktienkapitals die Kontrolle über SAM übernommen. Seit der Gründung 1995 investiert das Zürcher Finanzunternehmen über verschiedene Anlagegefässe in ökologisch und sozial fortschrittliche Unternehmen. Noch vor Jahresmitte soll ein erster Hedge Fund für nachhaltige Anlagen lanciert werden, wozu mit Reto Kuhn soeben der ehemalige Pensionskassenchef der Swissair an Bord geholt werden konnte.

Im Mai 1997 wurde die Sustainable Performance Group (SPG) an die Börse gebracht, eine Beteiligungsgesellschaft für nachhaltige Anlagen, die von SAM betreut wird. Die Börsenkapitalisierung beträgt rund 260 Millionen Franken. Daneben berät SAM verschiedene Anlagefonds wie zum Beispiel den SAM Smart Energy Fund und den SAM Sustainable Water Fund, die beide von der Bank Julius Bär geführt werden. Mit seinen fast 1,7 Milliarden Euro Vermögen ist der Wasserfonds das zweitgrösste Fondsgefäss für nachhaltige Anlagen in Europa. In den vergangenen drei Jahren betrug die Performance zwölf Prozent pro Jahr. Jene von Smart Energy erreichte mit den Investitionen im Sektor der erneuerbaren Energien fast 27 Prozent und war im vergangenen Jahr unter den europäischen Nachhaltigkeitsfonds am zweitbesten. Mit Dow
Jones wurde 1999 ein Börsenindex gegründet, in dem aus den weltweit 2500 grössten Firmen jene mit dem ökologisch und sozial besten Leistungsausweis jeder Branche abgebildet werden (siehe nebenstehenden Beitrag).

Neben SAM und Dow Jones messen 15 weitere Indexanbieter mit 24 Indizes die Performance von nachhaltigen Aktien und Finanzanlagen. Im vergangenen Jahr ist in Europa das Volumen an Fonds, die nach sozialen und ökologischen Kriterien verwaltet werden, um 43 Prozent auf 49 Milliarden Euro gestiegen, wie aus der Statistik von Vigeo, einer Agentur für nachhaltige Ratings, hervorgeht. Das nach ethischen Kriterien investierte Vermögen liegt bei über einer Billion Euro. In der Schweiz belief sich das Fondsvolumen auf über 6 Milliarden Euro, das verwaltete Vermögen dürfte über 30 Milliarden Euro betragen.

Bei den nachhaltigen Investments werden drei Strategien unterschieden: Zum einen werden die Anlageentscheide primär nach ökologischen, sozialen oder ethischen Aspekten getroffen, und die Investments erfolgen in entsprechend fortschrittliche, eher kleine Unternehmen. Zum andern wird unter Berücksichtigung ökologischer und sozialer Kriterien nach dem Best-in-Class-Ansatz in Unternehmen investiert, die in ihrer Branche am fortschrittlichsten sind. Oder aber das Vermögen wird nach Ausschlusskriterien nur in Unternehmen angelegt, die beispielsweise keine Waffen produzieren oder keine Nuklearenergie erzeugen.

Die beiden letzten Strategien werden am weitaus häufigsten angewendet. So sind die Finanzgruppe ING, der Handyhersteller Nokia und der Versicherungskonzern Allianz die drei Konzerne, in die am meisten Vermögen aus nachhaltigen Fonds investiert ist. Auch Pharmamulti Roche, der Nahrungskonzern Danone oder der Elektronikkonzern Canon gehören zu den 20 beliebtesten Investments dieser Fonds.

Konzerne achten zunehmend auf die Interessen dieser immer mächtiger werdenden Investoren. So haben im vergangenen Jahr 80 der 100 Unternehmen im englischen Börsenleitindex FTSE einen Jahresbericht zu ihren ethischen, ökologischen und sozialen Leistungen publiziert. Das sind rund viermal mehr als noch vor sechs Jahren. Und der Schweizer Technologiekonzern ABB hat sich zum Ziel gesetzt, konzernweit CO2-neutral zu werden.

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