Bei den Direktinvestoren in Private Equity spielt die Schweiz keine grosse Rolle. Deutlich grösster Buy-out-Spezialist mit Hauptsitz im Land ist die Zürcher Capvis Equity Partners. Sie übernahm kürzlich den Kartenvorverkaufsspezialisten

Ticketcorner und hat für ihre Kunden insgesamt gut 800 Millionen Franken investiert. Die Genfer Leman Capital gilt als Nummer zwei. Laut Gründungspartner Nikolaus Zens gibt man sich bewusst diskret und macht bei Buy-out-Auktionen längst nicht jedes Mal mit. Gemäss Zens sind die «Preise teilweise durch die Decke geschossen». Da müsse man als Käufer trotz den vielen Geldmitteln auch Nein sagen können. Die richtigen Firmen zu finden, ist die grösste Schwierigkeit der Direktinvestoren.

Das gilt beispielsweise auch für die Madison Private Equity Holding, wie CEO Werner Schnorf erläutert. Wichtigste Aufgabe der Verwaltungsräte ist es, ihre Fühler nach geeigneten Übernahmeobjekten auszustrecken. Alle Investitionen, die Madison bisher vorgenommen hat, gehen auf persönliche Beziehungen des prominent besetzten Verwaltungsrats zurück. Präsident Guillaume Pictet sichert den Draht in die Finanzwelt und die Westschweiz; Peter Everts ist als ehemaliger Migros-Chef landauf, landab vernetzt; René Jäggi, der frühere Vorsitzende des Fussballclubs Kaiserslautern und CEO von Adidas, sichert den Zugang zum deutschen Markt; der ehemalige Swisscom-Chairman Markus Rauh kennt die Technologieszene und die Ostschweiz aus dem Effeff; und der frühere Swatch- und Smart-Manager Hans Jürg Schär lässt seine Beziehungen zur Industrie spielen. Das Portefeuille besteht derzeit aus fünf Unternehmen: die Möbelhersteller Hiller aus Deutschland und Braun Lockenhaus aus Österreich sowie die drei Schweizer Armaturenproduzenten Similor Kugler, Arwa und Sanimatic.

Madison bietet eine Lösung für Unternehmer, die ihr Lebenswerk nicht von Raidern zerschlagen lassen, sondern weiterentwickeln wollen. «Wir sind Unternehmer, keine Banker», sagt Schnorf, der zuvor Firmen wie Big Star und Tissot geführt hat. Schnorf verfolgt dabei die «buy and build»-Strategie: «Während es für Mittelständler schwierig ist, allein in andere Märkte zu expandieren, eröffnen sich durch intelligente Zusammenschlüsse plötzlich neue Chancen», sagt er. Das war bei der deutschen Hiller so, einem Hersteller von Klapptischen und Stapelstühlen, den Madison im Jahr 2002 mehrheitlich vom Besitzer übernommen hat. Als sich Hiller gut entwickelte, erstellte Madison zusammen mit dem früheren Eigentümer, der noch immer im Verwaltungsrat sitzt, eine Liste von Konkurrenten, die mit Nachfolgeproblemen kämpfen und zu Hiller passen könnten. So kam Madison auf die österreichische Braun Lockenhaus, die vergangenes Jahr übernommen wurde.

Im Geschäft mit Private Equity vermischen sich die Anlageformen. So ist beispielsweise die private Zurmont bei der börsengelisteten Schlatter Mehrheitsaktionärin, und neben den Buy-out-Spezialisten versuchen weitere Beteiligungsgesellschaften ihr Glück mit Venture Capital. Hier sind die Ausschläge für Privatanleger fast nicht zu verkraften. Private Equity ist schon «Abenteuer» genug. CA/SW

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