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Diese vier Faktoren sind für Anleger entscheidend

New Yorker Börse an der Wall Street: Wirtschaftsumfeld bietet attraktive Anlage-Chancen.Bloomberg

Das derzeitige Marktumfeld in Europa und den USA bietet Investoren vielversprechende Möglichkeiten – nicht zuletzt wegen der jüngsten Börsenrücksetzer. Für Anleger sind vier Faktoren entscheidend.

Von Dominic Benz
16.06.2015

Die Europäische Zentralbank (EZB) schwemmt die Märkte mit Frischgeld, der Euro hat sich abgeschwächt und die Kreditmärkte sind erstarkt: Das derzeitige Marktumfeld in Europa bietet Investoren vielversprechende Möglichkeiten – nicht zuletzt wegen der jüngsten Börsenrücksetzer. Das gilt auch für USA: Die Wirtschaft verzeichnet ein solides Wachstum und die Unternehmen erzielen Rekordgewinne.

Für Anleger, die in den amerikanischen und europäischen Markt investieren wollen, sind vier Faktoren entscheidend: Ölpreis, Währungseffekte sowie Gesundheit und Bewertung von Unternehmen. Die US-Investmentbank JP Morgan hat die vier Themen genauer analysiert und die wichtigsten Aspekte zusammengetragen.

Billigöl ist positiv für Wirtschaft

Der massive Preisverfall beim Öl im letzten Jahr hat die Anleger stark verunsichert. Zwar ist der Preissturz vor allem eine Folge des Machtkampfes zwischen den Förderriesen USA und Saudi-Arabien. Doch für viele Bobachter waren die sinkenden Kosten des schwarzen Goldes ein Zeichen für mangelnde Nachfrage und eine schwächelnde Weltwirtschaft.

Doch laut den Experten von JP Morgan bietet der tiefe Ölpreis für Investitionen mehr Möglichkeiten als Risiken. Tatsächlich ist der Preisverfall für die gesamte Wirtschaft positiv zu werten. So profitiert der Konsument von den tieferen Energiepreisen. Ihm bleibt mehr Geld für andere Ausgaben im Portemonnaie. Der Konsum ist der grösste Treiber der US-Wirtschaft.

Treiber für das BIP

Auch die europäischen Staaten profitieren, da der Import günstiger ist. Davon profitieren die Unternehmen. Unterm Strich bringt das Wachstum und beflügelt das Bruttoinlandprodukt (BIP). Laut der Grossbank UBS hat das Billigöl in Ländern wie der Schweiz, Belgien, Portugal, Italien oder Frankreich im März einen Anteil am Wachstum von bis zu 5 Prozent.

Anders sieht es in Norwegen aus. Das Land hat eine riesige Ölindustrie. Im März hat das Billigöl das BIP des skandinavischen Staates um knapp 20 Prozent belastet.

Keine grossen Sprünge beim Ölpreis

Der Blick auf die USA zeigt, dass der Ölpreis einen grösseren Effekt auf die Märkte als auf die Realwirtschaft hat. Nicht einmal 1 Prozent aller Beschäftigten in den USA sind in der Energiebranche tätig. Diese trug Ende 2014 etwas mehr als 2 Prozent zum BIP bei.

Anders sieht es bei den Märkten aus. Rund 8 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung im S&P-500-Index, der die 500 grössten US-Konzerne listet, entfallen auf die Energieindustrie. Für über 12 Prozent der Gewinne im gleichen Index ist der Sektor verantwortlich. Vor allem Konsumgüter- und Lebensmittelproduzenten sowie Versorger kommt der Preisverfall beim schwarzen Gold zugute, während dieser die IT- und Industrie-Konzerne belastet. Am schlimmsten trifft das Billigöl die Energiefirmen selbst.

Die Experten bei JP Morgan sind sich sicher: Stark steigen wird der Ölpreis in den nächsten Monaten nicht. Auf Ende 2016 dürfte er zwischen 70 und 75 Dollar liegen. Preise über 100 Dollar wie vor dem beispiellosen Verfall werde es für eine lange Zeit nicht geben. Am Montagabend kostete ein Fass der Nordsee-Sorte Brent 64 Dollar.

Starker Dollar, schwacher Euro

Neben dem Öl sind die Währungseffekte für Anleger relevant. In den letzten Monaten hat sich der Euro weiter abgeschwächt, während der Dollar erstarkt ist. Der gestiegene Dollar ist vor allem für exportorientierte US-Unternehmen eine Belastung. In den USA sind etwa IT-Unternehmen bis zu 60 Prozent vom Export abhängig, Energiekonzerne rund 40 Prozent. Hingegen sind die US-Finanzbranche nur zu gut 20 Prozent und die Telekombranche zu lediglich 1 Prozent auf das Ausland ausgerichtet.

Hingegen hat der schwächelnde Euro für europäische Unternehmen mit Fokus auf den Export Vorteile. So kann etwa Daimler profitieren. Deutsche Autobauer produziert vorwiegend in Europa und verkaufen ihre Karossen in Märkten wie den USA und China.

Stabile Erträge

Die Erträge bei den amerikanischen und europäischen Unternehmen sind stabil. Mit dem Wachstum der US-Konzerne, die schon seit Ende 2009 wieder kräftig an Fahrt gewonnen haben, können Europas Unternehmen allerdings nicht mithalten. Dennoch hat sich der Anstieg der Erträge bei europäischen Firmen jüngst stark beschleunigt. Gemäss Experten von JP Morgan sollen die Einnahmen auch weiterhin anziehen.

Entscheidend für Investoren ist, welche Aktien sie ins Portfolio legen wollen. An den Börsen haben sich Rohstoff- und Finanzaktien als auch zyklische Titel und Rohstoffpapiere sehr unterschiedlich entwickelt. Schliesslich gilt es, die Bewertung der Unternehmen an den Börsen zu berücksichtigen. Obwohl diese in den letzten Monaten gestiegen sind, gibt es noch viele attraktive Titel.

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