Neues Jahr, neues Glück – so lautet häufig das Motto von Privaten bei ihrer Kapitalanlage. Doch Kleinanleger müssen die Vermehrung ihrer Spargelder nicht dem Zufall überlassen. Sie können trotz Niedrigzinsen und heissgelaufener Börsen immer noch mehr aus ihren Vermögen herausholen. Wie das geht, machen Milliardäre und Profiinvestoren vor.

Bloss keine Einzeltitel in exotischen Segmenten oder Schwellenländern kaufen, lautet einhellig der Rat. Das sei für Privatanleger viel zu riskant und könne schneller schief gehen, als in ein Bündel von Aktien oder Anleihen zu investieren, sagt zum Beispiel der Chefanlagestratege des Bankhauses Rothschild, Kevin Gardiner, zur Nachrichtenagentur sda auf die Frage nach allgemeingültigen Regeln für die Kapitalanlage. Die Privatbank muss es wissen, schliesslich berät sie die Ultrareichen auf dieser Welt bereits seit über hundert Jahren.

Von der Realität überholt

Als zweites Prinzip nennt Experte Gardiner, dass schlaue Investoren ihre Spargelder nicht nach Themen anlegen sollten. Also sind demographische Trends oder Investments in Wasser tabu. Da seien bereits alle Informationen in die Kurse eingeflossen und kaum noch markante Gewinnsteigerungen möglich, erklärt der Rothschild-Ökonom.

Ausserdem erlebten Langzeitentwicklungen derzeit fundamentale Brüche, wie die ständige Steigerung des Lebensstandards, die vermehrte Nutzung von Bankdienstleistungen oder die bisher gängigen Handelsströme eindrücklich illustrieren. Investoren, die auf solche Entwicklungen setzen, könnten von der Realität momentan sehr schnell eingeholt werden.

Bei Mini-Zinsen bleiben nur Aktien

Gardiner sagt im Gespräch noch weitere markante Sätze, die Kleinanlegern unter die Haut gehen dürften und zusätzliche Anlageregeln erkennen lassen. «Derzeit ist es für Anleger attraktiver, Unternehmen mittels diversifiziertem Halten von Aktien zu besitzen als es via Bonds nur zu finanzieren», mahnt er mit Blick auf die Mini-Zinsen bei Anleihen, die ja einer Firma nur Geld zur Verfügung stellen, aber kein Eigentum an ihr darstellen.

Nur Aktieninvestments entschädigten Investoren im Moment adäquat für die eingegangenen Risiken, sagt er. Zudem gibt es vielerorts Wirtschaftswachstum, wenn auch nicht üppig, das aber Aktienanlagen begünstige.

Der richtige Mix

Wie sieht demnach ein ideales «Rothschild-Portfolio» aus? Seine Kunden wollen vor allem ihren Reichtum erhalten und leicht vermehren. Mega-Renditen, die selbstverständlich mit hohen Risiken einhergehen, mag die Rothschild-Klientel ohnehin nicht, sagt Gardiner. Daher streben sie bei der Zusammensetzung der Portfolios darauf ab, dass eine Zielrendite in Höhe der Inflationsrate plus 3 Prozent herauskommt. Dieser Wert versteht sich nach Abzug der Gebühren, erklärt der Stratege.

Neben Bargeld, Aktieninvestments und Immobilienanlagen, die immer direkt und nie über spezielle Vehikel vorgenommen werden sollten, empfiehlt Rothschild für das Musterdepot dennoch gut verzinste Staats- und Firmenobligationen. Letztere sollen zur Zielrendite des Portfolios ungefähr 1 Prozent beitragen, während Aktieninvestments – etwa über Fonds oder Zertifikate – rund 7 Prozent pro Jahr abwerfen müssen. Als Beimischung gibt es noch Optionsscheine, die an Wert gewinnen und das Portfolio nach unten absichern, falls die Börsen einbrechen.

Langen Atem haben

Gardiner gibt schliesslich noch zwei Dinge mit auf den Weg von Kleinanlegern. Erstens sollten sie ihr Portfolio so wenig wie möglich umschichten, weil dabei oft grössere Verluste auftreten. Und zweitens sollten Objekte wie Oldtimer, Briefmarken oder Kunstgegenstände, wie sie häufig als Quelle des Reichtums von Vermögenden vermutet werden, keine Anlagekategorien, sondern vielmehr Hobbys sein.

All diese Sichtweisen bestätigen regelmässig wissenschaftliche Untersuchungen und auch andere professionelle Kapitalanleger. So mahnen etwa ebenfalls Anlageexperten von Blackrock, dem mit rund 5000 Milliarden Dollar an Spargeldern ausgestatteten grössten institutionellen Investor der Welt, gewisse Prinzipien an.

Kostengünstige Index-Nachbildung

Blackrock-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Christian Staub, rät gegenüber der Nachrichtenagentur sda, dass Kleinanleger sogar gar keine einzelnen Aktien oder andere Einzeltitel kaufen sollten. Eine Diversifikation – auch über den Tellerrand der Heimatregion hinaus – sei enorm wichtig, um Rückschläge abzufedern, und ausserdem sei das Herauspicken von Einzelwerten sehr teuer, sagte der Manager.

Vielmehr gelte es, auf Bausteine zu setzen. Mit der Auswahl von solchen Elementen aus den Anlagemöglichkeiten könnten Privatanleger immer noch entscheiden, ob ein Portfoliomanager steuernd eingreifen kann oder, ob der Baustein der Geldanlage einfach einen Index nachbildet, dafür aber für Anleger vergleichsweise kostengünstig ist.

Sich an Windkraftanlage oder Strassenbau beteiligen

Kleinanleger profitierten von riesengrossen Asset-Managern wie Blackrock obendrein, falls sie bei ihrer Hausbank zum Beispiel Indexfonds von solchen Anbietern orderten, erklärt Staub. Diese Produkte seien bei grossen Konzernen aufgrund von Skaleneffekten nämlich nicht nur enorm preiswert zu haben, sondern bildeten ihre zugrundeliegenden Indizes auch unverzüglich und damit ohne Reibungsverluste ab.

Privatpersonen können sich aber noch bei anderen Punkten an Profianlegern orientieren. Blackrock-Manager Staub erwartet zum Beispiel für Europa, dass das niedrige Zinsniveau noch einige Zeit anhalten wird und daher völlig neuartige Anlageklassen künftig an Bedeutung gewinnen. Er sagte zur sda, dass Investitionen in Infrastrukturprojekte wie beispielsweise gebührenpflichtige Strassen, Windkraftanlagen oder neue Eisenbahnlinien stark in den Fokus der Sparer rücken werden.

Zwei Tipps zum Schluss

Dabei sei es aber selbst für grössere Banken gar nicht so einfach, ein Team mit entsprechender Kompetenz zur Abwägung von Chancen und Risiken bei solchen Infrastrukturobjekten aufzubauen. Blackrock verfüge bereits über das nötig Fachwissen und die dazugehörigen Produkte.

Und schliesslich gibt Blackrock den Privatanlegern noch zwei weitere Hinweise mit auf den Weg. Erstens können Vermögensverwalter, die nicht zu einer Bank gehörten, ihre Anlageempfehlungen anders als die Pendants bei Kreditinstituten frei von Interessenskonflikten unterbreiten. Damit ist gemeint, dass bei der Beratung bankeigene Produkte keine Rolle spielten und die Unabhängigkeit gewahrt ist. Und zweitens sollten Sparer ruhig mal mit den einfachen Online-Tools von Blackrock ihre Präferenzen im Hinblick auf die Altersvorsorge simulieren. Dann sehe man schnell, dass bei der Geldanlage die Matratze oder das klassische Sparbuch ausgedient haben, sagt Staub.

(sda/jfr)

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