An den Weltbörsen war mehrere Monate lang die Luft raus. Und nicht nur das: Teilweise setzte es richtig heftige Verluste. Sogar der MSCI-Weltindex hat auf Dollar-Basis gegenüber dem im Mai markierten Hoch in der Spitze fast 17 Prozent an Wert verloren. Auf Branchenebene litten mit Kursrückgängen allein im dritten Quartal mit zwischen 12,7 und 16,7 die Bereiche Gesundheit, Energie und Materialien am stärksten.

Einzelwerte hat es natürlich teilweise noch schlimmer erwischt. Ausgelöst wurde der Ausverkauf durch Sorgen um den Zustand der Weltkonjunktur, durch Unsicherheiten über die weiteren Zinsaussichten in den USA und durch die stark fallenden Rohstoffpreise. Im Verbund mit einer deutlich gestiegenen Volatilität hat das zu einer Neubewertung von riskanten Assets geführt.

Kurzzeit-Potenzial von knapp 200 Prozent

Credit Suisse hat ihr Anlageuniversum gefiltert und nach Aktien gesucht, die seit dem 10. August herbe Verluste hinnehmen mussten, hausintern aber entweder mit einer Kaufempfehlung oder zumindest mit einem Outperform-Urteil ausgestattet sind. Als weiteres Auslesekriterium wurde ein Börsenwert von mindestens zehn Milliarden Dollar vorgegeben, wobei Branchen wie Industrie, nichtzyklischer Konsum oder Versorger ausgeklammert wurden. Zu diesen Sektoren haben die Strategen der Credit Suisse eine negative Meinung.

Herausgekommen sind bei diesem Ansatz 20 Werte, denen mit einem Anlagehorizont von drei bis sechs Monaten gute Chancen zugebilligt werden. Die Abschläge zu den Kurszielen betrugen beim Erstellen der Studie Anfang Oktober zumindest 20 Prozent und lagen bei einzelnen Titeln sogar bei knapp 200 Prozent. Nach den Kursavancen der vergangenen Tage haben sich die Abstände zu den Kurszielen zwar teilweise merklich verringert, aber das beweist auch: Die Gegenbewegung nach oben läuft, und es ist immer noch Aufwärtspotenzial vorhanden.

Was die Bewertungen angeht, werden von der Credit Suisse die deutlich gefallenen Kurs-/Buchwert-Verhältnisse herausgestrichen. Einige finanziell als solide eingestufte Titel würden dadurch inzwischen sogar unter ihren Buchwerten gehandelt. Ablesen lässt sich die Bewertungskorrektur auch am MSCI-Weltindex. Dieser kam zum Monatswechsel noch auf ein Kurs-/Buchwert-Verhältnis von rund 1,9. Vor rund sechs Monaten lag dieser Wert noch bei 2,2.

Vier Schweizer Titel mit guten Chancen

Unter den in der Auswahlliste enthaltenen Aktien befinden sich vier Schweizer Aktien. Das grösste Kurspotenzial wird dem Zement-Hersteller LafargeHolcim (ISIN: CH0012214059) zugebilligt. Der Abstand zum Kursziel von 75 Franken beträgt in diesem Fall rund 35 Prozent. Dabei liegt bei diesem Titel bei einem geschätzten Buchwert von 64.40 Franken das Kurs-/Buchwert-Verhältnis sogar nur bei 0,9.

Ebenfalls den Cut geschafft, haben bei allerdings etwas bescheidener ausfallenden Kurschancen der Luxusgüter-Anbieter Richemont (ISIN: CH0210483332) und die beiden Pharma-Konzerne Novartis (ISIN: CH0012005267) und Roche (ISIN: CH0012032048). Die Abstände zu den Kurszielen von 92, 110 und 310 Franken liegen etwa bei 15 und jeweils rund 25 Prozent. Bei Buchwerten von 27.70, 33.50 und 28.50 Franken und den daraus für 2015 errechneten Kurs-/Buchwert-Verhältnissen von 3,0, 2,7 und 8,8 befinden sich diese drei Titel unter den ausgesiebten Favoriten auf dieser Basis aber bei den am höchsten bewerteten.

Deutsche Autotitel zeigen Potenzial

Aus Deutschland konnten sich mit Daimler (ISIN: DE0007100000) und Continental (ISIN: DE0005439004) nur zwei Werte qualifizieren. Die beiden Vertreter aus dem Autosektor bieten mit Kurszielvorgaben von 87,00 und 240 Euro Kurspotenziale von rund 25 Prozent und 20 Prozent. Bei Buchwerten für 2015 von 45,86 und 63,25 Euro belaufen sich die Kurs-/Buchwert-Verhältnisse der beiden Titel auf 1,5 und 3,2.

Die fünf Aktien, denen Credit Suisse das höchste Kurspotenzial zutraut, kommen allesamt von ausserhalb Europas. Platz fünf belegt der japanische Telekomkonzern Softbank (ISIN: JP3436100006), Rang vier Emaar Properties (ISIN: AEE000301011), ein Baukonzern aus den Vereinten Arabischen Emiraten. Die Differenz zu den Kurszielen der beiden Titel von 8600,00 Yen und 13,00 VAE-Dirham beträgt 35 und 90 Prozent. Die Kurs-/Buchwert-Verhältnisse sind bei Buchwerten von 2900,00 Yen und 5,20 VAE-Dirham auf 2,2 und 1,3 veranschlagt.

Bei Glencore könnte sich das Einsteigen lohnen

Weit oben nach Kurspotenzial rangieren auch der US-Energiekonzern Devon Energy (ISIN: US25179M1036) und der US-Halbleiter-Produzent Micron Technologies (ISIN: US5951121038). Auf Platz eins liegt der Rohstoff-Händler Glencore (ISIN: JE00B4T3BW64).

Bei Devon Energy und Glencore besteht bei Abständen von 75 und 95 Prozent zu den Kurszielen von 77 Dollar und 2,40 Pfund jeweils erhebliches Potenzial, zumindest gemessen an den Vorgaben der Credit Suisse. Bei Buchwerten von 47,9 Dollar und 2,51 Pfund betragen die Kurs-/Buchwert-Verhältnisse 1,1 und sogar nur 0,5. Bei Micron hingegen ist das hohe Kurspotenzial in wenigen Tagen stark geschrumpft. Der Titel kletterte seit Anfang Oktober von 14,98 auf 18,62 Dollar, und zudem hat Credit Suisse das Kursziel wegen schwächerer Geschäfte zwischenzeitlich von 34 auf 25 Dollar gesenkt. Aber selbst auf dieser Basis hätte der Hersteller von Speichermodulen noch rund 35 Prozent Potenzial.

Grösste Kurschancen beim umstrittensten Titel

Der kontroverseste Titel unter den Favoriten ist mit Abstand ausgerechnet jene Aktie, welcher die grössten Kurschancen zugetraut werden. Glencore steht in einem Umfeld mit stark gefallenen Rohstoffpreisen und wegen eines Schuldenberges von rund 30 Milliarden Dollar zusehends unter kritischer Beobachtung. Jüngst gab es unter den Anlegern sogar aufkeimende Solvenz-Ängste.

Der Kurs hat deswegen seit dem 10. August in der Spitze 55,5 Prozent an Wert verloren und stand damit unter den ausgefilterten Favoriten am stärksten unter Druck. Der Rebound war nun umso stärker.

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