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Vermögensverwaltung: Die Suche nach Outperformern

Wann lohnt sich eine Geldverwaltung? Und welche ist die beste? Eine Firma hat sich auf diese Fragen spezialisiert.

Von Stefan O. Waldvogel
14.03.2006

Laut einer Umfrage vertrauen mehr Deutsche ihrem Friseur als ihrem Bankberater. Trotzdem sind die meisten Leute ihrer Bank treuer als ihrem Coiffeur. Weil ein Wechsel eher mühsam ist.

«Ob die Bank gut gearbeitet hat, erfährt man erst sehr viel später, wenn überhaupt», sagt Jochen Schoss (42). Der gebürtige Deutsche hatte nach dem Verkauf von Scout24 viel Geld zu verwalten und beauftragte damit drei Banken. Dabei war es für ihn nicht einfach, die Leistung der Banken zu vergleichen, es geht ja nicht bloss um die Performance, sondern auch um die eingegangenen Risiken. Gleichzeitig fehlte ihm ein objektiver Vergleich, der über die drei Banken hinausging.

Hilfe fand Schoss in München. Seit 1990 sammelt dort Jürgen Dorsch Daten zu verschiedenen Vermögensverwaltern. Der Leiter der Vermögensverwaltung für institutionelle Investoren bei der Hypo-Bank startete vier Jahre später mit seiner Firma Portfolio Consulting. Statt selber Geld zu verwalten, sucht Dorsch seither nach den besten Vermögensverwaltern.

«Wir sind im Stundenlohn bezahlt, legen kein Geld an und können dank unseren Kunden Transparenz bei den Vermögensverwaltern schaffen», sagt Raoul Hinder, Partner bei Portfolio Consulting Schweiz in Zürich. Mittlerweile wurden rund 400 reale Depots und Finanzprodukte analysiert, und mit jedem neuen Kunden wird das Universum von potenziell interessanten Asset Managers grösser. «Wir wollen die subjektiven Gefühle objektiv machen», erörtert Hinder das hohe Ziel.

Deshalb werden die Asset Managers der Kunden untersucht und mit den jeweils besten in ihrer Kategorie verglichen. Diese müssen über mindestens fünf Jahre eine überdurchschnittliche Leistung aufweisen, und ihre Transaktionen werden fortlaufend analysiert. Bei der klassischen Vermögensverwaltung mit einem «Mischmandat» von diversen Anlagekategorien kann man laut Hinder «alles verstecken». Erst wenn die einzelnen Teile sauber aufgetrennt würden, sei ein echter Leistungsvergleich möglich. Denn nur zehn Prozent der Vermögensverwalter schlagen ihre Benchmark über eine längere Zeit. Und nur diese seien ihr Geld wirklich wert.

Kein Wunder, macht sich Portfolio Consulting bei den Banken nicht beliebt. «99 Prozent haben wohl keine Freude an uns», sagt Hinder. Der 38-Jährige war selber bei grossen und kleineren Instituten tätig und schätzt es nun, dass er nur den Kunden verpflichtet ist. «Wir haben nie ein Interesse an Umsatz oder müssen etwas verkaufen, im Gegenteil.» Im Prinzip verkauft Portfolio Consulting den Zugang zur ständig aktualisierten Datenbank. Denn die besten Geldverwalter der Vergangenheit sind nicht unbedingt die besten in Zukunft. Laut Hinder können die Kunden reagieren, bevor es zu spät ist.

Für Schoss hat sich der Dienst von Portfolio Consulting sofort ausbezahlt. Dies, obwohl er jeden Monat für die Überwachung «einige tausend Franken» aufwenden muss. Und neben der detaillierten Überwachung der Geldverwalter hilft Portfolio Consulting auch bei den Gebühren. Dank den gebündelten Vermögen erhält die Firma deutlich günstigere Konditionen, damit sei der Aufwand bereits abgegolten, sagt Jules Grüninger.

Der Corporate-Finance-Berater ist von der «Dienstleistung überzeugt», auch weil die Firma selber kein Geld anlege und völlig emotionslos agiere. Family Offices von Banken könnten nie so unabhängig agieren, und andere seien oft zu klein, um eine echte Marktübersicht zu erhalten. Wichtiger als die Gebühren sind aber die Nettorenditen nach Abzug aller Kosten. Wird der Vergleichsindex nicht geschlagen, können die Anleger günstiger in Indexzertifikate oder ETF investieren. Das gilt laut Hinders Beobachtung für die meisten Aktienmärkte in Osteuropa.

Bei anderen Anlagekategorien konsultiert Hinder sein Buch über die analysierten Vermögensverwalter. Die Liste ist den Kunden vorbehalten, aber einen Trend kennt Hinder trotzdem. «Die allermeisten Outperformer arbeiten bei kleinen Banken und Boutiquen.» Dort haben sie mehr Spielraum und können ihre Ideen besser umsetzen als innerhalb eines Grosskonzerns.

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