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Euro 08: Die glorreichen 16

Die Fussballeuropameisterschaften – einmal nicht nur für Fussballfans: BILANZ analysiert in einer Serie, welches Potenzial die 16 teilnehmenden Länder für Anleger haben.

Von Markus Diem Meier
11.01.2008

Europa betreibt derzeit eine besondere Nabelschau. Der Grund dafür ist die Fussballeuropameisterschaft. Interesse an den 16 teilnehmenden Ländern wecken nicht nur die Spieler, sondern auch die Länder selber mit ihren Besonderheiten. Wir werden sie aus dem Blickwinkel von Investoren unter die Lupe nehmen. Bis zum Start der Euro 08 am 7. Juni werden wir das für Anleger Wichtigste jedes Landes kurz darstellen – zum Auftakt mit einem Überblick über Europa und der Darstellung des Gastgeberlandes Österreich. Die Schweiz als zweites Gastgeberland wird den Abschluss bilden.

Betrachtet man die volkswirtschaftlichen Daten der Fussballländer, dann versammeln sich im Sommer die Fussballteams der grössten Wirtschaftsmacht der Welt. Gemessen an den Zahlen des Internationalen Währungsfonds fürs Jahr 2007 macht Europa zusammen mit Russland und der Türkei mehr als ein Drittel der weltweiten Wertschöpfung aus. Mit denselben Zahlen gerechnet, bringen es die USA auf einen Anteil von 26 Prozent, die aufstrebenden Länder Asiens zusammen auf 11 und Japan auf rund 8 Prozent.

Im Vergleich zu den USA, die als Einzelnation nach wie vor am meisten wirtschaftliche Potenz aufweisen, liegen die Kerneuropäer momentan besonders gut im Rennen. Das zeigt sich auch am enorm starken Euro und am US-Dollar, der gegenüber dem Euro so schwach ist wie noch nie.

Auch bei den Wachstumsraten stechen die Europäer die Amerikaner aus: Für 2007 schätzt der IWF das US-Wachstum auf 1,9 Prozent, jenes der Euroländer auf 2,5 Prozent. Zwar wird für 2008 von den Prognostikern auch für Europa eine leichte Abschwächung erwartet, besser als die USA wird der Kontinent dennoch abschneiden.

Europa ist nicht einfach Europa. Der Kontinent ist wirtschaftlich äusserst facettenreich. Während für den Euroraum 2008 eine Rate des realen Wachstums von 2,1 Prozent erwartet wird, liegen Schätzungen für Süd- und Osteuropa (mit Bulgarien, Kroatien, Malta und Rumänien) bei 5,7 Prozent, für Zentraleuropa (mit Tschechien, Ungarn, Polen und der Slowakei) bei 4,9 und für die baltischen Staaten bei 6,3 Prozent. Russland wird um 6,5 Prozent wachsen, bloss 0,5 Prozentpunkte weniger als im Jahr 2007.

Unterschiede zeigen sich auch an den Kapitalmärkten. Die meisten Börsen Westeuropas haben 2007 negativ oder nur leicht im Plus abgeschlossen. Ausnahmen sind Deutschland mit einem Plus von beinahe 20 Prozent auf dem DAX oder Portugal mit mehr als 18 Prozent auf dem PSI. Die Indizes einiger ost- und zentraleuropäischer Länder sind beinahe explodiert: Jener von Slowenien hat um 80 Prozent zugelegt, derjenige von Kroatien um 65 Prozent. Die Türkei konnte eine Rendite von beinahe 50 Prozent auf dem ISE 100 und Bulgarien fast 40 Prozent auf dem Sofix erzielen. Alle Renditen beziehen sich auf den Franken als Referenzwährung.

Allerdings glänzt nicht alles in Europa. In Süd- und Osteuropa machen sich nach den Jahren grossen Wachstums Überhitzungserscheinungen bemerkbar, was sich vor allem in hohen Inflationsraten zeigt. Auch die Aussenhandelsbilanz ist durchs Band negativ: Die Länder importieren deutlich mehr, als sie exportieren. Risiken drohen diesen Ländern durch die von den USA ausgehende Hypothekarkrise. Da ihr Aufschwung stark mit Krediten aus dem Ausland finanziert wurde, würden sich höhere Zinsen oder eine eingeschränkte Kreditvergabe durch die krisengeschüttelten Banken deutlich bremsend auswirken. Die tollen Renditen auf den Aktienmärkten dieser Länder spiegeln daher auch höhere Risiken.

Die Märkte in Westeuropa sind trotz allen Reformbestrebungen der letzten Jahre relativ unflexibel. Die Arbeitslosigkeit hat sich zwar zurückgebildet, bleibt aber – mit 6,9 Prozent der Erwerbsbevölkerung allein in den Euroländern – hoch. Zudem bremst der teure Eurokurs die Exporte. Aus Anlegersicht positiv ist die Tatsache, dass die westeuropäischen Unternehmen ihre Bilanzen so weit in Ordnung brachten, dass höhere Zinsen oder eine restriktivere Kreditvergabe auf die Unternehmen weniger drücken, als sie es auch schon taten. Die Not der Banken wird auch in Westeuropa ihre Spuren hinterlassen.

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