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Geldanlage 
Die besten Schweizer Geldmanager und ihre Tipps

Die Sieger im Rating der Vermögensverwalter geben Einblick in ihre Depots.

Von Harry Büsser
2017-04-26

Während die Leistungsdichte im Profisport so hoch ist, dass oft verschwindend wenig zwischen den Besten und den Schlechtesten steht, ist das bei den Profis der Vermögensverwaltung anders.

Wer dem besten Vermögensverwalter vor drei Jahren 100'000 Franken anvertraute, hat heute 70'000 Franken mehr als ein anderer, der den gleichen Betrag dem schlechtesten Vermögensverwalter anvertraute. Das ist das Ergebnis eines Tests, der «Bilanz» exklusiv vorliegt. Während der schlechteste Vermögensverwalter 12,4 Prozent verlor, gewann der beste 58,9 Prozent (die Übersichtstabelle finden Sie hier)

Die höchste Rendite erzielten die Vermögensverwalter von Lakefield Partners. Sie arbeiten in Zürich in modernen Büros in unmittelbarer Nähe des Sees und unweit des Bahnhofs Tiefenbrunnen. Da fast alle Mitarbeiter der Firma auf dieser Seite des Sees wohnen – etwa in Zollikon, Küsnacht und Erlenbach –, ist der Anfahrtsweg optimal für sie. «Gut gelegene Büros sind nicht unwichtig», sagt Matthias Hug, Geschäftsführender Partner bei ­Lakefield Partners. Auch für Kunden seien die Büros gut erreichbar, sowohl mit dem Auto wie auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Das beste Depot von allen

Gemessen an der Finanzkennzahl Sharpe Ratio, hat Hug das beste Depot von allen getesteten geführt. Die Sharpe Ratio misst, wie viel Einheiten Rendite pro Einheit ­Risiko ein Vermögensverwalter mit geschickten Anlageentscheidungen erreicht. Sharpe Ratios über eins sind selten, Hug erreichte mit seinen Partnern Vinicio Marsiaj und Bruno Verstraete eine Sharpe ­Ratio von 1,78 – der mit Abstand höchste Wert im Test.

«Die Grundlage für das herausragende Ergebnis mit dem Depot schafft das gute Anlageuniversum», sagt Hug, der einen Abschluss an der ETH in Zürich als Elektroingenieur hat. Die rund eine Million Franken, die mit dem Depot verwaltet werden, sind immer in Aktien von kleinen bis mittelgrossen Schweizer Firmen investiert. «Sie bieten nicht nur ein hohes Rendite­potenzial, sondern wiesen in den vergangenen Jahren auch weniger Kursschwankungen auf als die Aktien der grossen Schweizer Firmen», sagt Hug. Er hat acht Jahre bei der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group und danach vier Jahre bei der UBS im Wealth Management gearbeitet, bevor er sich selbständig machte.

Nicht gleich wieder verkaufen

Für das Portfolio werden 20 bis 25 Titel ausgewählt, in die gleich gewichtet – immer mit dem gleichen Betrag – investiert wird. «Wenn ein Titel im Wert steigt, lassen wir das eine Weile laufen und verkaufen nicht gleich wieder, damit die Gleich­gewichtung wieder stimmt», so Hug. Derzeit sind 22 Aktien im Portfolio. «Wir fokussieren uns auf profitable Firmen mit gesunder Bilanz und einer Bewertung, die dem erwarteten Gewinnwachstum entspricht», sagt Hug. Firmen, die Verluste schrieben, würden nicht gekauft.

Eine hohe Bewertung müsse durch künftiges Wachstum gerechtfertigt sein. Wenn eine Firma an der Börse zu einem Preis gehandelt werde, der dem 25fachen des jährlichen Gewinns entspreche, müsse diese Firma schon zweistellig wachsen, damit sie für eine Aufnahme ins Depot in Frage komme.

«Die Beurteilung von Profitabilität und Bilanz ist Handwerk», sagt Hug. Die weiteren Wachstumschancen einer Firma einzuschätzen, sei der schwierige Teil.

Partners Group verkauft

«Wir sind bei all unseren Anlagen sehr diszipliniert, zum Beispiel wenn es darum geht, Aktien von Firmen zu verkaufen, die unseren Anforderungen nicht mehr genügen.» Pro Jahr werde durchschnittlich ein Drittel der Firmen im Portfolio ausgewechselt. «So konnten wir grös­sere Abstürze vermeiden», sagt Hug. In den vergangenen viereinhalb Jahren seit Bestehen des Depots habe keine Aktie im Depot mehr als 15 Prozent verloren.

Erst kürzlich hat Hug die Aktien von Partners Group verkauft. Diese Vermögensverwaltungsgesellschaft ist auf Private-Equity-Anlagen (spezielle Anlage­vehikel) spezialisiert. Wenn diese Anlagen hohe Renditen bringen, erhält die Partners Group Performance Fees, eine Art Erfolgsbeteiligung.

«Partners Group hatte im letzten Jahr aussergewöhnlich hohe Performance Fees», sagt Hug. Er glaube nicht, dass sich das dieses Jahr wiederholen lasse. «Bei der hohen Bewertung der Firma könnte ein Gewinnrückgang durchaus auch einen Kurseinbruch zur Folge haben.» Nach Veröffentlichung der Gewinnzahlen für das Jahr 2017 und einer Kurskorrektur der Aktie kann sich Hug vor­­stellen, die Aktien der Partners Group wieder zu kaufen.

Bereits gekauft hat Hug Aktien von ­Logitech. Diese produziert IT-Peripheriegeräte wie Mäuse, Tastaturen, Kameras und Lautsprecher. «Die Firma wurde umstrukturiert, jetzt scheint uns das Produktportfolio wieder zu stimmen», erklärt Hug. Kein Wunder, gehört Logitech zusammen mit AMS, Also Holding, Metall Zug und Sika zu den grössten Positionen im Depot, das es inzwischen auch als Fonds zu kaufen gibt. Der Fonds Lakefield Swiss Mid & Small Cap Equity ist sogar zum öffentlichen Vertrieb zugelassen (ISIN LU1441977045). Die Mindestanlage beträgt 10 000 Franken, die jährliche Verwaltungsgebühr liegt bei einem Prozent.

Gurit Holding gekauft

Im Fonds finden sich seit kurzem auch die Aktien der Gurit Holding. Die Firma produziert unter anderem Verbundstoffe für Wind­räder. «Die Aktie hat gelitten, weil das Energiegeschäft unter Druck war», sagt Hug. Mit einem Börsenwert von nur dem 14-fachen des Jahresgewinns müsse nun das Wachstum nicht gross sein, damit der Aktienkurs steige.

Weiter steigen sollen gemäss Hug auch die Aktien von AMS, deren Wert sich dieses Jahr schon fast verdoppelt hat. Die Firma stellt intelligente Sensoren her und beliefert unter anderem Apple. Weiteres Wachstum sieht Hug bei der durch AMS übernommenen Firma im Packaging: Mit Sensoren von AMS könnten Artikel möglichst gut identifiziert – was ist es für ein Artikel, wie liegt er? – und dann automatisiert verpackt werden.

 

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