Die Aktionäre haben im vergangenen Jahrzehnt viel deutlicher gegen die Sparer gewonnen als die deutsche Mannschaft an der Fussball-Weltmeisterschaft gegen Brasilien. Nicht nur sieben zu eins, sondern gleich 146 zu eins lautet das Verdikt. ­Aktionäre konnten sich nämlich über die vergangenen zehn Jahre über eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,3 Prozent freuen – gemessen am Schweizer Aktienindex SPI, der über 200 an der Schweizer Börse kotierte Aktien enthält. Das ist 146 Mal so viel wie die 0,05 Prozent, welche die beiden Grossbanken derzeit auf gewöhnlichen Sparkonten bieten. Aus 100 000 in den SPI investierten Franken wurden innerhalb von zehn Jahren 203 000 Franken.

Trügerische Erinnerungen

Wie gut die einfache Kaufen-und-Halten-Strategie funktioniert hat, ist kontraintuitiv, denn die letzten zehn Jahre sind vielen Anlegern als elendes Börsenjahrzehnt in Erinnerung geblieben. Zu stark wirkt der Denkzettel aus der Finanzkrise nach, in der Aktionäre in den Jahren 2007 bis 2009 mehr als die Hälfte ihres Vermögens verloren.

Die Finanzkrise ist aber nicht der Hauptgrund, warum viele Anleger die vergangenen zehn Jahre als verlorenes Börsenjahrzehnt in Erinnerung behalten haben. Viel schwerer wiegt, dass sich Privat­investoren ohne Strategie von ihren eigenen Emotionen dazu verführen lies­sen, zu hohen Kursen zu kaufen und zu tiefen zu verkaufen. Sie kauften, als die Kurse bereits angezogen hatten, weil sie gierig wurden, und verkauften wieder aus Angst, als die Kurse bereits tief ­gefallen waren – was noch schlimmer ist als Ersteres.

Weil sie keiner Strategie folgen, sondern emotional investieren, verdienen Privatanleger meist viel weniger an der Börse, als schon mit der simplen Kaufen-und-Halten-Strategie möglich wäre. Das zeigt etwa eine Studie der US-Firma Dalbar, in der die Renditen der Fondsanleger meist nicht mal halb so hoch sind wie die Performance der Fonds selber. Auch Fonds werden gekauft, wenn sie schon gut gelaufen sind, und verkauft, wenn ihr Wert bereits tief gefallen ist. Das gilt weiterhin, wie die jährlich aufdatierte Studie zeigt, auch wenn die Differenz zwischen Fondsperformance und durchschnittlich erreichter Rendite der Fondskäufer in den vergangenen Jahren kleiner geworden ist.

Konsequenz zahlt sich aus

Das dürfte daran liegen, dass weniger Investoren der Verführung von Gier und Angst erliegen, sondern konsequent einer Strategie folgen – und sei es nur der einfachen Kaufen-und-Halten-Strategie. Konsequent hiess hier, auch dabeizubleiben, als in der Finanzkrise rund die Hälfte des Vermögens verloren ging und die Angst gross war, dass mit Aktien wohl auch noch der Rest des Vermögens vernichtet werden könnte. Das traf dann zum Glück nicht ein. Denn wer konsequent dabei blieb und seine Emotionen in menschliche Beziehungen statt in den Aktienmarkt investierte, konnte sein ­Anlagekapital in den letzten zehn Jahren etwa verdoppeln.

Die Kaufen-und-Halten-Strategie war in den letzten zehn Jahren aber bei weitem nicht die beste. BILANZ hat ­einige Dutzend simple Börsenindikatoren zur Aktienauswahl getestet und stellt die besten vor. Dabei wurde jeweils ein Börsenindikator als Selektionskriterium für zwölf Titel aus dem Schweizer Aktienindex überprüft. Diese zwölf wurden dann über ­jeweils ein Jahr gehalten. Anschlies­send wurden erneut die gemäss dem jeweiligen Börsenindikator zwölf besten Aktien selektiert und wieder über ein Jahr gehalten. Das Ganze wurde über einen Zeitraum von zehn Jahren wiederholt.

Resultat: Eine Strategie brachte eine Rendite von sogar 1066 Prozent. Aus 100'000 in die Strategie investierten Franken wurden 1,166 Millionen Franken.Der Börsenindikator, der Anleger in den vergangenen zehn Jahren zu Millionären gemacht hätte, ist die Aktienperformance über drei Monate. Jedes Jahr wird Anfang Juli zu gleichen Teilen in die zwölf Titel aus dem SPI investiert, die in den drei Monaten von Anfang April bis Ende Juni am stärksten gestiegen sind. Die Strategie beruht darauf, dass Gewinner Gewinner bleiben.

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