Die entscheidende Wende trat an den Aktienmärkten am 8. November 2016, wenige Minuten vor Mitternacht, ein. Vom frühen Abend bis zu diesem Zeitpunkt waren die ­Futures auf den Dow Jones Industrial Index um mehr als 1000 Punkte in die Tiefe gerasselt.

Als klar wurde, dass ­Donald Trump seiner Rivalin Hillary Clinton wichtige nördliche Industrie­staaten abgenommen hatte und seine ­Gewinnchancen auf mehr als 90 Prozent gestiegen waren, schienen die Akteure auf den Finanzmärkten einen Pakt zu schliessen. Die Angst vor dem unberechenbaren, spaltenden und zerstöre­rischen Populisten löste sich in Luft auf. Sie wich der Hoffnung auf einen prag­matischen Geschäftsmann, der die ­Wirtschaft versteht und mit Steuer­erleichterungen und gewaltigen Aus­gabenprogrammen weiter am Laufen 
halten wird.

Turbulent gutes Jahr

Aus dem prognostizierten Crash, der auf eine Wahl Donald Trumps zum 45. Präsidenten folgen sollte, wurde nichts. Statt des Absturzes gab es eine Hausse, die den Dow Jones Index zuletzt auf ein neues Rekordhoch trieb.

Aber es ist nicht nur die Hoffnung auf einen vernünftigen Trump, die für ein ­zwar bewegtes, aber unter dem Strich doch gewinnbringendes neues Jahr an den Finanzmärkten spricht. «Politiker mögen viel Macht haben. Doch selbst die Mächtigsten unter ihnen können die Wirtschaftszyklen nicht verändern», sagt ­Didier Saint-Georges, Investmentstratege und einer der wichtigsten Entscheidungsträger beim französischen Geld­verwalter Carmignac.

Rohstoffe als Treiber

Die Börsen dürften 2017 von einem leichten, aber spürbaren ­Rückenwind durch die Konjunktur profitieren. «Die Anzeichen verdichten sich, dass die Weltwirtschaft im zweiten ­Quartal 2016 ihren Tiefpunkt erreicht hat. Der Welt geht es ein Stück besser», sagt Saint-Georges.

Zeichen und zugleich Treiber dieses Aufschwungs sind die ­steigenden Rohstoffpreise. Die Kurse für Öl, Industriemetalle wie auch für landwirtschaftliche Produkte ziehen seit Mitte 2016 erstmals seit 2012 im Vorjahresvergleich nach oben. Wegen der Kürzung der Ölfördermenge durch die Opec hat sich das schwarze Gold zuletzt sprunghaft verteuert.

Parallele von Handel und Wachstum

Zum ersten Mal seit der Finanzkrise entwickelt sich die Wirtschaft in den Emerging Markets und den Industrieländern nicht zuletzt dank der steigenden Einnahmen aus den Rohstoffexporten synchron. Das bringe einen Aufschwung im Welt­handel. Da der weltweite Handel und das globale Wachstum seit vielen Jahren sehr eng korrelieren, sind die Aussichten auf ansprechende Wachstums­raten gut. Nach Jahren der Flaute blähen sich die Segel wieder etwas.

Der Weltwirtschaft wird im Jahr 2017 ein Wachstum von 3,5 Prozent zugetraut. In der westlichen Welt sind die USA und Japan die stärksten Treiber. Aber auch Brasilien und Russland verabschieden sich aus der Rezession und tragen wieder zum weltweiten Wachstum bei. «Es gibt erste Anzeichen, dass sich die Welt mit Hilfe dieses Wachstums in die Nachkrisen-Ära begibt», sagt Norman Villamin, der Chief Investment Officer Private ­Banking bei der Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP).

Gewaltige Ausgabenprogramme

Diese leichte Erholung der Konjunktur kommt gerade recht, um eine neue 
und sehr wesentliche Entwicklung zu ­unterstützen: Nach Jahren des Sparens scheinen Regierungen zunehmend ­bereit zu sein, der Wirtschaft mit Ausgaben unter die Arme zu greifen. Die Erkenntnis reift, dass selbst negative Zinsen die Wirtschaft nicht in Schwung bringen. «Der Wind dreht hin zu mehr Staatsausgaben. Die gesamte westliche Welt bewegt sich nun in diese Richtung. Das ist neu und für die Märkte wichtig», sagt Saint-­Georges.

Die Notenbanken haben die Welt wohl vor einer grossen Depression bewahrt, den Turbo für die Konjunktur müssen offenbar die Regierungen zünden. Sowohl OECD als auch IWF ­machen den Regierungen Druck, der Wirtschaft mit Ausgabenprogrammen einen «Kickstart» zu verpassen.

Japan macht es vor. Umgerechnet 245 Milliarden Franken werden in den kommenden drei Jahren in Form von Steuersenkungen, Infrastrukturprogrammen und Zahlungen für zwei Millionen bedürftige Haushalte in die Wirtschaft ­injiziert. «Japan hat erkannt, dass es nicht reicht, die zehnjährigen Bonds auf einem Zinsniveau von 0 Prozent zu verankern. Das macht nur in einer Kombination mit einem Ausgabenprogramm Sinn», sagt Saint-Georges. Für viele Experten zählt die japanische Börse nicht zuletzt aus diesen Gründen zu den Top-Favoriten für 2017.

Ampeln auf Grün

Trump hat die Werke von John Maynard Keynes wohl nie gelesen, fährt aber wie Japan voll auf dessen Kurs. «Deficit Spending» ist in aller Munde. Im Wahlkampf war von Investitionen von über 1000 Milliarden Dollar in die Infrastruktur die Rede. Trumps Website nennt inzwischen Investitionen von 550 Milliarden Dollar, um Güter und Personen schneller und sicherer zu bewegen.

«In der spaltenden Wahl konnte jeder Amerikaner einer Aussage zustimmen: Das ganze verdammte Land fällt auseinander», schreibt das US-­Anlegermagazin «Barron’s». Mit einem republikanischen Kongress im Rücken dürften die Ampeln für die ­Realisierung dieses Wahlversprechens auf Grün stehen. Kritiker bemängeln, dass von solchen Programmen meist nur die Bauwirtschaft und die Rüstung profitieren. Investoren können diesen Nachteil mit gezielten Investitionen in den Bausektor für sich nützen.

Das grosse Ding

Schneller und für die Börsenkurse direkter spürbar wäre die versprochene Steuerreform. Der Steuersatz für Unternehmen ist mit durchschnittlich 39 Prozent im internationalen Vergleich sehr hoch. Gleichzeitig nützen global agierende Konzerne Schlupflöcher und parkieren ihr Geld im Ausland.

«Die Steuerreform wird das grosse Ding. Eine signifikante Kürzung der Steuern ist wahrscheinlich», mutmasst Didier Saint-Georges. Diese wiederum würde sich auf die Gewinne und damit die Börsenkurse auswirken. Laut einer Berechnung von Carmignac würde eine Halbierung der Unternehmenssteuern einmalig zu einer 15- bis 20-prozentigen Steigerung der Nettogewinne und langfristig zu höheren Margen führen. Der Applaus der Börsen würde nicht lange auf sich warten lassen.

Die diskutierte Re­patriierung der im Ausland parkierten Milliarden ­in die USA kommt als Treiber für Dividenden, Aktienrückkäufe und M&A-Aktivitäten hinzu. Auch von der prognostizierten Dollaraufwertung lässt sich profitieren. «Für Schweizer Investoren sind ungehedgte Anlagen in US-Dollars attraktiv», sagt Christopher Probyn, Chefökonom bei State Street Global ­Advisors.

Teuere US-Börsen

Ein wesentliches Risiko für den US-Markt sind Handelsbarrieren. Mit diesen lässt sich im Wahlkampf zwar Stimmung machen, aber dem Ziel, Amerika wieder grossartig zu machen, sind sie ganz und gar nicht dienlich. «Die US-Wirtschaft braucht in einer globalisierten Welt ­bil­
lige Arbeitskräfte und tiefe chinesische Produktionskosten», so Saint-Georges. Bleibt zu hoffen, dass diese Erkenntnis auch bei Trump reift.

Steigende Gewinne können die Unternehmen gut brauchen. Vor allem die US-Börsen sind teuer. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 liegt bei über 20. Seit 1956 war das nur in fünf Perioden der Fall. Auch das Shiller-KGV befindet sich mit mehr als 27 deutlich über dem historischen Durchschnitt. Bereinigt man die europäischen Indizes um die Banken, sind die Bewertungen auch hier hoch.

Für Aktien sprechen die Aussicht auf steigende Gewinne und vor allem der Vergleich mit vielfach negativ rentierenden Obligationen. «Aktien sind höher bewertet als im historischen Durchschnitt, aber im Vergleich zu Anleihen attraktiv», sagt UBS-Ökonom Alessandro Bee.

Aussichtsreiche Sektoren

Überdurchschnittliche Chancen bieten 2017 einzelne Sektoren. Nachdem Hillary Clinton ihrem Ärger über die hohen ­Medikamentenpreise in einem Tweet Luft gemacht hatte, wanderten die Kurse in der Pharma- und Biotech-Industrie monatelang Richtung Süden. Eine teilweise oder gänzlich erfolgende Aufhebung des ­Affordable Care Act würde nicht nur die Profitabilität der Konzerne, sondern auch die Kurse wieder stärken.

Weniger Regulierungen unter einem Präsidenten Trump erhofft man sich in der Finanzbranche. Goldman-Sachs-Boss Lloyd Blankfein erwartet einen schnellen Abbau von Auf­lagen. Eine ­Auflösung oder Aufweichung des Dodd-Frank Wall Street Reform Act könne im Sektor laut Berechnungen des UBP-­Experten Villamin zu einer 25- bis 40-prozentigen Steigerung der Gewinne führen.

Auch Europas Banken könnten profitieren. Um Nachteile im globalen Wettbewerb zu ­verhindern, dürften ­Behörden den Banken in Sachen Regulierung ein Stück entgegenkommen. «Basel IV könnte verwässert werden», sagt Saint-Georges. Europäische Banken sind günstig. Die Bewertungen nähern sich den während der Bankenkrise 2008/09 und 2012/13 erreichten ­Niveaus. Morgan Stanley prognostiziert für ­europäische Banken 2017 eine Neu­bewertung. Die ­Value-Experten von Braun, von Wyss & Müller trauen der Credit-Suisse-­Aktie eine deutliche Aufwertung zu.

Schweizer Franken noch immer zu teuer

Ohne Risiko ist ein Investment in Banken bekanntlich nicht. Die Bilanzprobleme sind bei vielen Instituten nicht verschwunden. Das Wiederaufflammen der Eurokrise schwebt gerade im Wahljahr 2017 wie ein Damoklesschwert über der Branche und europäischen ­Anlagen insgesamt. Richtungsentscheide sind unter anderem in den Niederlanden, Deutschland und Frankreich fällig.

«Die Entscheidung in Frankreich birgt das grösste Risiko. Gewinnt Marine Le Pen, könnte eine Abstimmung über den Verbleib in der EU und damit auch in der Eurozone folgen», sagt UBS-Ökonom Bee. Bei einem ungeordneten Austritt eines wichtigen Landes aus der Eurozone wären laut dem Experten sogar Staatspleiten möglich. Insgesamt bieten die europäischen Märkte mehr Risiken als Chancen.

Solange die Eurokrise nicht ausgestanden ist und sich die europäische Wirtschaft nicht kräftig erholt, bleibt der Franken zum Euro überbewertet. Dieser Wechselkurs bestimmt die Schweizer Konjunktur. Die hiesigen Unternehmen haben mit dieser Beeinträchtigung einigermassen gut zu leben gelernt. Im ersten Halbjahr 2016 exportierte die Schweiz sogar mehr als je zuvor. Geht es nach Alessandro Bee, wird die Erholung «nicht stärker, aber an Breite gewinnen» und etwa auf Uhrenhersteller oder den Handel übergreifen. Für den Schweizer Markt mit seinen defensiven Qualitäten ist UBS-Mann Bee «kurzfristig eher skeptisch». Die zuvor gescholtene Pharmaindustrie dürfte positiv hervorstechen.

Inflation auf gutem Weg

Grösser sind die Chancen in den Emerging Markets. 2016 fand ein dreijähriger Bärenmarkt ein Ende, die Märkte zählten 2016 weltweit zu den besten. «2017 sollten Emerging-Markets-Aktien eine anhaltende Outperformance erzielen», prognostiziert man bei der UBP. Der ­Abschlag zu Aktien aus Industrieländern liegt bei knapp 30 Prozent und befindet sich damit in der Nähe seines Allzeithöchsts.

Asiatische Aktien werden mit einem KGV von 14 gehandelt, US-Titel mit einer vergleichbaren Rentabilität mit einem KGV von 20. Anders als in den USA verlangsamt sich in vielen Emerging ­Markets die Inflation. Erstmals seit 2009/10 werden markt­stützende Zinssenkungen möglich.

Notenbanken gehen vom Gas

In den vergangenen Jahren kam es auf die Bewertungen, wie es schien, gar nicht 
so an. Die expansive Geldpolitik der ­Notenbanken trieb die Nachfrage nach ­risikoreicheren Anlagen vor sich her. Nach und nach droht nun diese Unterstützung für die Märkte zu weichen.

Die Europäische Zentralbank verlängerte das Anleihenrückkaufprogramm bis Ende 2017, fuhr das Volumen aber etwas zurück. Das grössere Risiko liegt in einem geldpolitischen Bremsmanöver der USA. Denn mit dem Wahlsieg Donald Trumps und den versprochenen Aus­gaben ist dort die Inflation als Thema wieder präsent. «Es gibt Anzeichen für eine Inflations­beschleunigung», heisst es bei der UBP. In der ersten Jahreshälfte 2017 werden ­alleine schon die im Vergleich zu 2016 
höheren Niveaus bei den Rohstoffpreisen für steigende Inflationsraten sorgen.

Der Markt hat auch schon eine weniger expansive Politik der Notenbank eingepreist. Die langfristigen Zinsen schossen in die Höhe – im Gegenzug rauschten die Anleihenkurse in den Keller. «Das tiefe Zinsniveau erlaubt keine Fehler. Weil die Zinsen so tief sind, können die Bondmärkte schnell korrigieren», sagt Didier Saint-Georges von Carmignac. Das wissen auch die Notenbanken. Sie wollen die Bondblase auch nicht zum Platzen bringen, sondern die Luft kontrolliert ent­lassen. Das ist nur mit kleinen und ­seltenen Zinsschritten möglich. «Zwei Zinsschritte zu je 25 ­Basispunkten sind für 2017 derzeit das wahrscheinlichste Szenario», sagt US-Ökonom Probyn.

Kaum Aussichten für Gold und Immobilien

Kräftiger steigende Zinsen wären vor allem für die Bondmärkte eine grosse ­Belastung, werden aber nur bei einer deutlich steigenden Inflation notwendig sein. Noch ist keine grosse Besorgnis angebracht. «Die Welt wird nicht inflationär, sondern weniger deflationär, das ist ein grosser Unterschied und eine gute Nachricht», so Saint-Georges.

Wer bei einer Inflationsabsicherung an Gold denkt, liegt grundsätzlich nicht falsch. Dennoch sind die Aussichten für Gold 2017 nicht besonders gut. Zwar könnte sich die Nachfrage aus Asien wieder beleben – doch ­sprechen sowohl steigende Zinsen als auch ein starker Dollar für eine deutliche Aufwertung.

Auch beim Betongold gibt es in der Schweiz wenig Potenzial. UBS-Experte Bee sieht eine Konsolidierung des Wohn­immobilienmarkts. Preisdämpfend wirkten die starke Bautätigkeit der letzten Jahre und die steigenden Leerstände und nicht zuletzt der Rückgang der Migration. Im Gegenzug stützten die tiefen Zinsen und der allgemeine Anlagenotstand die Preise. «Daran dürfte sich in den nächsten Jahren wenig ändern», sagt Bee.

Vom Ladenhüter zum Renner

Vielversprechend erscheint eine Absicherung über inflationsindexierte Anleihen. Jahrelang ein Ladenhüter, kam die Nachfrage nach dieser Asset-Klasse zuletzt eindrücklich zurück. Fondsmanager der bekanntesten US-Vermögensverwalter haben bedeutende Portfolioteile von Staatsanleihen in Treasury Inflation-Protected Securities (TIPS) umgeschichtet. Diese haben neben dem Zinscoupon eine an den Verbraucherpreisindex gekoppelte Ertragskomponente.

«Die grosse Frage ist, wo man für die Risiken, die man eingeht, heute noch fair bezahlt wird», sagt Villamin. Bezahlt werden Anleger laut dem Experten bei inflationsgeschützten Anleihen. Dort gebe es «asymmetrische Chancen». Laut dem UBP-Chefinvestor bewerte der TIPS-Markt die Inflation falsch. Eine Normalisierung der Inflation in den Kursen der TIPS sei nicht eingepreist.

Solche Chancen sind auf dem Markt für klassische Schweizer Staatsanleihen nicht präsent. Diese Papiere sind mit ihrer negativen Rendite keine Option. Wer noch auf klassische Bonds setzt, sollte kurz laufende wählen. Eine wenig beachtete, aber wegen ihres Chance-Risiko-Verhältnisses interessante Anlageform sind Wandelanleihen. Steigen die Kurse an den Aktienmärkten, machen diese Produkte die Bewegung im Schnitt zu zwei Dritteln mit. Die Bondkomponente bremst den Kursverfall auf ein Drittel ein. In den vergangenen 20 Jahren entwickelten sich die sogenannten Convertibles sowohl besser als der Bond- als auch als der Aktienmarkt, und das bei geringerem Risiko.

Fundamentaldaten trauen

Auswege aus der Renditewüste lassen sich auch in den Emerging Markets finden. «Für Investoren mit einem langen Anlagehorizont bieten sich Emerging-Markets-Bonds in Lokalwährung an», sagt State-Street-Experte Probyn.

Michael Hasenstab, der Anleihen-Star von Franklin Templeton, hält Bonds in Mexiko, Brasilien, Argentinien, Kolumbien, Indonesien und Malaysia für unterbewertet. Mexiko sei für eine Abnabelung zu eng mit US-Unternehmen verknüpft. Der Peso sei über Gebühr abgestraft.

Indonesien ist für Hasenstab ein solides Beispiel für die Stärke in bestimmten Emerging Markets. Der Markt legte trotz einbrechender Rohstoffpreise und Chinas Wachstumsproblem zu. Insgesamt habe es in den Emerging Markets trotz der Abwertung der Währungen keine Bonitätsprobleme gegeben, ein Zeichen der Stabilität. «Die Märkte tendieren dazu, auf den handelspolitischen Ton der Schlagzeilen zu achten, auch wenn die Fundamentaldaten eine andere Geschichte erzählen», sagt Hasenstab.

Abwarten auf Trumps Reife

TIPS, Convertible Bonds und Mexiko – weil die klassischen Anlagen durch die Manipulation der Notenbanken teuer wurden, sind Anleger zunehmend dazu gezwungen, Neuland zu entdecken. 1995 konnten Investoren allein mit einem soliden Staatsanleihenportfolio und einer «Buy and hold»-Strategie mit einer Rendite von 7,5 Prozent rechnen.

Heute ist eine solche Rendite, wenn überhaupt, nur mit einer breiteren Streuung und dennoch deutlich höheren Risiken erreichbar. Laut einer Studie von Callan hat sich das Abweichungsrisiko seit 1995 verdreifacht. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Aktien- und Anleihenmärkte zunehmend gleich verhalten. «Wir rechnen damit, dass die Anlageklassen in Zukunft positiv korreliert sein werden», so Villamin. Eine Absicherung über Bonds wird so nicht nur wegen der geringen Yields zum Problem.

Bleibt zu hoffen, dass Donald Trump in der Diplomatie an Reife gewinnt und nicht mehr Porzellan zerschlägt als befürchtet. Die Finanzmärkte haben Trump einen grossen Vertrauensvorschuss gegeben. Wie sich am 8. November gezeigt hat, kann sich der Wind auf den Märkten schnell drehen.

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