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Depotanalyse: Weniger ist mehr

Der Einsatz von Indexfonds verhilft zu einer optimalen ­Diversifikation bei tiefen Kosten.

Von René Weibel
13.02.2009

AUSGANGSLAGE. A.G. ist 42 Jahre alt, ledig und hat zwei kleine Kinder. Er lebt seit mehr als zehn Jahren im Ausland. Auf dem ursprünglichen Wertschriftenvermögen von 236  000 Franken resultieren Buch­verluste von beinahe 50 Prozent. Neben den Wertschriften verfügt A.G. über ein Freizügigkeitsguthaben von 122  000 Franken, Barmittel von 80  000 Franken sowie einen Hausanteil in Frankreich im Wert von 150  000 Franken. Die jährliche Sparquote beträgt 35  000 Franken. Die Risikobereitschaft von A.G. ist «tief bis mittel» bei einer Renditeerwartung von netto fünf Prozent.

VERLUSTE TROTZ DIVERSIFIKATION. Das Wertschriftendepot umfasst 20 Positionen von Anlage- und Themenfonds, strukturierten Produkten, Exchange ­Traded Funds (ETF) und die zwei Aktienpositionen Credit Suisse und UBS. Die falsch verstandene Diversifikation führt nicht zu tieferen Risiken, sondern zu einer unübersichtlichen Vermögensstruktur und zu hohen Kosten.

ZIELKONFLIKT ERSICHTLICH. Die Risikobereitschaft «tief bis mittel» stimmt mit der aktuellen Depotaufteilung – 75 Prozent Aktien und 25 Prozent Obligationen – nicht überein. Der Aktienanteil ist klar zu hoch. Daraus resultiert auch der gewaltige Wertverlust von über 110  000 Franken. Wenn der Aktienanteil entsprechend der Risikobereitschaft reduziert wird, kann jedoch die Nettozielrendite von fünf Prozent nicht erreicht werden. Hier wird der klassische Zielkonflikt zwischen Risikobereitschaft und Ertrags­erwartung sichtbar.

KOSTEN REDUZIEREN. Neben Aus­gabekommissionen von 1 bis 2 Prozent fallen bei den aktiv geführten Fonds jährliche Managementgebühren von durchschnittlich 1,5 Prozent an. Durch den gezielten Einsatz von ETF können die Gesamtkosten stark gesenkt werden. Mit den weit über 100 an der SIX Swiss Exchange gehandelten ETF kann jede Aktienanlagestrategie passiv abgebildet werden. Auch bei Obligationenanlagen haben die ETF im vergangenen Jahr häufig ­bessere Resultate erzielt als die aktiv gemanagten Fonds.

WIE WEITER? Die Anlagestrategie muss überdacht und die Risikobereitschaft mit der Ertragserwartung abgestimmt werden. Die vielen kleinen Einzelpositionen sollten durch ETF ersetzt werden. Die Einzelpositionen Credit Suisse und UBS würden wir verkaufen und durch ­defensive Werte wie Novartis und Nestlé ersetzen.

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