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Depotanalyse: Vorsicht ist geboten

Die Banken begehen stets die gleichen Beratungssünden. Eine umfassende Depotanalyse deckt Anlagefehler auf.

Von René Weibel
27.02.2009

BERATUNGSSÜNDEN DER BANKEN. In dieser Rubrik analysiere ich für BILANZ-Leser seit bald einem Jahr Wertschriftendepots mit Blick auf die Gesamtvermögenssituation. Hier wie als ­Jurymitglied des BILANZ-Private-Banking-Ratings stelle ich die gleichen ­Beratungsfehler fest. Die ursächlichen Probleme sind eine mangelnde Risikoaufklärung und der unangesprochene Zielkonflikt zwischen Rendite und Risiko. ­Zudem ist die Beratung oft produkt- und nicht lösungsorientiert.

FEHLEINSCHÄTZUNGEN MIT FOLGEN. Ich stelle fest, dass viele Anleger zu hohe Anlagerisiken eingehen und Produkte kaufen, die sie nicht verstehen. Auch die viel beschworene Diversifikation wird ­vernachlässigt oder falsch umgesetzt. Bei Obligationenanlagen werden die Schuldner- und Fremdwährungsrisiken häufig krass unterschätzt. In vielen Depots findet man teure strukturierte Produkte, der Einsatz von kostengünstigen ETF kommt dagegen oft zu kurz. Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise bringt vielerorts den klassischen Zielkonflikt zwischen Renditeerwartung und Risikobereitschaft offen zutage.

DEPOTCHECK LOHNT SICH. Eine Depotanalyse deckt übermässige Risiken auf und zeigt, wie sich der Gesamtertrag optimieren lässt und Kosten reduziert werden können. Ausgangslage ist die aktuelle Lebens- und Vermögenssituation. Wichtige Eckwerte sind das persönliche Anlageziel, die Risikobereitschaft, der Anlagehorizont und die Liquiditätsbedürfnisse. Eine umfassende Depotanalyse zeigt auf, welche mittelfristigen Erträge erwartet werden dürfen und mit welchen Kurs- und Rendite­schwankungen zu rechnen ist.

KONKRETES VORGEHEN. Zuerst wird ein Rendite- und Risikoprofil für das Gesamtvermögen erstellt. Hier werden Fragen zu bestehenden Risiken und den zu erwartenden Anlagerenditen beantwortet. Eine so definierte Anlagestrategie wird auf die Einkommens- und Vermögenssitua­tion und den Anlagehorizont abgestimmt. Das Depot wird auf eine optimale Diversifikation und Klumpenrisiken hin untersucht. Der Einsatz bankeigener Fonds und strukturierter Produkte gibt einen wichtigen Anhaltspunkt dafür, wie unabhängig die Anlageberatung ist: Vorsicht ist geboten, wenn Ihr Anlageberater ausschliesslich Anlagefonds der eigenen Bank und unübersichtliche strukturierte Produkte zur Umsetzung der Anlagestrategie einsetzt. Ein Kostencheck ist ebenfalls ein wichtiges Element einer Depotanalyse.

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