In einer schnelllebigen Welt ist immer viel von Wandel die Rede. Besonders rasant zeigen sich Veränderungen derzeit im Bereich der Zahlungsabwicklung. Immer öfter wird elektronisch und weniger mit Bargeld bezahlt, und inzwischen wird sogar schon über die Abschaffung von Bargeld diskutiert.

In den USA ist das Verhältnis Bargeld zu elektronischem Geld schon jetzt eindeutig: Von den Konsumausgaben im Land, die rund zwei Drittel des Bruttoinlandproduktes von rund 11,5 Billionen Dollar ausmachen, entfallen laut der Handelsorganisation Electronic Transaction Association 70 Prozent der Transaktionen auf eine elektronische Bezahlweise.

Elektronisches Bezahlen – Verwendung nimmt weltweit zu

Für Europa wurden jüngst von einem Kreditkartenanbieter für den Zeitraum 1. Mai 2015 bis 30. April 2016 folgende Zahlen mitgeteilt: In diesem Zeitraum seien drei Milliarden kontaktlose Zahlungsvorgänge abgewickelt worden – das entspricht fast einer Verdreifachung. Noch würden in der Region aber 70 Prozent aller Zahlungen in bar abgewickelt. Das zeigt jedoch auch das Wachstumspotenzial von elektronischem Geld, gerade in Europa.

Unterstützt wird dieser Trend auch durch den Aufstieg des E-Commerce. Der derzeitige Weltmarktanteil von unter 10 Prozent (rund 1,7 Billionen Dollar E-Commerce gegenüber Einzelhandelsumsätzen von insgesamt 22,5 Billionen Dollar) lässt jedenfalls noch viel Luft nach oben. Der Marktforscher eMarketer geht für die Jahre 2014 bis 2016 von E-Commerce-Wachstumsraten von 22 Prozent p.a. aus. Der Zuwachs für den gesamten Einzelhandel für den genannten Zeitraum wird hingegen nur auf deutlich geringere 5 bis 6 Prozent p.a. beziffert.

Sicherheitsbedenken werden Vormarsch kaum aufhalten

Aber gegen die elektronische Zahlungsmethode gibt es noch viele Bedenken. Oft haben diese Vorbehalte mit Sicherheitsaspekten zu tun. So wittern in Deutschland laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC fast neun von zehn Deutschen (85 Prozent) die Gefahr, dass bei mobilen Bezahlverfahren Daten gehackt und missbraucht werden könnten. Trotzdem rechnen immerhin 30 Prozent der Deutschen damit, dass es Bargeld in zehn Jahren nicht mehr geben wird und dass dann somit nur noch mit EC- oder Kreditarten oder mobil per Smartphone bezahlt werden kann.

Mehr E-Commerce und Wachstum bei elektronischen Bezahltransaktionen – Unternehmen des Sektors sind vielversprechend. Die Krux dabei ist allerdings, dass hohe Wachstumsraten in der Vergangenheit sowie weiterhin günstige Aussichten bereits ein reges Interesse der Anleger an den Vertretern aus diesem Segment entfacht haben. Folge sind oftmals anspruchsvolle Bewertungen der entsprechenden Aktien. Dennoch gibt es attraktive Kandidaten.

Visa und Global Payments – hohes KGV ist durch hohes Wachstum gerechtfertigt

Unter den traditionellen Kreditkartenanbietern kann beispielsweise Visa Inc. (ISIN: US92826C8394) mit einem intakten langfristigen Aufwärtstrend aufwarten. Um grünes Licht in Sachen Bewertung geben zu können, muss man dort allerdings etwas in die Trickkiste greifen. Denn bei einem geschätzten 26er-KGV für 2016 ist die Bewertung optisch hoch. Doch das relativiert sich, falls es in den kommenden Jahren zum erhofften Wachstum kommt. Auf Basis der für 2019 erwarteten Ergebnisse von 4,23 Dollar je Aktie ermässigt sich das KGV dann auf 18,7.

Auch sonst gehört die USA regional gesehen zu den Gebieten mit den meisten Auswahlkandidaten. Ein Unternehmen, das ebenfalls überzeugt, ist Global Payments Inc. (ISIN: US37940X1028). Dem Spezialisten für elektronische Transaktionen ist es jüngst mit dem Quartalsausweis gelungen, die Erwartungen zu schlagen. Dem optisch hohen 22er-KGV für 2016/17 steht ein von Analysten für die nächsten fünf Jahre erwartetes Gewinnwachstum von 23,7 Prozent p.a. gegenüber.  

NXP Semiconductors – nach Zukauf wieder im Aufwind

Nach einem zwischenzeitlich kurzen Ausrutscher zeigt sich auch Total System Services Inc. (ISIN: US8919061098) in einer wieder erstarkten Form. Neue Kursrekorde sind dadurch wieder in Reichweite. Der US-Kreditkarten-Dienstleister überzeugte in den vergangenen fünf Jahren mit einem jährlichen Gewinnplus von im Schnitt fast 22 Prozent, und in den nächsten fünf Jahren soll es immerhin noch zu einem Ergebniszuwachs von 12,5 Prozent p.a. kommen. Wird geliefert oder vielleicht sogar noch etwas mehr geleistet, dann scheint ein geschätztes 16er-KGV für 2017 noch vertretbar zu sein.

Aus dem Halbleiterbereich bietet sich als Kaufkandidat NXP Semiconductors (ISIN: NL0009538784) mit Sitz in den Niederlanden an. Im Bereich Mobile Payment ist das Unternehmen als Spezialist für die Near Field Communication (NFC) gut positioniert, denn Systeme für das mobile Bezahlen verwenden in der Regel diese Technologie. Nach der im Vorjahr vollzogenen rund 40 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Freescale Semiconductor hat sich der Aktienkurs eine Auszeit genommen, doch seit kurzem ist der Kurs wieder in Fahrt gekommen.

Wirecard – Aufholjagd nach dem Kursdämpfer

Nach einem Kursdämpfer Anfang des Jahres läuft es jetzt auch beim deutschen Online-Zahlungsabwickler Wirecard AG (ISIN: DE0007472060) wieder besser. Immerhin konnte das Unternehmen im ersten Quartal einen deutlich gestiegenen Gewinn ausweisen. Fällt jetzt der Widerstand bei etwa 42 Euro, dann könnte das Allzeithoch der Aktie vom November bei 47,38 Euro schnell wieder erreicht sein.

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