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Darum darf an Brasiliens Aufschwung geglaubt werden

Rio de Janeiro: Der politische Kurs sorgt für vorsichtigen Optimismus. Keystone

Brasilien zählt nicht gerade zu den Favoriten der Investoren. Doch seit Jahresbeginn hat sich der Aktienmarkt besser entwickelt als viele andere Börsen. Warum vor allem langfristig Potenzial besteht.

Von Annika Janssen
19.08.2016

Bis zum Wochenende laufen in Rio de Janeiro noch die Olympischen Spiele. Die Begeisterung für den Wettbewerb ist hierzulande trotz durchwachsener Bilanz ungebrochen. So wie in der Schweiz schauen sportbegeisterte Menschen derzeit weltweit ins Olympia-Gastgeberland Brasilien.

Auch Investoren haben das südamerikanische Land im Blick. Grund dafür ist allerdings nicht die Begeisterung für das sportliche Grossereignis, sondern die Entwicklung des Aktienmarktes. Seit dem Jahresbeginn ist der brasilianische Aktienindex Bovespa um mehr als 33 Prozent gestiegen und hat sich damit besser entwickelt als die Börsen in den meisten anderen Ländern. Ein Ende der Rally ist nicht in Sicht. Marktbeobachter betrachten das krisengebeutelte Land wieder mit vorsichtigem Optimismus und bescheinigen Brasilien vor allem langfristig Potenzial. Für risikofreudige, geduldige Anleger könnte dies nutzbringend sein.

Politische Krisen und ungünstige Rohstoffpreise

In den vergangenen Jahren zählte Brasilien nicht gerade zu den Favoriten der Investoren – wenngleich das Land, gemessen am Bruttoinlandprodukt (BIP), zu den zehn grössten Volkswirtschaften der Erde zählt. «Verantwortlich für das Desinteresse der Investoren waren vor allem politische Krisen, Korruptionsskandale rund um den Ölkonzern Petrobas und die ungünstige Entwicklung der Rohstoffpreise», sagt Gabriela Tinti, Fondsmanagerin bei der Investmentgesellschaft Erste Asset Management.

Tatsächlich hat Brasiliens Wirtschaft seit dem Jahr 2011 unter der Wende im Rohstoff-Superzyklus und unter sinkenden Rohstoffpreisen besonders gelitten. Rund 60 Prozent der Ausfuhren des Landes haben mit Rohstoffen zu tun, Brasilien exportiert zum Beispiel Zucker, Kaffee und Orangensaft in einem grossen Stil. Das macht das Land stark abhängig von der Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten.

Tiefe Rezession und politische Krise

Im vergangenen Jahr geriet das Land in eine tiefe Rezession, die durch eine tiefgreifende politische Krise noch verstärkt wurde: Ein Korruptionsskandal stellte die Glaubwürdigkeit der Präsidentin Dilma Rousseff in Frage, die Regierung war monatelang instabil, das Land wie gelähmt. Inzwischen läuft ein Amtsenthebungsverfahren gegen Rousseff. Eine Übergangsregierung unter Vizepräsident Michel Temer soll die Lage im Land nun wieder in den Griff bekommen. Eine der grössten Herausforderungen für die Übergangsregierung ist das hohe Haushaltsdefizit, das auf rund 10 Prozent gestiegen ist.

Übergangspräsident Temer verfolgt eine wirtschaftsliberale Politik. Gleich nach seiner Amtsübernahme kündigte er Strukturreformen und eine Liberalisierung des Arbeitsmarktes an. «Das ökonomische Potenzial des Landes ist durch den Reichtum an Rohstoffen und eine junge, immer besser ausgebildete Bevölkerung fraglos gegeben», sagt Peter Taylor, Investmentmanager bei Aberdeen Asset Management. Es könnte also durchaus sein, dass es gelingen wird, die Wirtschaft des Landes wieder in die Spur zu bekommen. Zudem geht es auch am Rohstoffmarkt seit geraumer Zeit wieder aufwärts.

Abhängigkeit von Rohstoffmärkten

Darin liegt allerdings das grösste Problem des Landes, denn die wirtschaftliche Entwicklung Brasiliens wird auch in Zukunft substanziell von den internationalen Rohstoffmärkten abhängen. Investoren sollten diesen Risikofaktor im Auge behalten, zumal das Land die Rezession noch nicht hinter sich gelassen hat. Der Aufwärtstrend am Aktienmarkt wurde zuletzt vor allem vom Optimismus der Anleger getragen, die davon ausgehen, dass Übergangspräsident Temer einen besseren Job macht als Vorgängerin Rousseff.

Wer darauf vertraut und am Aufschwung am brasilianischen Aktienmarkt teilhaben will, sollte keinesfalls in Einzeltitel investieren. Diese bringen, wie bei Schwellenländeraktien üblich, ein hohes Risiko mit sich. Zudem fehlt Privatanlegern meist die Marktkenntnis, um zielgerichtet Aktien brasilianischer Unternehmen kaufen zu können. Die bessere Wahl ist ein Schwellenländerfonds mit einem hohen Brasilien-Anteil im Portfolio. Oder, als unkomplizierte und preisgünstigere Alternative, ein ETF auf den brasilianischen Leitindex Bovespa.

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