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Chinesen-Ansturm: Diese Luxusfirmen profitieren

Gefragt bei Chinesen: Louis Vuitton.  Keystone

Luxus ist weiterhin gefragt. Weltweit. Angeschoben wird die Nachfrage insbesondere durch die reisefreudigen Chinesen. Welche Luxus-Unternehmen dabei besonders hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.

Von Christian Ingerl
29.05.2015

Eine edle Designer-Handtasche, Markenschmuck oder exquisite Kleidung – Luxus ist weiterhin gefragt. Weltweit. Angeschoben wird die Nachfrage insbesondere durch die reisefreudigen Chinesen. «Touristen haben eine Schlüsselstellung, sie machen mittlerweile weltweit 30 bis 40 Prozent des Marktes für Luxusgüter aus», erklärt Fondsmanagerin Scilla Huang Sun von Swiss & Global Asset Management. Dieser Trend soll sich in den kommenden Jahren fortsetzen. Die Expertin geht davon aus, dass bis 2020 jeder zweite Chinese zur kaufkräftigen Mittelschicht gehört.

Die Bäume wachsen trotz des lukrativen Tourismusgeschäfts nicht in den Himmel. Eine schwächelnde Konjunktur in Europa, das Fehlen konsumfreudiger Russen sowie strengere Regeln für Geschäftskundengeschenke in China bremsten das Absatzwachstum im vergangenen Jahr auf «nur» 5 Prozent aus. Für das laufende Jahr wird jetzt aber immerhin wieder ein Anstieg der Verkaufsraten von 6 bis 8 Prozent prognostiziert. «Wir sind der Ansicht, dass die Wachstumsraten 2014 ihren Tiefpunkt erreicht und mittlerweile überwunden haben», sagt Anlageprofi Andrea Gerst von Swiss & Global Asset Management. Denn nicht nur die Zahl der Luxusgüterkonsumenten aus den Schwellenländern, die mittlerweile die Hälfe des globalen Verbrauchs ausmachen, wächst, auch die Verkaufszahlen in Europa ziehen wieder an.

LVMH: Weltmarktführer streckt die Fühler aus

Ein erster Fingerzeig kam bereits von Branchenprimus LVMH (ISIN FR0000121014), der in den ersten drei Monaten seinen Umsatz um 16 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro steigern konnte. Die Franzosen blicken hoffnungsvoll in die Zukunft und rechnen im laufenden Jahr mit «sehr guten» Ergebnissen. Rückenwind kommt nach Ansicht von LVMH-Chef Bernard Arnault von der anziehenden Konjunktur in Europa sowie vom schwachen Euro. Zudem möchte sich der Luxuskonzern breiter aufstellen. Dazu hat LVMH kürzlich Interesse am Kauf der französischen Tageszeitung «Le Parisien» angemeldet.

Mit dem Wirtschaftsblatt «Les Echo» verfügt der Konzern bereits über ein Engagement im Zeitungsmarkt. Noch steht der Zukauf unter Vorbehalt der Wettbewerbsbehörden. Parallel soll LVMH auch nach der Parfümeriekette Douglas greifen. Allerdings haben sich diese Spekulationen noch nicht bestätigt. Anleger sind allerdings rundum zufrieden mit der Konzernentwicklung, die LVMH-Aktie legte seit Silvester um rund einen Viertel zu. Das positive Momentum könnte dem Luxus-Titel noch höhere Zuwächse im laufenden Jahr bescheren.

Burberry: Licht und Schatten

Auch Burberry konnte mit ihrem jüngsten Zahlenset überzeugen. Der britische Hersteller von Trenchcoats und Schals steigerte im zweiten Halbjahr 2014/15 (31. März) seinen Umsatz unter anderem wegen starker Zuwächse in den USA um einen Zehntel und hielt so das Wachstumstempo aus dem ersten Semester aufrecht. Mit einem Vorsteuerergebnis von 456 Millionen Pfund für das Gesamtjahr konnte das Unternehmen zudem die Markterwartungen leicht übertreffen. Allerdings sorgte Burberry mit ihrem Ausblick für eine kalte Dusche. Für 2015/2016 wird der Gewinn im Einzel- und Grosshandel angesichts der Aufwertung von US-Dollar und Schweizer Franken um 40 Millionen Pfund geringer ausfallen als bislang angepeilt worden ist.

Die Marktreaktion liess nicht lange auf sich warten. Der Kurs brach innerhalb einer Woche um mehr als 5 Prozent ein, und zahlreiche Analysten stuften den Luxus-Valor ab. So senkten beispielsweise die Analysten der Credit Suisse ihre Gewinnschätzungen und bekräftigten ihr «Underperform»-Rating. Fundamental gesehen, drängt sich ein Kauf von Burberry derzeit nicht auf. Allerdings halten sich Gerüchte am Markt, dass die Briten ein attraktives Übernahmeziel von Finanzinvestoren darstellen. Sollte der Kurs also weiter nachgeben, könnte diese Spekulation wieder aufleben.

Schweizer Luxus-Valoren mit unterschiedlichen Aussichten

Bei den beiden heimischen Branchenvertretern Richemont (ISIN CH0210483332) und Swatch (ISIN CH0012255151) sind die Aussichten derzeit zweigeteilt. Erstgenannter sorgte soeben mit seiner Jahresbilanz für 2014/15 für eine Enttäuschung. Der Gewinn brach um 35 Prozent ein. Auch in das neue Jahr ist Richemont nur schleppend gestartet. Aufgrund einer schwachen Nachfrage in Asien – der Konzern musste sogar die Preise für Uhren der Marke Cartier in Hongkong um 5 Prozent senken – ging der Umsatz im April währungsbereinigt um 8 Prozent zurück. Hinzu kommt mit Apple ein neuer Gegner am Markt für Luxusuhren. Trotz des Erfolgs des US-Hightech-Konzerns möchte Richemont keine eigene Smartwatch auf den Markt bringen.

Das sieht Swatch-Chef Nick Hayek anders, er steigt ins Smartwatch-Rennen gegen Apple ein. Neue Uhrenmodelle sollen mit Kommunikations-Chips ausgerüstet werden, sodass beispielsweise eine bargeldlose Zahlung möglich ist. Dazu hat Swatch gewichtige Partner wie die chinesische Kreditkartenorganisation China Union Pay ins Boot geholt. Die ersten kommunikationsfähigen Modelle sollen im Sommer unter dem Namen «Touch Zero One» auf den Markt kommen. Dem nicht genug, Hayek möchte in Zukunft noch einen weiteren Trumpf aus dem Ärmel ziehen. Der weltweit zweitgrösste Uhrenhersteller plant, eine langlebige Batterie auf den Markt zu bringen. «Wer eine Batterie auf den Markt bringt, mit der man eine smarte Uhr ein halbes Jahr nicht aufladen muss, der hat einen Wettbewerbsvorteil», gibt sich der Swatch-Chef bereits siegessicher. 2016 soll dieser revolutionäre Akku nicht nur für Uhren, sondern auch für Automobile auf den Markt kommen. Risikobereite Anleger setzen auf einen Erfolg.

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