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Börsenhändler sind Algorithmen häufig überlegen

Mensch schlägt Maschine: Börsenhändler sind für Grossaufträge häufig besser. Keystone

Bei grossen Börsenhandelsaufträgen kamen bisher meist Algorithmen zum Einsatz. Doch nun zeigt sich: Der Anteil der von Händlern abgewickelten Grossaufträge steigt. Weil Menschen besser sind.

Von Harry Büsser
28.06.2016

Die Maschinen mögen unaufhaltsam die Welt erobern. Doch es gibt eine Ecke, wo die Menschen derzeit zurückschlagen und gewinnen. Ausgerechnet in den Börsenhandelsräumen der Banken werden wieder vermehrt Menschen gesucht, die grosse Börsenhandelsaufträge von Kunden platzieren. Denn wie es sich zeigt, sind diese Händler oftmals den Computern und deren Algorithmen überlegen.

Das zeigt sich auch in der Statistik, wo erstmals seit langer Zeit der Anteil der von Menschen abgewickelten grossen Börsenhandelsaufträge (sogenannte Block Trades) von 2014 auf 2015 wieder gestiegen ist – und das in den USA und in Europa gleichzeitig.

Eindeutige Tendenz

In der Vergangenheit war die Tendenz eher, dass die grossen Börsenhandelsaufträge von Algorithmen in kleinere Aufträge zerstückelt und abgearbeitet wurden. Dadurch sollte verhindert werden, dass etwa ein grosser Kaufauftrag für eine Aktie dazu führte, dass der Käufer selber den Preis der Aktie nach oben trieb.

Zudem sollte durch die Zerstückelung des Grossauftrages in kleinere Aufträge verunmöglicht werden, dass sogenannte Hochfrequenzhändler die Grossaufträge entdeckten und davon profitierten. Durch sehr schnelles Handeln können die Hochfrequenzhändler die Aktien vor dem Gross­investor kaufen und diesem danach mit einer Gewinnmarge verkaufen. Das erhöht den Einstandspreis zuungunsten des Gross­investors.

Börsenhändler sind überlegen

Die Algorithmen vermögen das nicht immer zu verhindern. Ein Experte einer hiesigen Grossbank sagt, dass es dann oft besser sei, einen Börsenhändler zu beauftragen, eine Gegenpartei für die Transaktion ausserhalb der Börsen zu suchen, als einen Grossauftrag über Börsenalgorithmen abzuwickeln.

Die automatisierten Lösungen für die Abarbeitung solcher Grossaufträge würden derzeit generell überdacht. Denn je mehr Grossinvestoren wieder dazu übergingen, direkt Gegenparteien zu suchen, desto einfacher werde es, solche zu finden. Dieser Netzwerkeffekt werde auch in der Statistik sichtbar, wo wieder ein höherer ­Anteil der grossen Börsenaufträge von Menschen abgewickelt werde, die Gegenparteien für diese Aufträge suchten.

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