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Warnung 
Bankberater: Der Null-Null-Effekt für die Aktien-Anleger

Aktien: Besser nicht auf den Bankberater hören.   Keystone

Den Empfehlungen der Bankberater besser nicht folgen, so warnt Anleger eine Studie der Uni St. Gallen. Mit ihren Aktienkauf-Tipps liegen sie oft falsch. Einen Rat der Profis sollte man doch befolgen.

Von Christian Bütikofer
14.08.2015

Wie gut beraten Banken ihre Kunden in Sachen Finanzanlage und Vorsorge? Ein Team um die beiden Professoren Markus Schmid und Nic Schaub vom Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen (SBF) hat die Aktien-Deals von Kunden einer grossen Schweizer Retail-Bank ausgewertet.

Dabei hatten die Forscher des SBF, das der Universität St. Gallen angegliedert ist, Zugriff auf die Aktiengeschäfte und konnten auch nachvollziehen, ob ein Kunde ein Börsengeschäft unabhängig von seinem Bankberater vornahm oder ob er den Deal auf dessen Rat hin tätigte. Die Ergebnisse sind beeindruckend.

Zufällige Gewinne

Die Auswertung der Daten in der Studie «The Impact of Financial Advice on Trade Performance and Behavioral Biases» zeigen, dass die Bankberatung die Performance der Kundenportfolios nicht verbesserte. Im Gegenteil: Aktiengeschäfte, die aufgrund eines Tipps des Beraters getätigt wurden, fielen im Schnitt sogar weit schlechter aus, als solche, die der gleiche Investor unabhängig vollzog.

Die Bankberater schienen bei ihren Tipps vor allem den Hinweisen verkaufsorientierter Analysten zu folgen, heisst es in der 45-seitigen Studie. Das aber führte offenbar dazu, dass die Kunden bei ihren Geschäften mit Aktien ganz zufällige Gewinne machten. So investierten sie offenbar oft auch dann, wenn eine Aktie nahe ihres Jahreshochs stand.

Schlechte Anlage-Empfehlungen

Allerdings nehmen Bankberater der Studie zufolge keineswegs nur schlechten Einfluss auf die Entscheidungen ihrer Kunden. Vielmehr helfen sie ihnen dabei, ihr Portfolio besser zu diversifizieren. So vermeiden die Anleger dank ihnen auch das als «local bias» bekannte Phänomen, viel zu hohe Anteile an Aktien heimischer Unternehmen zu halten. Die Berater helfen auch, Verluste zu realisieren und sich von liebgewordenen Aktien zu trennen. Oftmals halten Kleinanleger ihre Anteile nämlich zu lange in der Hoffnung auf doch noch steigende Kurse.

Doch übers Ganze gesehen standen die Bankberater beim so genannten Stock-picking, also dem Aufstöbern von wirklichen Gewinner-Papieren, ziemlich neben den Schuhen. Der positive Effekt beim Management der Aktiendepots (Diversifikation, Verlust-Realisierung) wurde durch die schlechten Anlage-Tipps so zunichte gemacht.

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