Aktienkurse von Börsenlieblingen steigen oft in stratosphärische Höhen. Doch wehe, die hochgeschraubten Erwartungen der Anleger trüben sich auch nur leicht; dann werden die Papiere innert kürzester Zeit nach unten geprügelt. Dies ist nun Nobel Biocare passiert. Nach einem ausdauernden Höhenflug gerieten die Titel des Dentalimplantate-Herstellers gegen Ende des vergangenen Jahres unter Druck, innert fünf Wochen büssten die Valoren 13 Prozent ein.

Den Absturz ausgelöst haben zwei schwedische Professoren: Sie behaupten, die von Nobel Biocare im Frühling 2004 eingeführte Implantatlinie Nobel Direct weise arge Mängel auf. So habe sich bei einem Drittel der rund 300 von ihnen untersuchten Patienten übermässiger Knochenschwund eingestellt. Als der Leiter einer schwedischen Zahnklinik bekannt gab, er habe ähnliche negative Erfahrungen mit diesem Produkt gemacht, stiegen auch Institutionelle aus den Aktien aus. Der Imageschaden für Nobel Biocare ist gross. Heliane Canepa sorgt sich noch mehr um die Patienten: «Die müssen doch darauf vertrauen können, dass ihnen ein erstklassiges Implantat eingesetzt wurde», ereifert sich die Firmenchefin mir gegenüber. «Wir lancieren nichts ohne vorgängige Studien und Tests. Und unsere Daten zeigen, dass Nobel Direct ein gutes Produkt ist.» Ein Produkt übrigens, das gerade mal zwei Prozent an den Firmenumsatz beisteuert.

Die Geschehnisse um Nobel Biocare weisen Ungereimtheiten auf. Die beiden Professoren lehren an derselben Universität in Göteborg, der Chef der Zahnklinik hat gemäss einem Helvea-Analysten bei einem der beiden seine Doktorarbeit gemacht. Zufall? Vielleicht. Doch warum treten diese Knochenprobleme nur in Schweden derart gehäuft auf? Schliesslich verkauft Nobel Biocare dieses Implantat weltweit. Jüngst hat die Universität Göteborg nach langem Drängen von Nobel Biocare die Dokumente ausgehändigt. Und siehe da, es konnten lediglich 27 Problemfälle vorgelegt werden – und nicht deren 100.

Heliane Canepa hat die schwedische Arzneimittelbehörde eingeschaltet, damit diese eine Untersuchung durchführe. Sind Sie Aktionär, dann halten Sie die Valoren, bis die Ergebnisse vorliegen. Mutige Anleger können die derzeitige Kursschwäche für einen Einstieg nutzen. Zwar sind die Titel trotz den Rückschlägen hoch bewertet, doch Nobel Biocare wie auch Konkurrent Straumann zählen für mich auf lange Sicht zu den attraktivsten Aktien der Schweizer Börse.

Dieses Gebiet ist gutbetuchten Kunden vorbehalten», habe ich jüngst über Private Equity geschrieben. Worauf mich Leser anfragten, ob es denn gar keine in der Schweiz zum Vertrieb zugelassene Fonds gebe. Wie es der Zufall will: Swisscanto hat kürzlich die Zeichnung für den Equity Fund Listed Private Equity abgeschlossen (Tranche B für Privatanleger: Valor 2 326 746). Dieser Fonds investiert weltweit in die wichtigsten kotierten Aktien von Private-Equity-Firmen. Dabei orientiert sich das Fondsmanagement am LPX 50; dieser Index umfasst die Titel der 50 grössten Unternehmen dieser Branche. Der LPX 50 wurde übrigens von der Basler Firma LPX ausgetüftelt, einer Absplitterung der Uni Basel, bei der auch Finanzmarkttheoretiker Heinz Zimmermann mittut. Nur schade, dass der Fonds erst jetzt kommt. Die Grafik zeigt, wie viel über die letzten drei Jahre zu verdienen gewesen wäre: Seit Anfang 2003 stieg der LPX 50 um mehr als 80 Prozent, während der globale Aktienindex MSCI World nicht einmal die Hälfte davon erreicht.

Bereits seit September 2004 gibt es den PG LPE Fund (Tranche Private Klasse: Valor 1 902 991). Dieser von der Zuger Finanzgesellschaft Partners Group gemanagte Fonds konzentriert sich ebenfalls auf die liquidesten Aktien von Private-Equity-Unternehmen. Und dies mit beträchtlichem Erfolg: Seit der Lancierung erwirtschaftete die Fondsleitung eine Performance von 30 Prozent – keine schlechte Leistung für einen Zeitraum von 16 Monaten. Zumal sich die Zuger bei Ausgabe- und Verwaltungskosten eher zurückhalten.

Smalltalk beim Steh-Lunch nach einer Firmenpräsentation. Ich frage den Finanzanalysten einer Zürcher Privatbank, welches für ihn die heisseste Schweizer Aktie sei. «Eiii Diii Biii», nuschelt er und schiebt sich den Rest des Schinkengipfeli in den Mund. «Nein, nein, Sie haben mich falsch verstanden, ich interessiere mich für Schweizer Aktien.» Worauf der Bankier zu kauen aufhört und mich verdutzt, ja fast misstrauisch anblickt. Im Tram fällt es mir siedend heiss ein: In meinem Gehirn ist das Unternehmen nicht unter ADB, sondern als Advanced Digital Broadcast gespeichert.

Das 1995 gegründete Genfer Unternehmen ist tatsächlich ein Überflieger der Sonderklasse. Seit dem Börsengang vom April 2005 haussierten die Aktien um 130 Prozent. Trotz dieser fast unglaublichen Performance figurieren ADB auf den Empfehlungslisten der meisten Banken ganz zuoberst. Aus gutem Grund: Die von ADB verkauften Set-Top-Boxen zum Empfang digitaler TV-Programme erfreuen sich einer hohen Nachfrage, die Firma kann ein entsprechend starkes Wachstum vorweisen. ADB-Chef Andrew Rybicki, Elektroingenieur und Baumeister des Erfolgs, prognostiziert über die nächsten Jahre eine Umsatzzunahme von durchschnittlich einem Drittel. Und die Erträge dürften mit dieser Entwicklung mühelos Schritt halten. Denn ADB hat die Kosten dank einer wenig alltäglichen Struktur im Griff: In Polen entwickeln rund 400 Beschäftigte neue Software und Anwendungen, etwa 100 Angestellte beaufsichtigen in Taiwan die von Fremdbetrieben hergestellten Produkte. In der Schweiz stehen lediglich einige Dutzend Namen auf der Lohnliste.

Die ADB-Aktien sind mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 nicht überzahlt. Dennoch eignen sich die Titel nur für risikofreudige Anleger. Die Kurschancen sind zwar gross – genauso gross sind aber auch die Risiken.

Noch nie war die Flut an Informationen, die jeweils um die Jahreswende über uns Anleger und Finanzjournalisten hereinbricht, so gross: keine Bank, keine Vermögensverwaltungsfirma, die nicht ihre Meinung über Börse, Konjunktur oder Zinsen kundtun wollte. Das Gros der Finanzhäuser beurteilt die Aussichten für den Schweizer Aktienmarkt optimistisch. Dieselben Kreise waren vor Jahresfrist noch auf Moll gestimmt: kaum ein Institut, das damals deutlich steigende Kurse prognostizierte. Die UBS sagte sogar beim Swiss Market Index eine Einbusse von etwa sieben Prozent voraus. Die Realität: Der SMI ist im vergangenen Jahr um volle 33 Prozent in die Höhe geschossen!

Erstens kommt es anders, und zweitens als mancher Analyst denkt. Trifft dies auch für 2006 zu? Ich werde mich hüten, ebenfalls Börsenorakel spielen zu wollen. Nur so viel: Stellen Sie sich darauf ein, dass in diesem Jahr die Ernte magerer ausfallen dürfte als 2005. Vorsichtig agierende Investoren tun gut daran, den Aktienanteil im Portefeuille etwas zurückzufahren. Setzen Sie vermehrt auf Blue Chips mit anständigen Renditen. Ich denke da an CS Group, Ems-Chemie, die Liechtensteinische Landesbank, National, Richemont, Sarasin, UBS und VP Bank oder an die kleinen, aber immer noch feinen Kantonalbanken von Graubünden, Luzern, St. Gallen und Zug.

Ihr Frank Goldfinger

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