Der Anlagestratege Warren Buffett, obwohl mit mittlerweile 74 Jahren auch nicht mehr der Jüngsten einer, vermag die Investoren immer noch in seinen Bann zu schlagen. Vor wenigen Wochen pilgerten 20 000 Aktionäre an die Generalversammlung der von ihm geleiteten Investment-Firma Berkshire Hathaway, die traditionell in Omaha im US-Bundesstaat Nebraska stattfindet. Dort mussten er und sein Vize Charles Munger während sechs Stunden lang Fragen beantworten über Anlagestrategien, Marktentwicklungen und anderes mehr. Nachher stellte sich das «Orakel von Omaha», wie Buffett durchaus hochachtungsvoll genannt wird, unprätentiös an den Holzkohlegrill.

Es geht auch intimer. Dieser Tage wird beim Internet-Auktionshaus Ebay ein Lunch der besonderen Art versteigert: Der Meistbietende kann sich mit sieben Freunden und zusammen mit Warren Buffett an den Mittagstisch setzen. Gespeist wird entweder in Omaha oder New York. Wer mitsteigern will, darf nicht knausern. Die zum sechsten Mal durchgeführte Versteigerung beginnt mit einem Aufrufpreis von 25 000 US-Dollar – einem Bruchteil des endgültigen Gebots: Vor zwei Jahren erhielt David Einhorn, Gründer der US-Anlagefirma Greenlight Capital, für 250 100 Dollar den Zuschlag. Letztes Jahr liess sich Jason Choo, ein Geschäftsmann aus Singapur, den Lunch mit dem US-Milliardär 202 100 Dollar kosten. Mitbieten können Sie unter www.ebay.com/glide. Eile ist angesagt, denn am 30. Juni um 19 Uhr – Pacific Daylight Time! – fällt der virtuelle Hammer.

Übrigens kommt der Auktionserlös nicht Warren Buffett zugute, sondern der Glide Foundation, die sich für Arme und Obdachlose in San Francisco einsetzt. Falls Sie den Zuschlag erhalten, dann lassen Sie sich vertrauensvoll von Buffett in sein Lieblingsrestaurant ausführen, das «Gorat’s Steak House», natürlich in Omaha. Er wird Ihnen sein Lieblingsgericht empfehlen: heisses Roastbeef-Sandwich, Kartoffelstock und eine Extraportion Sauce.

Andere Staaten haben ihre Steuern gesenkt, wir erhöhen sie laufend», poltert André Kudelski in einem Interview mit der «HandelsZeitung». Auch weitere Missstände prangert der Chef des gleichnamigen Technologieunternehmens an. Und droht unverhohlen: «Wenn sich die Rahmenbedingungen in der Schweiz für uns weiter verschlechtern würden, hätten wir absolut kein Problem, in die USA umzuziehen.» Ich bin mir nicht sicher, ob sich André Kudelski völlig darüber im Klaren war, welche Ängste und Verunsicherung seine Worte bei Angestellten, Aktionären, Lieferanten und Kunden hervorrufen würden. Jedenfalls fragte mich ein besorgter Leser, was er denn mit seinen Kudelski-Papieren machen solle, wenn der Auszug Tatsache würde.

Keine Bange, für die Aktionäre ändert sich kaum etwas. Falls denn André Kudelski mit seiner Drohung wirklich Ernst machte, würde er sich davor hüten, die so genannte Primärkotierung seiner Aktien an der SWX aufzuheben. Es gibt übrigens mehrere Unternehmen, die ihre Valoren an der Schweizer Börse kotiert haben, obwohl sich ihr Hauptsitz im Ausland befindet. Ich denke da an Logitech (USA), SEZ (Österreich), E-centives (USA) oder an die in Israel beheimateten Oridion und SHL Telemedicine.

Überhaupt werde ich den Eindruck nicht los, dass André Kudelski etwas gar schnell aus der Hüfte geschossen hat. Es stimmt, wir sind in der Schweiz einer zunehmenden Regulierungswut ausgesetzt. Und die Fiskalquote steigt stetig. Doch bei der Steuerbelastung von Unternehmen – und das müsste Kudelski ja am meisten interessieren – schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich sehr gut ab: Während der amerikanische Fiskus vom Reingewinn zwischen 30 und 55 Prozent verlangt, kassiert der Schweizer Fiskus im Schnitt nur 25 Prozent. Also wenn das kein angenehmer Standortvorteil ist!

Ich habe mich an dieser Stelle schon einmal über den völlig verpatzten Börseneinstand von Arpida ausgelassen. Die Aktien des biopharmazeutischen Unternehmens sind am 4. Mai 2005, dem ersten Handelstag, gegenüber ihrem Emissionspreis zeitweise um ein Viertel abgesackt. Ein Debakel, wie ich es noch nie erlebt habe. Einige Wochen danach, Mitte Juni, kam plötzlich Leben in die Titel; innert vier Sitzungen legten die Aktien unter hohem Handelsvolumen 16 Prozent an Wert zu. Die Kauffreude eher unverhofft ausgelöst haben erste Kaufempfehlungen, und zwar von Julius Bär und der Deutschen Bank.

Eigentlich ein normaler Vorgang. Dennoch habe ich mich geärgert. Denn ausgerechnet die Deutsche Bank hatte bei der Arpida-Emission die Federführung, Julius Bär war Co-Manager. Mit der etwas gar durchsichtigen Kaufempfehlung soll, so scheint mir, der Imageschaden, den vor allem das deutsche Geldhaus durch den drittklassig betreuten Börsengang erlitten hat, wieder ausgebügelt werden. Nicht dass die beiden Institute mit ihren Kauftipps gegen irgendwelche Vorschriften verstossen hätten – laut den 2003 von der Schweizerischen Bankiervereinigung erlassenen «Richtlinien zur Sicherstellung der Unabhängigkeit der Finanzanalyse» darf eine Bank, die als Manager oder Co-Manager bei einem IPO mitgewirkt hat, während 40 Tagen nach dem ersten Handelstag keine neue Studie oder neue Empfehlung abgeben.

Beide Banken haben sich an diese Richtlinie gehalten – höchst penibel sogar. Denn exakt nach 40 Tagen wurden die Kaufsignale abgegeben. Die Deutsche Bank hat auf diesen Tag hin sogar eine 42-seitige Arpida-Studie veröffentlicht. Die Empfehlung «buy» wurde mit dem ausgesprochen hoffnungsfrohen Kursziel von 24 Franken geschmückt. Dies entspricht einem Kurspotenzial von sage und schreibe 73 Prozent. Die Bär-Finanzanalysten haben übrigens eine Studie auf Anfang Juli angekündigt; da bin ich mal gespannt auf deren Kursziel. Beiden Instituten rate ich zu etwas mehr Feingefühl.

Bevor der Übernahmekampf so richtig heiss laufen konnte, ist er auch schon wieder vorbei. Hans Hess, CEO von Leica Geosystems, lehnt die unfreundliche Offerte aus Schweden ab. Und Ola Rollén, Chef der kaufwilligen Hexagon, will das Angebot auf keinen Fall erhöhen. Unter diesen Voraussetzungen glaube ich kaum, dass der Deal noch zum Abschluss kommen wird. Und das ist gut so.

Nicht dass ich den Leica-Aktionären einen schönen Gewinn nicht gönnen würde; doch ich bin froh, dass Leica selbstständig bleibt. An der hiesigen Börse gibt es leider nur wenige Unternehmen, die sich mit viel versprechenden Technologien befassen. Leica gehört dazu. Die Firma aus Heerbrugg entwickelt und produziert hochmoderne Vermessungstechnik, die in der Navigation, im Bauwesen, in Raum- und Luftfahrt sowie in anderen Bereichen Anwendung findet.

An der Bahnhofstrasse wird Leica eine erfreuliche Zukunft bescheinigt. Deshalb scheint es mir attraktiver zu sein, an dieser Entwicklung über steigende Aktienkurse zu partizipieren, als einen schnellen Gewinn aus der Übernahme einzustreichen. Welche Kurschancen Leica bergen, lässt sich daran ablesen, dass die Aktien des amerikanischen Hauptkonkurrenten Trimble rund 40 Prozent höher bewertet sind. Der Angriff hat die Leica-Titel jedoch um über 20 Prozent in die Höhe getrieben. Da lohnt sich ein Zuwarten, bis der Kurs wieder etwas zurückgekommen ist.

Ihr Frank Goldfinger

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