Die dramatische Finanznot in Griechenland spitzt sich zu. Bereits sehen einige Medien den Pleitegeier über Athen kreisen. Und obwohl sich die griechische Regierung weiter optimistisch gibt, befürchten Beobachter, dass dem Land schon Ende März das Geld ausgehen könnte.

Die Lage ist ernst. Ministerpräsident Alexis Tsipras muss die Eurogruppe und die EZB so schnell wie möglich von seinem Reformwillen überzeugen, damit das Land weitere Hilfe erhält. Doch anderswo läge für die Griechen viel Geld bereit – und zwar in der Schweiz. Rund 800 Millionen Euro haben reiche Griechen schätzungsweise auf Schweizer Bankkonten geschafft.

Nie bei der Schweiz gemeldet

Bereits im Februar 2014 hat das Staatssekretariat für internationale Finanzfragen Griechenland angeboten, das Geld aufzuspüren. Doch nach Recherchen der «Welt am Sonntag» haben sich weder Finanzminister Yanis Varoufakis noch seine Vorgänger jemals bei der Schweizer Behörde gemeldet.

Dabei sei es wahrscheinlich, dass ein grosser Teil der Zinseinnahmen auf dieses Geld unversteuert geblieben sei, so die «Welt am Sonntag». Der Regierung in Athen entgingen damit mutmasslich Steuereinnahmen in Millionenhöhe. Und dies in einer Situation akuter Finanznot, in der die Regierung laut darüber nachdenkt, auf die Gelder von Sozialkassen und anderer Institutionen zuzugreifen.

Kreditgeber wollen Vorschläge sehen

Griechenland finanziert seinen Staatshaushalt seit Jahren hauptsächlich über Hilfskredite der internationalen Geldgeber. Die neue Regierung lehnt die damit verbundenen Bedingungen indes als unsozial ab. Bis Ende April muss sie deshalb der Euro-Zone alternative Reformvorschläge unterbreiten.

Laut der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» fordern der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ein klares Bekenntnis von Alexis Tsipras. Er müsse sich bald in einem Brief an die Euro-Gruppe zum Eintreiben von Steuern, zu Privatisierungen sowie anderen Reformvorhaben bekennen.

Unverständliches Abwarten

Warum Varoufakis und Tsipras mit dem Eintreiben der Steuern nicht in der Schweiz beginnen, wissen nur sie selbst. Viele andere Länder haben sich ganz von selbst auf die Suche nach vor dem Fiskus verstecktem Geld im Ausland begeben. Ganz ohne Hilfsangebot der Schweizer Behörden.

(mit Material von Reuters und «Welt am Sonntag»)

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