Er ist nicht nur für Börsianer einer der Hoffnungsträger Indonesiens: der parteilose Wirtschaftsfachmann Budiono. Als der ehemalige Finanzminister und Notenbanker Anfang Dezember als neuer Wirtschaftsminister nominiert wurde, schossen die Aktien an der Börse von Jakarta nach oben, und die Landeswährung, die vorübergehend unter die Schmerzgrenze von 10 000 Rupiah gegen den Dollar gefallen war, fing sich wieder. Budiono hat sich einen Namen gemacht, weil er zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds und der Weltbank dazu beitrug, dass Indonesien die Folgen der Asienkrise von 1997/98 überwand.

Die Wirtschaft ankurbeln, die Inflation zügeln, die Währung stabilisieren und enger mit der Zentralbank zusammenarbeiten – all das schreibt er sich als Wirtschaftsminister auf die Fahne. Eine wichtige Botschaft für Aktien in Jakarta, schliesslich sorgen sich ausländische Investoren um die Kreditwürdigkeit indonesischer Unternehmen. Ging es um Asien, hatten Anleger bisher vor allem die grossen Börsen im Visier: Japan, Indien, Südkorea und, trotz Kursverlusten, China. Die zweite Garde der Asienbörsen blieb abgeschlagen. Doch nun treten die Nachzügler aus dem Schatten – die Börsen in Indonesien, Thailand und Malaysia werden von der Aufbruchstimmung in der asiatisch-pazifischen Region beflügelt. «Die hohen Zinsen und Ölpreise hatten hier keineswegs so negative Folgen, wie viele Ökonomen erwartet hatten», sagt Geoff Lewis, Chef der Abteilung für Investment-Dienste bei JF Asset Management in Hongkong. Immer mehr interessierte, aber bislang zurückhaltende Käufer geraten nun in Zugzwang. Weijian Shan, Partner der Investment-Gruppe Newbridge Capital in Hongkong, plädiert für Investments über die Grenzen einzelner asiatischer Länder hinaus – auch das fördert die Jagd nach Wertpapieren, die bisher zurückblieben. Die Asian Development Bank in Manila erwartet in den nächsten zwei Jahrzehnten gar einen gemeinsamen Finanzmarkt. «Das gäbe der Wirtschaft in der gesamten Asien-Pazifik-Region zusätzliche Wachstumsimpulse», sagt Geng Xiao, Ökonom an der Universität Hongkong.

Malaysia lockt Anleger mit guten ökonomischen Aussichten. Zwar kam das Land zunächst nur mühsam aus der Asienkrise von 1997/98; vor allem die damals eingeführten Kapitalverkehrskontrollen erwiesen sich als Hemmschuh. Im Frühjahr 2005 aber fiel die Bindung der Landeswährung Ringgit an den US-Dollar, und der Aktienmarkt probte den Aufstand. Im Vergleich zum terrorgeschüttelten Indonesien ist Malaysia stabil. Es verfügt über grosse Erdöl- und Erdgasvorkommen, eine florierende Elektronikindustrie und eine weit entwickelte Landwirtschaft; alles Branchen, die derzeit globalen Rückwind bekommen. Letztes Jahr wuchs die Wirtschaft Malaysias um gut fünf Prozent. Die Inflation liegt mit etwa drei Prozent im asiatischen Mittel. Die Notenbank ist wachsam, ohne gleich die Wirtschaft abzuwürgen. Im November erhöhte sie zum ersten Mal seit sieben Jahren die Leitzinsen. Zentralbankchef Zeti Akhtar Aziz rechnet damit, dass die Konjunktur dieses Jahr an Fahrt gewinnt.

Auch in Indonesien kommt die Wirtschaft nun voran. Ein Meilenstein war der Abbau der Subventionen für Treibstoffe und Öl im Herbst 2005. Die Indonesier müssen jetzt zwar mehr als doppelt so viel für Benzin bezahlen wie vor einem Jahr, dafür wird aber der Staatshaushalt entlastet. Zugleich wurde die Ölwirtschaft des Landes liberalisiert, dem Staatskonzern Pertamina das Monopol entzogen. Im lukrativen Tankstellengeschäft – Indonesien hat über 240 Millionen Einwohner und einen wachsenden Bedarf an Mobilität – haben sich nun internationale Energiekonzerne in Stellung gebracht: Shell, Chevron und BP. Sie werden mit dem Ausbau der vernachlässigten Raffinerien dazu beitragen, die Ölreserven des Landes von vier bis fünf Milliarden Barrel nutzbar zu machen.

Am weitesten ist Thailand. Hier fährt Regierungschef Thaksin Shinawatra seit seinem Amtsantritt 2001 einen klaren Liberalisierungskurs. Nach einem Dämpfer im vergangenen Jahr treiben nun der Export landwirtschaftlicher Produkte und staatliche Investitionen die Wirtschaft an. Dazu kommt die Rückkehr der Touristen, wichtige Devisenbringer für das Land. «In den vergangenen Monaten war das Wachstum stärker als erwartet», sagt Losa Mak aus Hongkong, Fondsmanagerin des HSBC Thai Equity Fund. Zwar drücken hohe Benzinpreise auf die Kauflust der Verbraucher, doch Schritt für Schritt wächst das Konsumentenvertrauen wieder. Mak: «Sofern der Ölpreis nicht deutlich steigt, dürften der Tourismus und die Investitionen in grosse staatliche Projekte die Konjunktur vorantreiben.» Umgerechnet rund 54 Milliarden Franken will die thailändische Regierung bis 2009 in Megaprojekte stecken, allen voran in den Ausbau des Nahverkehrs in und um Bangkok, in Bewässerungssysteme und den Bau von Wohnungen und Häusern. Der Schweizer Marc Faber, Vermögensverwalter und Autor des monatlichen Reports «Gloom, Boom & Doom», sieht in seiner Wahlheimat Thailand besonders gute Anlagechancen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2006 um 10 ist der Aktienmarkt um ein Viertel günstiger als der Durchschnitt der Börsen im asiatisch-pazifischen Raum. Die wichtigsten Papiere des Landes bieten zusammen eine attraktive Branchenmischung: der Energieversorger PTT, der Baustoffkonzern Siam Cement und die führende Finanzadresse, die Bangkok Bank. Allerdings ist der Kauf einzelner Aktien dieser Couleur nur etwas für Spezialisten. Erst recht gilt das für die Börsen in Malaysia und Indonesien, auch wenn die Bewertung der grossen Unternehmen mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen zwischen 10 und 14 in Relation zum Wachstum noch moderat ist.

Für die einzelnen Länder gibt es bei den Grossbanken Zertifikate. Vorteil: Da diese Papiere ein Bündel von Aktien abdecken, wird das Risiko einzelner Ausreisser abgefedert. Nachteil: Zwischen Kauf und Verkauf ist eine Spanne von bis zu fünf Prozent. Da die Aktienbarometer der Börsen Bangkok, Jakarta und Kuala Lumpur zudem reine Kurskurven sind, gehen Anlegern mit Zertifikaten die Dividenden durch die Lappen, im Durchschnitt der drei Märkte immerhin vier Prozent.

Hier spielen Aktienfonds ihre Vorteile aus. Für Privatanleger in der Schweiz ist das Angebot nicht gerade berauschend. Aber die Fonds in der oben stehenden Übersichtstabelle brachten seit 2002 alle zweistellige Jahresrenditen, und dies umgerechnet in harte Schweizer Franken. Mit einer annualisierten Gesamtperformance von mehr als 35 Prozent steht der DIT Indonesia an der Performance-Spitze. Der Thailand-Fonds des Crédit Agricole zeigt kurzfristig eine Schwäche, doch im längerfristigen Vergleich brachte auch er eine Rendite von knapp 35 Prozent. In der Tabelle zeigt allerdings auch die relativ hohe Standardabweichung, dass die zweite Garde Asiens zu den stark schwankenden Aktienmärkten gehört.

Ähnlich grosse Schwankungen müssen die Anleger in China verkraften. Trotzdem bleibt das Reich ein Ausnahmefall: Die Wirtschaft boomt, die Börse darbt. Die in Shanghai notierten Werte sind weit davon entfernt, die wirtschaftliche Potenz des Landes widerzuspiegeln. «Um die Krankheit des Aktienmarkts zu kurieren, muss die Kapitalausstattung der notierten Unternehmen angehoben werden, und es müssen neue Aktiengesellschaften an die Börse kommen», so Weijian Shan von Newbridge Capital. Erst dann werden Aktien aus Shanghai so interessant wie die in Hongkong notierten chinesischen Festlandsaktien.

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