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Anleger sollten Trumps Kampfrhetorik trotzen

Anleger sollten Trumps Kampfrhetorik trotzen
«Trump-el-tier»: Donald Trump ist beim diesjährigen Karneval ein beliebtes Motiv. Keystone

Mit seinen Äusserungen beeinflusst Donald Trump die Aktienkurse der SMI-Schwergewichte. Anleger sollten sich da nicht blenden lassen, andere Faktoren sind entscheidender.

Von Annika Janssen
2017-02-24

Die Autohersteller hat Donald Trump sich in den vergangenen Monaten schon mehrfach vorgenommen. Kurz vor seinem Amtsantritt als US-Präsident nahm er auch die Pharmabranche ins Visier: Mitte Januar kündigte Trump an, die Medikamentenpreise in den USA senken zu wollen. «Wir werden Milliarden von Dollar sparen», sagte er.

Nach seiner Vereidigung am 20. Januar verschärfte der US-Präsident die Gangart. Er will die Konzerne drängen, mehr in den USA zu produzieren. Mit seinen Äusserungen schickte der US-Präsident die Kurse von Pharmaaktien weltweit auf Talfahrt. Es traf auch die Titel der SMI-Schwergewichte Novartis und Roche.

Kurze Talfahrt der Pharmatitel

Die Vereinigten Staaten sind für die Pharmaindustrie der mit Abstand wichtigste Markt – das gilt auch für die beiden Basler Konzerne. Novartis und Roche erwirtschaften mehr als ein Drittel ihres Umsatzes in den USA und erzielen dort höhere Margen als in den meisten anderen Regionen der Welt.

Die Talfahrt der Schweizer Pharmatitel währte jedoch nur kurz. Im vergangenen Monat schaffte der Novartis-Valor ein Plus von fast 10 Prozent, der Kurs von Roche konnte um 5 Prozent zulegen. Grund dafür sind die zum Teil widersprüchlichen Äusserungen Trumps: Bei einem Treffen mit führenden Pharmavertretern vor einigen Wochen wiederholte der US-Präsident zwar seine Äusserungen nach Preissenkungen. Er stellte den teilnehmenden Pharmabossen – darunter Novartis-Chef Joe Jimenez – aber auch Steuersenkungen und beschleunigte Genehmigungsverfahren für neue Arzneimittel in Aussicht.

Der Kampfrhetorik zum Trozt

Für Anleger ist also schwer einzuschätzen, welche Gefahr tatsächlich von Trump für Pharmatitel ausgeht. Analysten empfehlen deshalb, sich auf das operative Geschäft der Unternehmen zu konzentrieren. Jeffrey Holford, Analyst von Jefferies, hat den Novartis-Titel auf seine Favoritenliste gesetzt: «Für den Konzern sind die Risiken wegen Unsicherheiten bei der Preisgestaltung von Medikamenten in den USA nur gering», sagt Holford. Grundsätzlich stehe das Unternehmen gut da.

Gleiches gilt für Roche: Stefan Schneider, Analyst der Bank Vontobel, empfiehlt den Titel weiterhin zum Kauf – aller Kampfrhetorik des US-Präsidenten zum Trotz.

Trump geht nicht über alles

Indes hat der US-Präsident in den vergangenen Wochen nicht nur die Kurse der Schweizer Pharma-Schwergewichte beeinflusst: Die grossen Finanzvaloren aus dem Leitindex SMI haben eindeutig von Trumps Wahl profitiert. In den drei Monaten nach Trumps Wahl schaffte der Titel der UBS ein Kursplus von fast 20 Prozent, die Credit Suisse legte um 15 Prozent zu.

Allerdings zeigt sich an den Bankaktien, dass der US-Präsident für Anleger eben doch nicht der wichtigste Faktor bei der Kaufentscheidung ist: Die UBS-Aktie verlor zuletzt wieder, nachdem der Konzerngewinn sich im Jahr 2016 im Vorjahresvergleich halbiert hatte. Auch die Credit Suisse schrieb im vergangenen Jahr rote Zahlen.

Profiteure vom Mauerbau

Bestens läuft es seit Trumps Wahl für Lafarge Holcim. Der grösste Zementhersteller der Welt mit Sitz in Rapperswil-Jona könnte Profiteur der Mauer sein, die Trump entlang der Grenze zu Mexiko hochziehen lassen will. Bislang ist das aber reine Spekulation: Denn die Lafarge-Holcim-Konkurrenten Heidelberg-Cement und Cemex haben ebenfalls gute Karten, am Mauerbau beteiligt zu werden.

Der Industriekonzern ABB aus Zürich wiederum dürfte ziemlich sicher beteiligt sein, wenn Trump sich an die Umsetzung seiner massiven Infrastrukturmassnahmen macht. Neue Aufträge könnte es vor allem für die Stromnetzsparte von ABB geben. Anleger haben die Aktie des Konzerns seit Trumps Wahl in freudiger Erwartung schon um rund zehn Prozent nach oben getrieben. Allerdings kämpft ABB mit Problemen – und ein kürzlich aufgedeckter Betrugsfall in der südkoreanischen Niederlassung könnten den Konzern viel Geld kosten.

Das zeigt: Anleger sollten sich nicht nur vom Wirbel um Trumps Äusserungen und Massnahmen blenden lassen. Letztlich geht es beim Aktienkauf immer noch um die Gesamtsituation eines Unternehmens – und nicht um die Massnahmen der Regierung eines weit entfernten Landes.

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