Der global führende ­Kakao- und Schokoladenproduzent Barry Callebaut ist ein Muster an Solidität. Seit Jahren wachsen Umsatz und Ertrag konstant. Im Geschäftsjahr 2017/18 nahmen die Verkäufe zwar unterdurchschnittlich um 2,1 Prozent zu, dafür stiegen das Ebit (vor ausser­ordentlichen Faktoren) um 25 und der Reingewinn um 36 Prozent. Erfreulich ist auch der Geschäftsgang im ersten Semester 2018/19 ausge­fallen: Der Schweizer Konzern ist mehr als doppelt so stark gewachsen wie der Weltmarkt.

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An dieser Wachstumskraft dürfte sich so schnell nichts ändern. Das Führungsduo, CEO Antoine de Saint-Affrique (55) und Verwaltungsratspräsident Patrick De ­Maeseneire (62), achtet auf ein striktes Kostenmanagement, eine hohe Innovationskraft sowie einen guten Produktemix. Das macht sich im sonst nicht gerade mit hohen Wachstumsraten auftrumpfenden Schokoladengeschäft bezahlt.

Patrick De Maeseneire

Verwaltungsratspräsident Patrick De ­Maeseneire

Quelle: martin heimann 4144 arlesheim switzerland

Nach einer längeren Schwächephase konnten die Aktien in diesem Jahr gleich um ein Viertel zulegen. Damit ist allerdings auch das für dieses Jahr geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis kräftig auf 26,4 gestiegen. Das schränkt das Kurspotenzial ­mittelfristig ein. Auf längere Sicht dagegen sind Barry Callebaut ein vielversprechendes und solides ­Investment. Etwas gar mager nimmt sich die Dividendenrendite von 1,2 Prozent aus. Eine Ausschüttungsquote von 37 Prozent liesse Raum nach oben zu.

Pharma-Wette bei Vifor

Vor zwei Jahren hat sich Vifor Pharma von Galenica abgespalten. Seither machen die Aktien mit ­heftigsten Kursgewinnen wie -verlusten auf sich aufmerksam. Dabei kann das global tätige Nischenun­ternehmen mit Schwerpunkt auf ­Medikamenten gegen Eisenmangel und Nierenerkrankungen erstklassige Resultate vorweisen. So für 2018: Umsatz plus 23 Prozent, Ebitda plus 40 Prozent, operativer Cashflow plus 220 Prozent. Für ­dieses Jahr werden zwar nicht mehr derart hohe, doch immer noch ­beachtliche Zuwachsraten in Aussicht gestellt.

Etienne Jornod, Verwaltungsratspraesident der NZZ, spricht an der Medienkonferenz zum Joint Venture Zusammenschluss der AZ Medien und der NZZ-Mediengruppe, aufgenommen am Donnerstag, 7. Dezember 2017 in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Vifor-VR-Präsident Etienne Jornod

Quelle: Keystone

Allerdings zweifeln manche ­Experten die vom Management ­geschürten hohen Erwartungen in neue Medikamente an. In Frage ­gestellt wird, ob der Hoffnungsträger Veltassa (bindet Kalium im Blut) dereinst zum Blockbuster wird, wie das VR-Präsident Etienne Jornod (66) prognostiziert. Kommt dazu, dass die Aktien mit einem geschätzten KGV von 51 auch für Wachstumswerte teuer sind. Vifor ist eine ­spannende Pharmafirma und eine attraktive Wette. Zumal das Unternehmen immer wieder als Über­nahmekandidat gehandelt wird. Dennoch warte ich einmal ab, was die nächsten Monate bringen.

Stagnation bei Swisscom

Einst gehörten Swisscom zu den attraktivsten Blue Chips am Schweizer Aktienmarkt. Doch im inlän­dischen Telekommunikationsmarkt herrscht ein harter Konkurrenzkampf, das Geschäft stagniert. Im vergangenen Jahr ging der Swisscom-Umsatz in der Schweiz um 2,7  Prozent zurück, nur dank bes­seren Zahlen in Italien legten die Gesamteinnahmen um 0,4 Prozent zu. Erneut geschrumpft, und zwar um je rund drei Prozent, sind da­gegen Ebit und Gewinn.

Swisscom dominiert unverändert den Binnenmarkt. Doch die Zeiten, als die Erträge automatisch stiegen, sind vorbei. Damit der Gewinn nicht stärker absackt, bleibt dem ehema­ligen ­Monopolisten nur übrig, Sparmassnahmen zu ergreifen.

Urs Schaeppi, CEO Swisscom an der Bilanzmedienkonferenz zum Jahresabschluss 2018 in Zuerich am Donnerstag, 7. Februar 2019.  (KEYSTONE/Walter Bieri)

Swisscom-Chef Urs Schaeppi

Quelle: © KEYSTONE / WALTER BIERI

Auch über die nächsten Jahre ist Stagnation angesagt, die Erträge werden weiter leicht, dafür stetig erodieren. Viel versprochen hat sich Konzernchef Urs Schaeppi (59) vom 5G-Mobilfunk. Allerdings haben einige Kantone für die dazu notwendigen neuen Antennen ein Mora­torium verfügt, der Ausbau dürfte sich damit spürbar verzögern. Da kann es kaum verwundern, dass die Swisscom-Aktien nicht mehr zu den Börsenlieblingen zählen. Einzig der defensive Charakter der Titel sowie die Dividenden­rendite von 4,5 Prozent sind noch als Kaufargumente aufzuführen.

Zollfrei bewertet

Ich habe bereits mehrmals über Dufry geschrieben – noch nie positiv. Zu Recht: Über die letzten zwei Jahre sind die Aktien des Duty-free-Konzerns um die Hälfte einge­brochen. Das Management hat jahrelang dazugekauft. Dadurch wurde das Umsatzvolumen auf­gebläht, die Erträge jedoch blieben auf der Strecke. Dafür sind die Schulden gewachsen.

Nun sieht es danach aus, als ob das Gröbste ausgestanden wäre. 2018 legten Ebitda und Gewinn zu, der freie Cashflow als wichtige Grösse stieg um ein Drittel. Die Zahlen für das erste Quartal 2019 allerdings ­waren wieder durchzogen. Dennoch rechnen Finanzanalysten mit einer Wachstumsbeschleunigung.

Julián Díaz González

Überbezahlt: Julián Díaz González verdient viel, seine Dufry dagegen wenig.

Quelle: Kostas Maros / 13 Photo

«Fast schon zollfrei bewertet», überschreibt die ZKB eine Studie über den weltgrössten Reisedetailhändler. Die Aktien sind tatsächlich tief bewertet, das KGV für dieses Jahr stellt sich auf 10,9. Angesichts dieser Bewertung sowie einer Dividendenrendite von 4,7 Prozent kann ich mir eine technische Er­holung durchaus vorstellen.

Für einen lang anhaltenden Kursaufschwung fehlen jedoch zwei wichtige Elemente: Wachstumsfantasie und ein attraktives Geschäfts­modell. Duty-free kann (fast) jeder. Zudem stören mich der trotz Abbau immer noch 3,3 Milliarden Franken hohe Schuldenberg, ein saftiger Goodwill von 2,6 Milliarden – und die ungebändigte Selbstbedienungsmentalität bei den Salären, die CEO Julián Díaz González (61) und VR-Präsident Juan Carlos Torres Carretero (70) an den Tag legen.

*Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch