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Frank Goldfinger: Sulzers starkes Duo

Gute Aussichten mit Sulzer: CEO Klaus ­Stahlmann (l.) und Präsident Manfred ­Wennemer.

Die unter neuer Führung stehende Sulzer bietet eine solide Entwicklung des Aktienpreises; Inditex sind zwar teuer, auf lange Sicht jedoch anhaltend ­attraktiv; Lindt & Sprüngli lassen höchstens noch kleine Kurssprüngli zu.

Von Frank Goldfinger
02.04.2013

Vor Jahresfrist hat Klaus Stahlmann beim Technologiekonzern Sulzer das Amt des CEO übernommen. Der von MAN eingewechselte 52-Jährige hat bislang einen guten Job gemacht. Jüngst hat Jürgen Dormann seinen Präsidentenstuhl beim Winterthurer Unternehmen geräumt. Sein Nachfolger Manfred Wennemer, einst Chef des Autozulieferers Continental, hat sich einen Namen geschaffen als harter Kostensenker. Nun ist die Führungsriege bei Sulzer wieder komplett. Das neue Duo dürfte sich bestens ergänzen. Obwohl Wennemer vorderhand nicht gross gefordert ist; jedenfalls findet er ein wohlgeordnetes Unternehmen vor. Das zeigt sich nicht zuletzt an den guten Zahlen für 2012; Umsatz und Betriebsgewinn stiegen um jeweils über zwölf Prozent.

Für 2013 rechnet das ­Management mit moderaten Wachstumsraten, dafür mit leicht besseren Margen. Mittelfristig dagegen dürfte sich das Geschäft deutlich beleben. Sulzer bietet ein Service- und Produkteportfolio an, das weltweite Megatrends zu befriedigen vermag, sei das im Bereich Energiegewinnung, Abwasser, Transport oder nachhaltiger Einsatz von Ressourcen. Ausserdem ist der Konzern bestens positioniert in Wachstumsregionen wie Asien oder Südamerika. Die Sulzer-Aktien sind vor allem geeignet für auf Solidität bedachte Investoren. Mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 15,8 sind sie zwar nicht billig, auf mittelfristige Sicht jedoch kaufenswert.

Gut genäht. Gleich zwei Leser haben angefragt, was mit den Aktien Inditex los sei. Ich habe die Valoren der weltgrössten Bekleidungskette, deren bekanntester Brand Zara ist, vor fünf Monaten empfohlen. Zwar haben die Titel danach zehn Prozent zugelegt, doch dieser Kursgewinn ging inzwischen wieder verloren. Und dies, obwohl der spanische Textilgigant beeindruckende Rekordzahlen für 2012 präsentierte: Der Umsatz kletterte um 16 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro, der ­Gewinn verbesserte sich um gut ein Fünftel auf 2,4 Milliarden.

Die Inditex-Valoren gehören zu den beliebtesten Aktien in Europa. Innert zehn Jahren haben sich die Titel im Wert mehr als versechsfacht, alleine seit letztem Sommer resultierte ein Kursplus von 60 Prozent. Der gegenwärtige Marschhalt ist wohl darauf zurückzuführen, dass die Superzahlen längst im Kurs eskomptiert sind. Wie auch die positiven Wachstumsaussichten. Die Aktien jedenfalls sind hoch bewertet; für dieses Jahr schätzt ­Sarasin das KGV auf 23,5. Dennoch erachte ich Inditex weiterhin als ein attraktives Langzeitinvestment.

Von De- zu Inflation? Im Juli 2012 war ich in Japan. Daraus entstand ein «Inside Bahnhofstrasse» nur über japanische ­Aktien. Ich habe damals einen positiven Ausblick geliefert. Zu Recht; Wochen später setzte Nippons Börse zu einer veritablen Hausse an, der Nikkei Index gewann innert knapp sechs Monaten 43 Prozent. Doch wer da als Ausländer dabei ist, dem bleibt währungsbereinigt nicht einmal die Hälfte des Gewinns übrig. Der frisch gewählte Premier Shinzo Abe will das Land aus der seit zwanzig Jahren anhaltenden Deflation führen. So hat er die Zentralbank unter Druck gesetzt, den Yen zu schwächen; damit sollen endlich wieder Inflation herbeigeführt und die Exporte angekurbelt werden. Nippons Währung hat sich denn auch um etwa 20 Prozent abgeschwächt.

Vor wenigen Tagen hat der Notenbankchef den Stuhl geräumt; sein Nachfolger Haruhiko Kuroda, ein Mann von Abes Gnaden, wird die Notenpresse wohl noch schneller laufen lassen. Die Frage ist, ob die Währungspolitik sowie ein Stimulus-Programm von rund 100 Milliarden Franken die Wirtschaft wieder anzukurbeln vermögen. Falls ja, winken weitere Aktienkursgewinne. Andererseits vergällt ein anhaltend schwächelnder Yen die Freude der ausländischen Investoren. Der Yen ist heute klar unterbewertet, ich kann mir einen weiteren starken Rückgang nur schwerlich vorstellen. Lassen Sie die Gewinne vorderhand weiter laufen. Springt Nippons Wirtschaft trotz der Massnahmen nicht an, bleibt genügend Zeit, aus japanischen Aktien auszusteigen.

Goldhasen-Krieg. Vor den Ostertagen hat Lindt & Sprüngli mit ihren Goldhasen für Schlagzeilen gesorgt. Doch nicht so, wie das der Schokoladenproduzent gerne gehabt hätte. Als der deutsche Goldhändler Degussa in einer Werbekam­pagne einen in Goldfolie verpackten Hasen abbildete, setzten die Mannen um Ernst Tanner, Präsident und CEO in Personalunion, subito die Anwälte in Marsch. Denn wenn jemand den berühmten, in Goldfolie verpackten Schokohasen mit rotem Halsband und Glöcklein kopiert, hört der Spass für die Kilchberger auf. Nur hat der Schweizer Schokoladen­hersteller jüngst in einem jahrelangen Rechtsstreit gegen die deutsche Confiserie Riegelein den Kürzeren gezogen.

Doch das sind Luxusprobleme in einem Konzern, bei dem sonst (fast) alles stimmt: gute Zahlen, solide finanzielle Situation, überzeugende Langfriststra­tegie, starke Innovationskraft, hoher ­Bekanntheitsgrad. Da ist es kein Wunder, dass die Aktien zu den beliebtesten Blue Chips der Schweiz zählen. Das Resultat ist eine krasse Überbewertung. Ein geschätztes KGV von rund 30 wie auch ein Stückpreis von über 40 000 Franken reizen nicht zum Einstieg.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

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