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Frank Goldfinger: Starke Frauen

Ausnahme­erscheinungen: Mia Brunell Livfors, Andrea Jung und Zhang Xin (v.l.).

Sorgen weibliche CEO tatsächlich für eine bessere Performance?; unter neuer Führung sind Arbonia-Forster wieder interessant; bei Sony ist noch kein Licht am Ende des Tunnels auszumachen.

Von Frank Goldfinger
14.06.2011

Eine beträchtliche Anzahl von Studien soll belegen, dass Frauen die besseren Manager sind als Männer. Ob es nun daran liegt, dass Frauen eine höhere emotionale Intelligenz aufweisen, wie das Psychologen vermuten, ob sie einen besseren Führungsstil pflegen, über mehr Intuition verfügen oder weniger Risiken eingehen, wird wohl immer Gegenstand langatmiger Diskussionen bleiben. Die Bank Vontobel jedenfalls hat daraus ein Anlagevehikel kreiert, den Top Executive Women Basket. Dieser enthält zwölf ­Aktien von Unternehmen, die von Frauen geführt werden.

Beispiele aus dem Aktienkorb: Zhang Xin (45) ist eine auch international renommierte Managerin; die Chefin von Soho China war eine der ersten Frauen, die sich in China in der Entwicklung von Immobilien betätigten. Ein klangvoller Name ist auch Andrea Jung (52), die seit zehn Jahren den Konsum­güterkonzern Avon Products leitet. Eher regional bekannt ist Mia Brunell Livfors (45), die an der Spitze der schwedischen Investmentgesellschaft Kinnevik steht. Auch die Schweiz ist im Top Executive Women Basket vertreten, und zwar mit Magdalena Martullo-Blocher (41), die seit 2004 die Ems-Chemie als CEO leitet.

Der Women Basket ist eine nette Idee – mehr aber auch nicht. Es steht ausser Diskussion, dass Managerinnen in ­bestimmten Situationen etwas anders entscheiden als Männer. Dass sich das immer zum Vorteil des Unternehmens auswirkt, wage ich aber zu bezweifeln. Die Qualität des Managements ist zwar einer der wichtigsten Punkte bei der Beurteilung eines Unternehmens. Doch wenn ich mich nach neuen Anlagemöglich­keiten umsehe, sind für mich auch weitere Faktoren wichtig wie Branche, Land, Währungsrisiko, Bewertung der Aktie und vieles mehr. Wer sich für das neue Open-End-Partizipationszertifikat interessiert, findet weitere Informationen unter http://derinet.vontobel.ch/Pdf_Flyer/CH0125721149d.pdf.

Keine Immoblase. Seit geraumer Zeit wird darüber diskutiert, ob der Schweizer ­Immobilienmarkt Anzeichen einer Blasenbildung zeigt. Termingerecht lanciert die UBS dazu einen Immobilienblasenindex, den sie künftig vierteljährlich ­publizieren will. Und siehe da: Der UBS Swiss Real Estate Bubble Index, so der höchst innovative Name, zeigt unumstösslich an, dass der Markt noch keine Anzeichen einer Blasenbildung aufweist. Laut Index befinden wir uns erst in der Boomphase, danach kommt die Stufe ­Risiko, und erst dann besteht die Gefahr einer Bubble. Da können wir uns ja beruhigt zurücklehnen. Mich gemahnt das an einen Barkeeper, der selbst entscheiden darf, wie viele Drinks er seinen Gästen noch einschenkt, bis diese nicht mehr fahrtüchtig sind.

Dabei liegt das Problem nicht primär bei den hohen Immobilienpreisen, sondern bei der etwas gar lockeren Vergabe von Hypotheken. Ein Verwaltungsrat einer Kantonalbank hat mir erzählt, sie hätten in den letzten zwei Jahren bei neuen Hauskrediten zunehmend mindestens ein Auge zugedrückt. Ich kann das sogar nachvollziehen. Die Banken holen sich Neugeld praktisch zum Nulltarif, wissen aber nicht, wie sie den Geldsegen renditeträchtig anlegen sollen. Ergo zeigt man sich bei Hypothekargesuchen grosszügig und rechnet dank den saftigen Margen gewisse Verluste mit ein. Dass die Rechnung aufgeht, ist zu bezweifeln. Ich mag vorderhand weder in die Valoren der Grossbanken noch in jene der Kantonalbanken einsteigen.

It was a Sony. In den fünfziger Jahren wurden Nachrichten mit Transistorradios der Marke Sony gehört; in den Siebzigern stellte, wer etwas auf sich hielt, eine ­Hi-Fi-Anlage von Sony ins Wohnzimmer. Im folgenden Jahrzehnt joggte tout le monde mit einem Walkman, in den Neunzigern setzte die PlayStation neue Massstäbe bei elektronischen Spielen, die moderne Familie guckte in die Röhre made by Sony. Erfolg macht bekanntlich träge, irgendwann wurde der Anschluss verpasst. Wohlgemerkt, der japanische Konzern produziert unverändert solide Produkte. Doch die Innovationskraft ist weg. In Sachen Design und Technologie wurde die Firma längst von Konkurrenten wie Apple oder Samsung überholt.

Nicht weniger schmerzhaft ist der Imageverlust: Über die letzten Monate haben Hacker in mehreren Angriffswellen weit über 100 Millionen Kundendaten geklaut und damit Sicherheitslücken aufgedeckt. Jüngst musste Sony-Chef Howard Stringer, studierter Historiker und gelernter Journalist, noch ein tiefrotes, vom japanischen Erdbeben belastetes Ergebnis bekanntgeben: Der Verlust von 2,8 Milliarden Franken ist das zweitschlechteste Resultat in der Firmengeschichte.

Der Niedergang des Weltkonzerns hat sich auch im Aktienkurs niedergeschlagen. Innert vier Jahren verloren die ­Papiere gut 70 Prozent an Wert. Dennoch sind Sony kein Schnäppchen. Ich sehe noch kein Ende der Durststrecke.

Neuer Besen. Das Verdikt des Aktienmarkts war unmissverständlich: Je mehr sich abzeichnete, dass Edgar Oehler endgültig seinen Thron räumen muss, desto stärker setzten die Aktien von AFG ­Arbonia-Forster zum Höhenflug an. Seit Anfang Jahr haben die Titel zeitweise mehr als 60 Prozent zugelegt. An der ­Generalversammlung vom 29. April gab der König das Zepter ab und liess seine Posten als Präsident und CEO sausen. Anfang Juni hat Daniel Frutig seinen neuen Job als Konzernlenker angetreten.

Auf den frischgebackenen Chef, der vom britischen Nahrungsmittel­unternehmen Compass Group zu AFG wechselte, wartet eine herkulische Aufgabe. Zuerst gilt es, den fett und träge ­gewordenen Gemischtwarenladen zu entschlacken. Ich kann mir vorstellen, dass die Geschäftszweige Küchen und Kühlen sowie die Oberflächentechnologie abgespalten und verkauft werden. Die Preisfrage: Lässt Oehler dem Neuen auch genügend Ellbogenfreiheit? Schliesslich ist der alte Patron immer noch Verwaltungsrat und mit einem Anteil von 18,4 Prozent grösster Aktionär. Doch ich bin mir sicher: Da haben die Banken, die Oehler schon früher unter Druck gesetzt haben, vorgesorgt. So liegt es an Frutig, die Arboner Firma wieder auf Kurs zu bringen. Und dafür stehen die Chancen gut, bereits auf kurze Sicht. Schon in diesem Jahr dürfte der Gewinn wieder deutlich zulegen. Helvea-Analyst Patrick Appenzeller schätzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für nächstes Jahr auf 8,3 und für 2013 auf 6,8. Damit bieten die AFG-Valoren für risikofreudigere Investoren viel Kursfantasie.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.

Schreiben Sie ihm an: 

bahnhofstrasse@bilanz.ch

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