Die billionenschweren Ankurbelungsprogramme ziehen stürmische Börsenzeiten nach sich.

Weltweit wird gedruckt , was die Banknotenpressen hergeben. Am Weltfinanzgipfel wurde beschlossen, Währungsfonds, Weltbank und weitere Organisationen mit neuen Finanzmitteln von 1100 Milliarden Dollar auszustatten, damit sie die Weltwirtschaft gesundspritzen. Zusätzlich wird regional massig Geld in die Wirtschaft gepumpt: China, ­Japan und Europa spritzen ­gegen zwei Billionen. Und ­alleine die USA haben in ihre Liquiditätsspritzen 3,6 Billionen Dollar aufgezogen. Können Sie sich vorstellen, wie viel Geld das ist? Würde Präsident Barack Obama die 3,6 Billionen an die Amerikaner auszahlen lassen, bekäme jeder Einwohner 11  800 Dollar bar auf die Hand.

Ich werde den Eindruck nicht los, dass die Regierung Obama jegliche Bedenken bezüglich Inflation oder Verschuldung über Bord geworfen hat – Hauptsache, der schwer stotternde Wirtschafts­motor läuft wieder auf Volltouren. Mir ist klar, Washington hat kaum oder nur schwache Alternativen zur billionenschweren Spritzenkur, um die Wirtschaft vor dem totalen Absturz zu retten. Störend ist, mit welcher Leichtigkeit Hunderte von Milliarden Dollar nach dem Giesskannenprinzip über Amerikas Unternehmen ausgeschüttet werden. In Chicago nimmt kaum noch jemand Obamas drohend erhobenen Finger ernst, letztlich bekommen die Autobauer sowieso ihren Riesenstapel an Greenbacks zugeschoben. Der Wille zur Reform brüchiger Wirtschaftsstrukturen bleibt dabei auf der Strecke. Es ist halt wenig populär, Konzerne wie General Motors in die Pleite zu schicken – nötig gewesen wäre es.

Die interessanteste Frage ist jene der Verschuldung. Welches sind die mittel- bis langfristigen Auswirkungen der exzessiven Spritzenpolitik auf Inflation, Zinsen und Wirtschaftswachstum? Die Ökonomen sind sich uneinig über die Folgen. Und vergessen darob, dass vor noch nicht einmal 30 Jahren Inflation und Zinsen ausser Rand und Band gerieten; damals kletterte die Fed Funds Rate auf gegen 20 Prozent! Als Anleger kann man sich gegen solche Horrorszenarien kaum wirkungsvoll wappnen. Hohe Zinsen sind Gift für die Börsen. Dafür bricht die Zeit der Goldjünger an, wenn Inflation und Zinsen aufschäumen. Machen wir uns auf stürmische Zeiten gefasst.

Ascom gewinnt an Statur und Attraktivität.

Über die Jahre ist Ascom zusehends knochiger geworden, musste Tochter um Tochter versilbern, um einigermassen über die Runden zu kommen. Die mageren Zeiten sind nun vorbei, seit einiger Zeit geht der Berner Konzern auf Einkaufstour. Jüngst wurde mit der ganz grossen Kelle angerichtet: Für 190 Millionen Franken kaufte CEO Riet Cadonau von Ericsson das Softwareunternehmen Tems. Ascom wird damit zum globalen Marktführer für Optimierungs­lösungen von Mobilfunknetzen. Analysten spenden viel Beifall, sprechen gar von einem Schnäppchen; Ascom habe für die hochprofitable Firma einen guten Preis bezahlt. Die Aktien des Berner Unternehmens jedenfalls gefallen mir immer besser. Helvea empfiehlt die Titel zum Kauf, das Kursziel von 17 Franken liegt gegen 90 Prozent über dem aktuellen Kurs. An Ascom sollten sich jedoch nur langfristig denkende und risikofreudige Anleger versuchen.

Aktien mit viel Substanz sind interessant.

Wenn an den Börsen die Angst vorherrscht, haben Value-Investoren Hoch-Zeit. Denn wer auf Aktien mit tiefem Kurs sowie hohem Substanzwert setzt, kann ruhiger schlafen. Voraussetzung sind allerdings Mut zu anti­zyklischem Verhalten sowie ein langer Anlagehorizont. Dass sich der Substanzwertansatz lohnen kann, zeigen die Erfolge berühmter Value-Anleger, allen voran des US-Anlegers ­Warren Buffett.

Bei den Anhängern des Substanzwerts ist die Kennzahl des Kurs-Buchwert-Verhältnisses (KBV) entscheidend; dieses misst den Börsenkurs am Nettovermögen eines Unternehmens, umgelegt auf eine Aktie. Je stärker dieses unter eins liegt, desto mehr ist die Aktie unterbewertet. Ob es damit für den ­Investor attraktiver wird, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Denn ein tiefes KBV kann eine Unterbewertung ­signalisieren, genauso gut jedoch auch ein Warnzeichen sein. Manchmal entspricht das in der Bilanz ausgewiesene Vermögen nicht dem tatsächlichen Wert. Aktien mit einem sehr tiefen KBV weisen nicht selten auf heftige Probleme eines ­Unternehmens hin. Beispielsweise PubliGroupe; dem Buchwert von 173 Franken pro Aktie steht ein Kurs von 58 Franken gegenüber, was einem KBV von 0,34 entspricht. Dennoch sind PubliGroupe nicht attraktiv, die Firma kämpft mit mannigfaltigen Schwierigkeiten.

Wer sich also alleine auf das KBV verlässt, ist schnell von vielen guten Geistern verlassen. Es sagt beispielsweise nichts über die Ertragskraft eines Unternehmens aus. Ein KBV ist nur dann hilfreich, wenn auch weitere Bewertungshilfen zu Rate gezogen werden, beispielsweise das berühmtere KGV, ­also das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Die Bank Sarasin hat in ­einer Studie acht Aktien lokalisiert, die ein KBV von unter eins aufweisen und dank weiteren positiven Faktoren zum Kauf empfohlen werden (siehe «Substanzperlen» unten).

Armenspeisung.

In den USA, und dort speziell in New York, schlägt der immer noch unglaubliche Fall des Bernard Madoff weitaus höhere Wellen als hier. Während sich bei uns die vom Milliardenbetrüger abgezockten Bankiers und Privatinvestoren aus Scham bedeckt halten, gehen sie in New York vor die Fernsehkamera – oder zu «Nino’s», einem Edelitaliener an der 1st Avenue. Während einer Woche im März offerierte der Gastronom Nino Selimaj Madoff-Opfern samt einer Begleitperson ein Gratismenu. Dazu mussten sie lediglich – diskret, versteht sich – einen Kontoauszug vorweisen, der belegte, dass sie tatsächlich von Madoff über den Tisch gezogen worden waren. Der Zuspruch war enorm. «Jeden Tag kamen 25 bis 35 Geprellte mit Freunden und Verwandten», erzählte mir Selimaj.

Ein PR-Gag oder mehr? «Ich weiss, wie diese Leute sich fühlen», sagt Selimaj, «ich wurde selbst um 2,95 Millionen Dollar erleichtert, und zwar von einem weltbekannten Brokerhaus.» Selimaj kam 1978 von Albanien nach New York, arbeitete zuerst als Tellerwäscher, eröffnete später ein Restaurant, weitere folgten. Nachdem sein Konto im Jahr 2000 leer geräumt worden war, musste er ein zweites Mal bei null beginnen. Heute ist er wieder ein erfolgreicher Gastrounternehmer. Der gebürtige Albaner betreibt in Manhattan noch sechs weitere Restaurants.

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