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Frank Goldfinger: Print unter Druck

Glauben an die Print­medien: Jeff Bezos (l.), Warren Buffett.

Zeitungshäuser sind für Grossinvestoren, aber nicht für Privatanleger ­attraktiv; Ascom scheint der Turnaround endlich gelungen zu sein; ­Börsenneuling Osram könnte schon bald an Leuchtkraft verlieren.

Von Frank Goldfinger
am 30.08.2013

Wenn Journalisten über die Zukunft ihrer Branche schreiben, ist der Optimismus längst verflogen. Auch mir fällt es zunehmend schwer, den Printmedien eine rosige Zukunft zu bescheinigen. Das Internet, veränderte Lese- und Lebensgewohnheiten drücken auf die Auflagen. Die Verleger verlegen sich aufs Jammern, Ertragsschwund wird mit Kahlschlag auf den Redaktionen begegnet. Qualitätsjournalismus bleibt auf der Strecke, Copy/Paste feiert Urständ, noch mehr Leser kündigen ihre Abos. Plakativ? Plakativ! Und Realität.

Dabei vermögen Printmedien anhaltend zu faszinieren. So kauft Gross­investor Warren Buffett über seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway eine amerikanische Provinzzeitung nach der anderen auf. Oder Amazon-Gründer Jeff Bezos übernahm die «Washington Post» für 250 Millionen Dollar. Buffett glaubt an die Zukunft der Lokalzeitung; er hat jedoch auch die Macht, direkt auf die Verlage Einfluss zu nehmen. Für Bezos dagegen ist der Kauf der «Post» eher ein (digitales) Experiment denn eine ernst gemeinte Anlage.

Privatanleger müssen sich mit der Rolle des Zuschauers begnügen. Und zusehen, wie die Aktienkurse der Verlagshäuser in den Keller rasseln. So haben New York Times über zehn Jahre vier Fünftel ihres Werts eingebüsst. Die Valoren des Branchenprimus Gannett, Herausgeber von «USA Today», haben sich von ihrem Absturz zwar erholt, sind aber noch Meilen weg vom einstigen Höchstkurs. Die News Corp des Medienmoguls Rupert Murdoch hat Mitte Jahr das schwächelnde Zeitungsgeschäft in eine eigene Firma abgespaltet – auf Druck der Aktionäre. In unseren Breitengraden sieht es nicht viel besser aus. Die Papiere des deutschen Verlagshauses Axel Springer, das auch BILANZ herausgibt, tendieren längerfristig gesehen seitwärts, die Kurse der Schweizer ­Tamedia bröckeln seit langem, den ­Aktien der NZZ hat auch ein Split nicht auf die Sprünge geholfen. Es gibt attraktivere Aktien als jene von Printunternehmen. Leider.

Gut gelaufen. «Mit einem Kurs-Gewinn-­Verhältnis (KGV) von 13,3 bieten die Valoren weiteres Kurspotenzial.» Mit dieser Einschätzung habe ich vor vierzehn Monaten Adidas zum Kauf empfohlen. Wer gekauft hat, darf sich freuen; seither sind die Aktien des ­deutschen Sportartikelherstellers um 50 ­Prozent gestiegen. Doch in den letzten ­Wochen haben die Papiere an Lauffreude verloren. Nach einem leicht enttäuschenden ersten ­Semester hat das Management Anfang August seine Umsatzprognose für das laufende Jahr zurückgenommen. Die schwache Wirtschaft in Europa und der gegenüber wichtigen Währungen starke Euro bremsen das Geschäft. Die Finanzanalysten sind deshalb gegenüber Adidas zurückhaltender geworden.

Das Geschäft dürfte sich bald wieder beleben. Das Management unter CEO Herbert Hainer verspricht sich viel von der Copa do Mundo, der Fussball-WM, die in einem Jahr in Brasilien angepfiffen wird. Auch sind die Valoren mit einem für 2014 geschätzten KGV von 15,7 nicht überbewertet. Doch wer meinen Anlagetipp befolgt hat, sollte sich überlegen, den enormen Kursgewinn zu sichern. Ganz nach dem Motto: Nur realisierte Gewinne sind echte Gewinne.

Rosige Aussichten. «Ascom sind wohlfeil zu haben – und dennoch unattraktiv», schrieb ich im April des vergangenen Jahres. Damals kündigte CEO Fritz ­Mumenthaler das ich-weiss-nicht-mehr-wievielte Restrukturierungsprogramm an. Meine jahrelangen Unkenrufe waren berechtigt, die Valoren stürzten um über 50 Prozent ab. Jedenfalls bis zum Sommer 2012; seither befinden sich Ascom auf Höhenflug und haben sich im Wert beinahe verdoppelt. Nun sieht es danach aus, als ob das Management den Krisenkonzern tatsächlich wieder in ertragsstärkere Gewässer zu steuern vermöchte. Im ersten Halbjahr sind Betriebs- und Reingewinn stark gestiegen, die Auftragsbücher sind proppenvoll, die Verschuldung konnte abgebaut werden.

Ascom will über kleinere Akquisitionen zusätzlich wachsen. Die Einkäufe sollen nicht auf Kosten der Ertragslage gehen. Im Gegenteil stellt Mumenthaler bis 2015 eine Ebitda-Marge von 17 bis 18 Prozent in Aussicht. Finanzanalysten erachten dieses Ziel als erreichbar. Damit wäre der Turnaround endgültig Tatsache. Ungeachtet der Kurssteigerungen sind die Aktien nicht überbewertet. Helvea schätzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das kommende Jahr auf 11,1 und empfiehlt die Titel zum Kauf. Auch ich bin optimistischer für Ascom als auch schon. Allerdings wohnt den Wertpapieren immer noch eine Portion an Risiko inne.

Erleuchtete Premiere. Schon einmal war der Versuch eines Börsengangs kläglich gescheitert. Am 8. Juli war es dann doch so weit: Die Aktien der von Siemens abgespaltenen Tochter Osram Licht wurden erstmals gehandelt. Rasch machten die Händler lange Gesichter, denn die erste Kursnotiz stand auf 24 Euro – ein Viertel unter dem in einem Gutachten berechneten Wert. Der Grund für die Schwäche: Siemens buchte die frischen Titel ihren Aktionären ins Depot. Viele Anteilseigner wussten mit den Valoren nichts anzufangen und versilberten sie. Doch über die Wochen danach entwickelte sich der Börsendebütant zum leuchtenden Highflyer und avancierte um 30 Prozent.

Der Börsengang – Vorstandschef Wolfgang Dehen läutete den ersten Handelstag ein – war ein mutiger Schritt. Denn um die Ertragslage des Leuchtmittelherstellers ist es nicht allzu gut bestellt. 2011/12 fiel ein Verlust von 378 Millionen Euro an, im laufenden Geschäftsjahr dürfte die Rechnung lediglich ausgeglichen abschliessen. Osram wurde denn auch eine tief greifende Umstrukturierung verordnet: Elf Werke sollen geschlossen und mehr als 8000 Arbeitsplätze abgebaut werden. So dürften bis 2015 Kosten von einer Milliarde Euro einzusparen sein. Die grosse Herausforderung jedoch stellt die einem enormen Wandel unterworfene Technologie bei Leuchtmitteln dar. Osram als bekannter Produzent von Glühbirnen hat da etwas gar spät geschaltet. Das wachstumsstarke Geschäft mit LED-Leuchten liefert erst ein Viertel an den Konzernumsatz. Um den Rückstand auf die Konkurrenz wettzumachen, sind umfangreiche Investitionen nötig. Der Markt jedenfalls bleibt schwierig und hart umkämpft.

Ob die Aktien auch in Zukunft strahlen, lässt sich kaum abschätzen. Für meinen Geschmack sind die Papiere mit zu grossen Unsicherheiten behaftet.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

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