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Frank Goldfinger: Manna aus China

Carlos Tavares: Chef der serbelnden PSA Peugeot Citroën.  ZVG

Auch nach der Kapitalspritze steht Peugeot auf wackligen Füssen; dafür sind die Aktien des chinesischen Peugeot-Partners Dongfeng eine ­Überlegung wert; Schindler-Papiere benötigen noch etwas Geduld.

Von Frank Goldfinger
07.03.2014

Auf eine über 200-jährige Geschichte kann PSA Peugeot Citroën zurückblicken. Doch die besten Zeiten liegen hinter dem französischen Konzern. Die seit sechs Jahren in Europa grassierende ­Autokrise hat vor allem Peugeot heim­gesucht; alleine die letzten beiden ­Geschäftsjahre brachten einen Verlust von 7,3 Milliarden Euro. Die Firma ist völlig ausgezehrt. In höchster Not treten nun der französische Staat sowie der zweitgrösste chinesische Autohersteller, Dongfeng, als Retter auf und wollen je 800 Millionen Euro an frischem Kapital einschiessen. Dafür erhalten sie eine Beteiligung von jeweils 14 Prozent. Zudem sollen eine Kapitalerhöhung sowie langfristige Kreditzusagen der Banken weitere vier Milliarden in die Firmenkasse spülen. Die Peugeot-­Familie dagegen verliert ihren Einfluss; bisher kontrollierte sie 38 Prozent der Stimmrechte, künftig hält sie noch einen Kapitalanteil von 14 Prozent.

Dennoch zählt die ­Industriellenfamilie zu den Gewinnern. Denn die Kapitalinfusion hat den Aktienkurs beflügelt, über die letzten Wochen sind die Titel um über 40 Prozent in die Höhe geschossen. Das Peugeot-Familienvermögen hat in diesem Zeitraum 360 Millionen Euro an Wert zugelegt.

Weitere Kursgewinne will ich nicht ausschliessen; dass das Unternehmen nicht in die Pleite gerollt ist, hält die Börseneuphorie noch eine Weile am Kochen. Nur ist Peugeot noch nicht gerettet. Auf den von Renault eingewechselten Chef Carlos Tavares, der als selbstbewusst und ehrgeizig gilt, wartet ein harter Job. Wenn es ihm nicht gelingt, den Absatz rasch und spürbar zu beleben, sind die frischen Mittel schnell verbrannt. Dann rast der französische Autobauer erneut auf den Abgrund zu. Die Aktien sind mir zu spekulativ.

Ostwind. Die 800 Millionen Euro der Dongfeng Motor Group sind gut investiertes Geld. Zwar hat Dongfeng – der Name bedeutet Ostwind – lange mit dem Einstieg bei PSA gezögert. Doch der zweitgrösste Autohersteller Chinas profitiert von der intensivierten Zusammenarbeit bei Forschung und Entwicklung wie auch vom Joint Venture in China. Über eine ­eigens gegründete Exportfirma will Dongfeng-CEO Zhu Fushou die dort produzierten Autos im asiatisch-pazifischen Raum verkaufen. Innert nicht einmal einer ­Dekade wird mit einem Jahresabsatz von 1,5 Millionen Fahrzeugen gerechnet.

Dabei hat die 1969 mitten in der Kulturrevolution gegründete Dongfeng mehrere Eisen im Feuer. Der staatliche Mutterkonzern Dongfeng Motor Corporation (DMC) betreibt mit Nissan, Honda, Kia oder Hyundai, bald auch ausgerechnet mit dem Peugeot-Rivalen Renault, Joint Ventures. Dennoch ist den Aktien der Einstieg bei PSA nicht gut bekommen; im Gegensatz zur Mutter DMC ist die Tochter Dongfeng an der Börse, übrigens auch in Europa. In Hongkong schmierten die Titel vorübergehend um 15 Prozent ab. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 7,2 sind die Papiere klar unter­bewertet. Denn der Autobauer ist wachstumsstark; Reuters schätzt den durchschnittlichen Zuwachs beim Gewinn mittelfristig auf jährlich 20 Prozent. Die Aktien verlangen jedoch eine gehörige Portion an Risikobereitschaft.

Dividende satt. Eine übermässig hohe ­Dividendenrendite ist oft ein Warnzeichen dafür, dass die Ausschüttung schon bald zurückgestutzt wird. Ein gutes Beispiel liefert die Bellevue Group; auf Basis der für 2012 ausgerichteten Dividende rentierten die Aktien Anfang Jahr 14,5 Prozent – zumindest virtuell. Nun wurde die Ausschüttung für 2013 um die Hälfte zusammengestrichen. Was für die Mehrheit der Börsianer keine Überraschung war, hat einige Anleger dennoch auf dem linken Fuss erwischt; die Valoren stürzten um 18 Prozent ab.

Bei anderen Aktien dagegen sind ­Super-Renditen kein Warnzeichen. Etwa bei Swiss Re. Der Rückversicherer hat für das letzte Geschäftsjahr ausgezeichnete Resultate präsentiert. Und wie ich hier vor einigen Monaten schon spekuliert habe, wird neben der ordentlichen Dividende erneut eine Sonderzahlung ausgerichtet, ja beide Sätze wurden noch etwas angehoben. Nun bieten Swiss Re eine ­Dividendenrendite von sage und schreibe 9,7 Prozent – und dies steuerfrei, weil die Ausschüttung als steuerbefreite Kapitalauszahlung erfolgt. Der kleine Makel: Für dieses Jahr rechnen die Analysten mit einem deutlichen Gewinnrückgang. Einmal verursacht die Restrukturierung der Lebensrücksparte Kosten. Zudem hat Swiss Re in der jüngsten Vergangenheit viel Glück gehabt, indem Katastrophen und grosse Schadensereignisse ausblieben. Das könnte sich 2014 ändern. Doch auch wenn der Ertrag zurückgeht und die Dividende um schätzungsweise ein Viertel gestutzt wird, rentieren die Aktien immer noch mit saftigen 7,3 Prozent.

Etwas Geduld. Seit ich unter dem Pseu­donym Frank Goldfinger Anlagetipps ­abgebe, also seit neun Jahren, bin ich ­positiv gestimmt für die Aktien von Schindler. Nicht aus (lokal)patriotischen Gründen – ich bin Luzerner. Vielmehr verfügt der Zentralschweizer Aufzüge- und Fahrtreppenhersteller über eine starke Marktstellung, ist bestens positioniert gerade im asiatischen Raum, innovativ, ausgezeichnet finanziert und gut geführt. Seit 2005 haben die Aktien 260 Prozent an Wert zugelegt. Diese Super-Performance allerdings überdeckt den im Vergleich zum Gesamtmarkt enttäuschenden Verlauf der Schindler-Valoren über die letzten Monate.

Auf den Kurs des einstigen Börsenlieblings drückten mehrere Gewinnwarnungen. Der im vergangenen Jahr erwirtschaftete Gewinn brach denn auch um ein Drittel ein. Nur ist der grösste Teil davon die Folge eines Riesenabschreibers auf der Beteiligung an der südkoreanischen Hyundai Elevators. Negative Spuren gezogen haben im Weiteren die Investitionen in den Ausbau der Wachstumsmärkte. Doch das wird sich in der Zukunft auszahlen. Und die sieht rosig aus. Das neue Jahr hat der frische Chef Silvio Napoli mit einem Rekord-Auftragsbestand von 7,7 Milliarden Franken in Angriff genommen. Auch die langfristigen Aussichten sind erfreulich. Vor allem die gute Ausgangslage in Indien und insbesondere in China spricht für Wachstumspower; im Reich der Mitte ist Schindler mit 75 Niederlassungen präsent, der Ausbau läuft weiter. Für mich bleiben die Schindler-Valoren ein Versprechen auf weitere Kursgewinne. Nur erfordern die Titel etwas Geduld.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

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