«Verzieh dich, reicher Idiot», titelte im Herbst die Zeitung «Libération». Und zielte damit auf Bernard Arnault. Der reichste Franzose hat seine Koffer nun gepackt und beantragt die belgische Staatsbürgerschaft. Dabei hat Arnault, wie erst jüngst bekannt wurde, einen Grossteil seines Vermögen längst ausser Landes gebracht. Ein beträchtlicher Batzen: Mit rund 34 Milliarden Euro gehört er zu den weltweit Reichsten. Alleine in den vergangenen vier Jahren ist sein Vermögen auf das Doppelte angeschwollen – dank der Dauerhausse von LVMH. Ar­nault hält am weltgrössten Luxuskonzern ein Aktienpaket von 48 Prozent.

Auf den künftigen Belgier warten in den nächsten Jahren zusätzliche Kurs­gewinne. Zwar verloren die Anleger vor­übergehend die Lust auf Luxusaktien. Doch seit sich die Konjunktur in China erneut belebt, sind diese Papiere wieder en vogue. Zudem hat LVMH jüngst gezeigt, dass sich auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld gut wirtschaften lässt: Der Konzern meldete für 2011 Rekordzahlen.

Die LVMH-Geschäftsleitung unter ihrem Patron Arnault erhöht die Dividende um 12 Prozent auf 2.90 Euro. Dennoch rentieren die Aktien mickrige 2,1 Prozent – eine Folge der Kurssteigerungen. Das für 2013 geschätzte Kurs-­Gewinn-Verhältnis (KGV) von hohen 17,7 ist ebenso Resultat der Hausse. Damit ist die Luft vorderhand draussen, die Valoren dürften über die nächsten Monate kaum mit Höhenflügen aufwarten. Langfristig jedoch sind LVMH ­attraktiv, denn Luxusgüter zählen zu den wachstumsstärksten Branchen. Treiber sind vor allem die Märkte in den USA und Asien. Der Branchenprimus ist bestens positioniert; im Portefeuille befinden sich 60 Luxusmarken, darunter Edles wie Louis Vuitton, Christian Dior, Moët & Chandon oder Bulgari.

Heimischer Luxus. Wem das Eurorisiko nicht behagt, der findet in der Schweiz zwei interessante Luxusgüteraktien. Bei Richemont allerdings hat sich die Euphorie der Investoren etwas abgekühlt. Der Uhren- und Schmuckkonzern meldete dieser Tage für das dritte Quartal ­Umsatzzuwächse, die von Analysten als «unerwartet schwach» eingestuft wurden. Speziell in Asien verlief das Geschäft enttäuschend. «Unerwartet schwach» heisst übrigens: neun Prozent mehr Umsatz, währungsbereinigt sind es noch fünf Prozent. Dagegen hat Konkurrent Swatch fürs 2012 glanzvolle Zahlen geliefert. Die Verkäufe stiegen um 14 Prozent, zu konstanten Wechselkursen verblieb ein Plus von 11 Prozent. Auch das neue Jahr hat sich bestens angelassen. Das Management unter Nick Hayek erwartet für 2013 ein «gesundes Wachstum».

Beide Aktien zählen zu meinen Dauerfavoriten. Zwar darf man kurzfristig keine grossen Sprünge erwarten. Sowohl Richemont mit einem für dieses Jahr geschätzten KGV von 16,8 wie auch Swatch mit 17,1 sind vergleichsweise teuer. Mittel- bis langfristig jedoch bieten die Valoren ein beachtliches Potenzial. Ich bevorzuge Swatch, denn da scheint mir eine grössere Dynamik vorhanden zu sein.

Zartbitter. Mit dem Wachstum über die letzten Jahre gehapert hat es dagegen bei Barry Callebaut. Zwischen 2008 und 2011 sank der Umsatz um über fünf Prozent. Doch nun gibt der Schweizer Kakao- und Schokoladeproduzent, der entlang der gesamten Wertschöpfung ­arbeitet, Vollgas. Konzernchef Jürgen Steinemann hat dem Unternehmen eine Wachstumsstrategie verschrieben, die auf den Pfeilern geografische Expansion, Kostenführerschaft, Innovation und nachhaltiger Kakao basiert. Vor allem ausserhalb von Westeuropa und Nordamerika soll der Umsatz gesteigert werden. Im Zentrum stehen China, Russland, Japan, Mexiko und Brasilien. Erste Erfolge haben sich bereits im Geschäftsjahr 2011/12 eingestellt: Der Umsatz stieg um 8,3 Prozent.

Der kräftige Ausbau ist jedoch mit hohen Investitionen und Anlaufkosten verbunden. Dazu gesellen sich Ausgaben für Akquisitionen, beispielsweise die 950 Millionen Dollar, die das Management für die Kakaoprodukte-Sparte von Petra Foods bezahlt hat. Das zehrt an den Margen. Schon im letzten Geschäftsjahr sind die Erträge leicht geschmolzen, und auch über die nächsten ein bis zwei Jahre dürfte das Unternehmen nur zartbittere Zahlen ausweisen. Doch Barry Callebaut hat mit der neuen Expansionsstrategie ihre Trägheit abgeworfen. Mittel- bis langfristig werden auch die Gewinne kräftig wachsen. Dennoch drängt sich ein Einstieg in die Aktien vorderhand nicht auf, zumal die Titel mit einem KGV von 17,4 satt bewertet sind.

Neustart. Anfang der neunziger Jahre galt Kodak als wertvollster Brand der Welt, 130 000 Mitarbeitende erwirtschafteten 19,4 Milliarden Dollar Umsatz. Die Glanzzeiten sind längst vorbei. Zwar lancierte der Fotopionier als erstes Unternehmen eine Digitalkamera – nur glaubte das Management nicht an die neue Art des Fotografierens und setzte auf das klassische Filmgeschäft. Das war der Anfang vom Ende. Die digitale Revolution trieb Kodak in den Ruin, die Firma musste sich vor einem Jahr in den Gläubigerschutz unter Chapter 11 flüchten.

Seither wird bei Kodak kräftig umstrukturiert und der Fokus neu ausgerichtet. Firmenchef Antonio Perez will den Konzern neu im Markt positionieren – als Druckspezialisten für Geschäftskunden. Den dazu vorgelegten Finanzierungsplan hat das amerikanische Insolvenzgericht dieser Tage ­genehmigt. Das für den Neustart benötigte Kapital ist vorhanden. Kodak hat für gut eine halbe Milliarde Dollar ihre ­Digitalfoto-Patente an ein Firmenkonsortium verkauft. Dazu kommen von Banken und Investoren ­zugesagte Kredite im Umfang von gegen 800 Millionen Dollar.

Es wäre erfreulich, wenn dem einstigen Vorzeigekonzern der Neustart gelänge. Doch ich hege Zweifel. Das Geschäftsgebiet ist hart umkämpft. Auch werden sich viele Firmen hüten, auf Drucklösungen von Kodak zu setzen, wenn man nicht weiss, wie – und ob – es mit der Gesellschaft weitergeht. Die ­Investoren haben auf Perez’ neuen Optimismus verhalten reagiert. Die Aktien sind mit rund 20 Cent praktisch wertlos, Kodak wird von der Börse mit gerade mal 58 Millionen bewertet. Wer eine heisse Spekulation sucht, kann auf diese Valoren setzen. Doch Vorsicht: Geht der Neustart in die Hosen, sind die Aktien nichts mehr wert.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

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