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Frank Goldfinger: Heisser Samba fürs Portfolio

Brasilianische Aktien bleiben trotz Dauerhausse attraktiv; bei den VZ-Aktien spielen zu viele Zufälligkeiten mit; Vorsicht vor Börsenbrief-Schaumschlägern.

Von Frank Goldfinger
06.06.2008

Brasilianische Aktien bleiben trotz Dauerhausse attraktiv.

Anleger und Bankiers blicken schon seit langem ­gebannt auf die asiatischen Aktienmärkte. Doch der wirkliche Börsenstar ist auf einem anderen Kontinent zu finden: Die an der brasilianischen Börse Bovespa kotierten Aktien haben über die letzten fünf Jahre ihren Wert mehr als verfünffacht – in Reais wohlgemerkt, also in Landeswährung. In Franken nämlich hat der Index noch stärker zugelegt, und zwar um über 600 Prozent. Nachdem früher Brasiliens ga­loppierende Inflation die Währung im Sauseschritt ­entwertet und damit die Kursgewinne der ausländischen Investoren aufgefressen hat, zeigt sich der Real heute stark.

Das kommt nicht von ungefähr. Die grösste Volkswirtschaft Südamerikas hat die Finanz­krise von 2002 bewältigt und präsentiert sich nun in beneidenswerter Verfassung. Zwar profitiert Brasilien stark von der Hausse bei den Rohstoffpreisen, vor allem der steigende Ölpreis schwemmt riesige Beträge ins Land. Doch auch die sozialistische Regierung ­unter Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat ihre Hausaufgaben gemacht und sorgt mit einer cleveren Wirtschafts­politik für nachhaltiges Wachstum. Der Staatshaushalt ist ziemlich im Gleichgewicht, die Inflation stellt sich auf rund fünf Prozent, das Wirtschaftswachstum lässt sich mit ebenfalls fünf Prozent sehen. Auch die Aussichten sind rosig: Der IWF hat jüngst das prognostizierte BSP-Wachstum für Brasilien auf 4,8 Prozent erhöht. Und quasi als Sahnehaube obendrauf hat die Ratingagentur S&P die Bonitäts­-einstufung für das lateinamerikanische Land auf «Investment Grade» erhöht.

Ungeachtet des seit Jahren anhaltenden Börsenbooms gehört für mich die Bovespa zu den attraktivsten Märkten der Welt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 für dieses Jahr sind Brasiliens Aktien jedenfalls nicht überbewertet. Wer beim Samba mittanzen will, findet eine breite Auswahl an Exchange Traded Funds (ETF). Mager ­dagegen ist die Auswahl an aktiv gemanagten ­Anlagefonds. Lediglich der HSBC GIF Brazil Equity zeichnet sich über einen mehrjährigen Track Record aus; Mellon Brazil Equity, Lyxor ETF Brazil, iShares MSCI Brazil, Credit Suisse Equity (Lux) Brazil B, ABN Amro Brazil Equity Fund oder UBS (Lux) Equity Sicav-Brazil B sind allesamt jüngeren Datums.

Argwöhnische Anleger.

Die Hausse war vorprogrammiert: Als die VZ Holding vor gut einem Jahr zum Going ­public ansetzte, lief es an den Börsen noch rund. Da störte es die Investoren auch nur wenig, dass der Emissionserlös nicht ins Unternehmen, sondern in die Tasche des Firmenchefs und -gründers Matthias Reinhart floss. Das Kursfeuerwerk ist längst ausgebrannt, und die VZ-Valoren haben ihre tollen ­Gewinne wieder verloren und notieren im Bereich des Aus­gabepreises. Das unfreundliche Börsenklima hat die Aktien
des Finanzdienstleisters weitaus stärker in den Keller gedrückt als die Gesamtbörse. Allerdings ist die Ertragslage der VZ Holding vom Börsengang weitaus weniger abhängig, als das die Investoren wahrhaben wollen: Das Unternehmen kassiert Honorare für Beratungen rund um Vermögensverwaltung, Versicherungs- und Pensionierungsfragen sowie Pensions­kassenverwaltung für Unternehmen. Das Geschäft läuft gut.

Auf dem tiefen Kursniveau sind die VZ-Titel für Marc ­Effgen, Finanzanalyst bei Helvea, ein klarer Kauf. Er schätzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis für dieses Jahr auf 15,3, und für 2009 prognostiziert er 12,5. Sicher, das sind attraktive Kennzahlen. Dennoch kann ich mich kaum erwärmen für diese Titel. Einmal gefällt mir nicht, dass Matthias Reinhart immer noch 60,8 Prozent der Aktien kontrolliert – der ­Präsident und CEO bleibt unumschränkter Herrscher im Unternehmen mit 380 Mitarbeitern. Dazu kommt die Marktenge dieser Aktien: Neben den 9,7 Prozent, die das Management und die Beschäftigten halten, befinden sich knapp drei Zehntel oder total 2,4 Millionen Titel in Händen des Publikums. Das Handelsvolumen ist entsprechend dünn. Und wenn sich der Markt belebt, schlagen die Kurse heftig aus – nach oben wie nach unten. Für meinen Geschmack spielen da zu viele Zufälligkeiten mit.

Viel heisse Luft.

Kennen Sie die gefahrloseste Methode, mit Aktien ein Vermögen zu verdienen? Börsenbriefe verfassen und diese den Anlegern für teures Geld verkaufen! Weil die Konkurrenz inzwischen gross ist, preisen viele Schreiberlinge ihre Elaborate mit höchst luftigen Versprechungen an. Etwa Robert Hsu. Er lässt dieser Tage die E-Mail-Boxen schweizerischer Investoren mit ellenlangen elektronischen Briefen überfluten. In den USA erfreut sich der China-Börsenexperte einer üppigen Bekanntheit. Der in Taiwan geborene und in Südkalifornien aufgewachsene Hsu startete seine Karriere als Trader und Analyst. Er habe sich mit 30 Jahren zur Ruhe ­gesetzt, nachdem er sich ein Vermögen als Hedge-Fund-­Manager bei Goldman Sachs verdient gehabt habe, behauptet Hsu von sich selbst. «Ich möchte Ihnen jetzt helfen, dasselbe zu tun: sehr viel Geld zu verdienen», schreibt der selbst ­ernannte Börsenguru.

Der Verfasser von gleich drei Börsenbriefen – «China Strategy», «Asia Edge», «Inside China Dispatch» – disqualifiziert sich mit markigen Sprüchen und vollmundigen Verheissungen indes selbst. Beispiel: «Mässige Renditen von 4, 8 und 16 Prozent? Das war gestern. Ab heute gehören Sie zu einer handverlesenen Anlegerelite mit bester Startposition und Renditen von 100 Prozent und mehr pro Jahr!» Oder: «Abonnenten, die meinen Empfehlungen in ‹China Strategy› gefolgt sind, haben ihr Geld inzwischen zweimal vervierfacht, dreimal verdreifacht und sechsmal verdoppelt. Jetzt sind Sie dran!» In diesem ­Tonfall geht es weiter, ausgedruckte 32 A4-Seiten lang.

Da bleibt nur eines zu tun: Schieben Sie die E-Mail in den Papierkorb Ihres Computers.

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