1. Home
  2. Invest
  3. Frank Goldfinger: Fast zu erfolgreich

 
Frank Goldfinger: Fast zu erfolgreich

Als Ems-Chefin führte Magdalena Martullo-Blocher ihre Firma zu exzellenten Resultaten – und an der Börse in gefährliche Höhen.

Ems-Chemie ist ein erfolgreiches Unternehmen, doch sind die Aktien heillos überteuert; trotz Rekordzahlen bewegt sich der Baukonzern ­Implenia auf dünnem Eis; mit United Commodity auf Goldsuche in Kanada.

Von Frank Goldfinger
05.03.2013

Seit vier Jahren gehören Ems-Chemie zu den Starperformern unter den Schweizer Aktien. In dieser Zeit haben die Titel 245 Prozent an Wert zugelegt, während der SPI-Börsenindex gerade mal knapp 60 Prozent gewann. Das Kursfeuerwerk gezündet hat Magdalena Martullo-­Blocher. Sie führt die Gruppe aus dem bündnerischen Domat/Ems «mit eiserner Faust», wie BILANZ einst geschrieben hat – doch erfolgreich, vor allem bezüglich Ertragsentwicklung. Seit sie 2004 die im Bereich Hochleistungs-Kunststoffe und Spezialchemikalien tätige Firma ihrem Vater Christoph Blocher abgekauft hat, stieg der Umsatz um 44 Prozent, der Gewinn dagegen verbesserte sich um 155 Prozent. Der Höhenrausch der Ems-­Aktien hat die Blocher Sisters reich ­gemacht; die Mehrheitsbeteiligung von Rahel sowie ­Miriam Blocher und Magdalena Blocher-Martulla gewann über die letzte Dekade gut vier Millarden Franken an Wert.

Die 44-jährige Firmenchefin ist fast schon zu erfolgreich. Zumindest die ­Anleger scheinen Martullo-Blocher überirdische Fähigkeiten zu bescheinigen. Der Aktienkurs jedenfalls ist der Realität weit vorausgeeilt; mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22,7 sind die ­Valoren heillos überteuert. Damit ein wieder ­attraktives KGV von beispielsweise 14 erreicht würde, müsste der ­Gewinn pro Aktie um über 60 Prozent steigen. Doch dafür braucht auch eine Martullo-Blocher mehrere Jahre.

Auf Kurs. Die Aktien des Zementherstellers Holcim gehören seit langem zu meinen Topfavoriten unter den heimischen Blue Chips. Seit meiner letzten Empfehlung im Juni 2012 haben die Valoren mehr als 50 Prozent zugelegt. Da ist es verlockend, solch saftige Gewinne ins Trockene zu bringen. Nur ist der grosse Kurssturm bei Holcim noch nicht vorbei. Die dem Konzern von CEO Bernard Fontana verschriebene Fitnesskur, mit der die Erträge wieder auf ein solideres Fundament gestellt werden sollen, schlägt erst zögerlich an. Die jüngst veröffentlichten Resultate für das vergangene Geschäftsjahr jedenfalls sind durchzogen; einer geringfügigen Umsatzzunahme steht eine leichte Einbusse beim Ebit ­gegenüber, dafür hat sich das Konzern­ergebnis um die Hälfte verbessert – wenn auch zu einem guten Teil dank Verkäufen von Töchtern.

Dennoch ist es unverkennbar: Holcim befindet sich auf Kurs. Zumal sich das konjunkturelle Umfeld aufhellt. Fontana rechnet denn auch mit einer steigenden Nachfrage nach Zement – und mit besseren Margen. Auch viele Analysten erwarten für dieses und das kommende Jahr kräftige Ertragsfortschritte. Wer Geduld aufbringt, sollte sich weiterhin an Holcim halten.

Wackliges Fundament. Mit einem Umsatz von 2696 Millionen Franken und einem Gewinn von 71 Millionen hat der Baukonzern Implenia für 2012 neue Rekordmarken gesetzt. Die Anleger klatschten denn auch laut Beifall, nach jahrelangem Siechtum haussierten die Aktien über die letzten 14 Monate um 160 Prozent. Nur gilt es zu relativieren: Obwohl auf Teufel komm raus gebaut wird, liegen die Margen in der Bauwirtschaft im Keller. Vor allem kleine und mittlere Firmen verdienen kaum noch Geld. Implenia geht es zwar wesentlich besser: Gegenüber den ersten Jahren nach 2006, als aus der Heirat von Zschokke mit Batigroup der Branchenleader entstand, vermochte Implenia die Umsatzrendite um gut das Doppelte zu steigern. Dennoch stellte sich 2012 der Gewinn auf gerade mal 2,6 Prozent vom Umsatz.

Obwohl Implenia im Branchenvergleich Spitzenzahlen einfährt, lässt die Umsatzrendite nur wenig Raum zur Bildung von hohen Reserven. Und die sind nötig für die Zeit, wenn sich der Bauboom abkühlt – erste Anzeichen sind bereits auszumachen. Für 2013 zeigt sich Bauchef Anton Affentranger zuversichtlich. Volumenmässig besteht vorderhand denn auch kein Grund zur Sorge, der Auftragsbestand stellt sich auf etwas mehr als einen Jahresumsatz. Zudem erscheinen die Aktien mit einem geschätzten KGV von 11,9 nicht überbewertet. Dennoch bin ich mit Blick auf den überhitzten Immobilienmarkt skeptisch. Für meinen Geschmack bergen Implenia zu hohe Risiken.

Moderne Goldsucher. Jeden Tag fallen ­alleine in kanadischen Minen mehr als zwei Millionen Tonnen Abraum an, ­Gesteinsschutt, der nach der Edelmetallgewinnung übrig bleibt. Dieser Abraum ist kontaminiert, vor allem mit Zyanid, enthält aber immer noch Restbestände von Edelmetallen. Daraus hat sich United Commodity ein Geschäftsmodell gegossen. Das 2007 gegründete Schweizer ­Unternehmen wurde vor drei Jahren von Reto Hartmann und Jochen Schäfer übernommen und neu ausgerichtet. Mitte 2012 erwarb das Duo die Mehrheit an der kanadischen Yukon Raffinerie. Diese gewinnt mittels neuartiger Technologien aus dem Gestein die Reste an Gold, Silber oder Platin und entgiftet ­zugleich den Abraum. Zudem wird auch die Technologie vermarktet. «In ganz Nordamerika betreiben wir die einzige Raffinerie, die absoulut sauber Edel­metalle gewinnt», versicherte mir Reto Hartmann, einst Chef über den Handelskonzern Valora.

Ende Januar hat die Raffinerie ihre Produktion angeworfen; über 30 Mitarbeiter raffinieren im Dreischichtbetrieb an sieben Tagen die Woche Gold, Silber und Kobalt. Bislang konnten, so VR-Präsident und CEO Hartmann, 15 Kunden gewonnen werden. Diesen bezahlt das Unternehmen auf dem gewonnenen Edelmetall eine bestimmte Abgabe. Der in der Firmenkasse verbleibende Anteil ist so hoch, dass voraussichtlich bereits «ab Mai dieses Jahres Gewinne anfallen». Und für das Gesamtjahr erwartet Hartmann «tiefschwarze Zahlen».

Hartmann und Schäfer halten knapp 50 Prozent der Aktien, dazu kommen ­einige weitere Aktionäre. Der Free Float stellt sich auf 35 Prozent. Die Aktien von United Commodity werden an der Börse Stuttgart gehandelt – sie gelten dort als Überflieger. Seit der Kotierung vor drei Jahren schossen die Titel um 300 Prozent auf rund 20 Euro in die Höhe. Glaubt man Analysten, sind die Valoren damit noch lange nicht ausgereizt. First Berlin Equity Research setzt das Kursziel auf 30 Euro fest, SISM Research in Zürich geht von 32 Euro aus. United Commodity weist fraglos hohe Wachstumschancen aus, die Papiere sind attraktiv. Andererseits bergen sie auch eine gehörige Portion an Risiko.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

Anzeige