Weltmeister bei Landwirtschaftsmaschinen, Weltmeister bei Maschinen für ­Behälterglas, Europameister bei Stras­senkehrmaschinen. Und Top-Marktpositionen in den Sektoren Hydrauliksysteme sowie Anlagen zur Wein- und Fruchtsaftproduktion. Bucher Industries mit Hauptsitz im zürcherischen Niederweningen hat es weit gebracht: Für das 207. Geschäftsjahr wurden Rekordzahlen gemeldet; der Umsatz nahm um drei Prozent auf 2,69 Milliarden Franken zu, der Gewinn verbesserte sich um gut ein Viertel auf 196 Millionen.

Der Maschinen- und Fahrzeugbau ist zwar ein stabiles, doch kein boomendes Geschäft. Konzernchef Philip Mosimann gibt sich denn auch für das laufende Geschäftsjahr zurückhaltend; der Umsatz dürfte nur leicht zunehmen, die Profitabilität dagegen leicht sinken. Auch über die nächsten Jahre ist keine starke Expansion, dafür stetiges und ertragsstarkes Wachstum zu erwarten. Damit eignen sich die Aktien für Investoren, die mittelfristig mehr auf Wertbeständigkeit setzen denn auf Wachstumsaktien mit entsprechenden Risiken. Die Valoren sind mit einem für dieses und das kommende Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,3 respektive 13,4 ­attraktiv. Dagegen ist die Rendite trotz der kräftigen Dividendenerhöhung mit 2,2 Prozent eher mager. Schade, denn Bucher könnte eine höhere Ausschüttung finanziell verkraften.

Frische Fahrt

Das Traumauto meiner ­Jugendjahre war ein Volvo P1800. Der schöne Schwede mit den eleganten Heckflügeln, der Anfang der sechziger Jahre vom Fliessband rollte und von Fans als «Schneewittchensarg» bezeichnet wurde, wurde von Roger Moore durch unzählige Folgen der Detektivserie «Simon Templar» gesteuert. Doch die glanzvollen Zeiten des schwedischen Konzerns Volvo als Pkw-Bauer sind vorbei; 1999 wurde der Personenwagen­bereich an Ford verkauft, die Amerikaner verscherbelten die Firma an die chinesische Zhejiang Geely.

Dafür präsentiert sich die heutige Volvo wieder kraftvoller. Die in Torslanda ausserhalb von Göteborg domizilierte Gruppe zählt zu den weltgrössten Herstellern von Lastwagen, Bussen, Bau- und Strassenbaumaschinen sowie Motoren. Im vergangenen Jahr haben 110 000 Mitarbeiter einen Umsatz von umgerechnet 38 Milliarden Franken erarbeitet. Kosten für die Restrukturierung und die Erneuerung des Produktportfolios sowie Abschreiber zogen einen Gewinneinbruch von zwei Dritteln nach sich. Der oberste Lenker Olof Persson versicherte jüngst, dass Volvo damit aus dem Gröbsten heraus sei.

Für dieses Jahr stellen die Finanzanalysten denn auch mindestens eine Gewinnverdoppelung in Aussicht, 2015 dürfte der Ertrag nochmals um gut 50 Prozent steigen. Dafür sprechen das ­weitere Programm zur Kostenreduktion, die positive Nachfrage im Lastwagen­geschäft oder die Firmenpräsenz in Wachstumsmärkten. Die Aktien erfordern Risikobereitschaft und Geduld; das geschätzte KGV für dieses Jahr ist mit 20,4 relativ hoch, doch bereits für das kommende Jahr sinkt die Kennziffer auf attraktive 12,9.

Keine Träne

Als Weatherford jüngst ­bekanntgab, den Hauptsitz von Zug nach Irland verlegen zu wollen, beklagten die Medien den Verlust von Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen. Nur bestand der Hauptsitz in Zug aus einem Briefkasten, in Baar und Genf arbeiten gerade einmal eine Handvoll Leute – Arbeitsplätze ­übrigens, die erhalten bleiben. In Sachen Steuern hat der amerikanische Konzern kaum tief in die Tasche greifen müssen; zwischen 2009 und 2012 sind vor allem Verluste von einigen hundert Millionen Dollar angefallen. Falls der Zuger Fiskus dem damals aus den Bahamas zugezogenen Zulieferer für die Erdöl- und Erdgasindustrie noch steuerlich entgegengekommen ist, blieb wohl gar nichts in der Kasse hängen.

Mit dem Wegzug lässt Weatherford die Aktien an der Schweizer Börse dekotieren. Dem weine ich keine Träne nach. Die Kursentwicklung war schlicht mies. Und weil die Firma mit einer Börsenkapitalisierung von rund zwölf Milliarden Franken bewertet wird, hat dies den SPI-Index spürbar belastet. Auch werde ich den Verdacht nicht los, dass dem Management die Börsenpräsenz piepegal war; innert dreier Jahre wurde Weatherford von der Börse mehrmals wegen Versäumnissen gerügt und gebüsst.

Im Kanton Zug werden Unternehmen mit einem Maximalsatz von 14,6 Prozent besteuert, in Irland sind es 12,5 Prozent. Der Unterschied ist also höchst minim. Luzern würde mit 12,3 Prozent sogar noch weniger verlangen, doch Weatherford wollte, so heisst es in Luzerner Wirtschaftskreisen, von einem Umzug in diese Region nichts wissen. Ich bin mir sicher, dass die Iren den texanischen Konzern mit Steuergeschenken geködert haben. Sollen sie; Steuernomaden wie Weatherford brauchen wir nicht.

Neue Kleider

Jahrelang war beim Wäschenäher Calida Stagnation angesagt, sowohl bei Umsatz wie Gewinn hat sich nicht viel bewegt. Nun zeichnet sich ein Wachstumssprung ab: Das Surseer Unternehmen ist der französischen Lafuma an die Wäsche gegangen: Vor wenigen Monaten wurde die Beteiligung von 15,3 Prozent in eine Mehrheit von knapp 60 Prozent gewandelt. Nun steht Calida auf drei Beinen: Calida im Premium-, ­Aubade im Luxusbereich sowie neu Sportbekleidung der Marken Lafuma, Millet, Eider und Oxbow.

Die Akquisition verdoppelt den Calida-Umsatz. Ertragsmässig allerdings ist bei der neuen Firmentochter wenig zum Guten bestellt. Lafuma hatte 2013 einen Verlust von 71 Millionen Euro zu verdauen. Auch musste Calida für die Übernahme eine hohe Cash-Infusion vornehmen, was den letztjährigen Gewinn glatt halbierte. Unter der Leitung von CEO Felix Sulzberger wird Lafuma seit längerem restrukturiert, diese Arbeiten dürften im Sommer abgeschlossen sein. Ende Jahr sollen bei der neuen Tochter schwarze Zahlen anfallen.

Mit Blick auf den Wachstumsschub sind die Calida-Aktien reizvoller als auch schon. Seit Anfang Jahr haben die Valoren mehr als 20 Prozent zugelegt. Mit einem für dieses Jahr geschätzten KGV von 19,1 weisen sie allerdings eine für einen Nebenwert hohe Bewertung auf, und auch die Dividendenrendite vermag mit 2,4 Prozent nicht zu berauschen.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch

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