Noch bevor an den XXII. Olympischen Winterspielen in Sotschi auch nur eine Disziplin ausgetragen worden ist, steht ein Sieger bereits fest: Die Goldmedaille für den besten Ausrüster geht an Nike. Schätzungsweise drei Milliarden Menschen werden die Spiele verfolgen – und damit auch das Signet des weltgrössten Sportartikelherstellers immer wieder sehen. Doch die Winterolympiade bildet nur den Auftakt zu einem für Nike spektakulären Jahr: 2014 stehen zudem im Juni und Juli die Fussball-WM in Brasilien sowie im August die Leichtathletik-EM in Zürich auf dem Programm. Diese Veranstaltungen verschaffen dem US-Konzern wertvolle Werbepräsenz – und bringen weiteres Wachstum.

Dabei erfreut Nike die Anleger bereits seit Jahren mit schönen Zuwächsen. Seit Mark Parker (58), der einst als Designer zum Unternehmen kam, vor acht Jahren die Konzernleitung übernahm, hat sich der Umsatz auf 25 Milliarden Dollar annähernd verdoppelt. Mittelfristig sollen die Verkäufe um jährlich acht Prozent zunehmen. Gemäss Analysten dürfte der Ertrag noch stärker steigen. Die Wachstumsstory schlug sich auch in den Aktien nieder; über die letzten sechs Jahre hat sich der Kurs vervierfacht. Mit der Aufnahme von Nike ins Börsenbarometer Dow Jones haben die Titel nochmals Schub erhalten. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 21 sind sie zwar hoch bewertet. Mit Blick auf die Wachstumschancen jedoch eignen sich die Valoren für längerfristig disponierende Anleger.

Die Verfolger

Nike läuft der Konkurrenz zusehends davon. Und Adidas als Nummer zwei hat eine vorübergehende Wachstumsschwäche gezeigt. Doch dieses Super-Sportjahr beflügelt auch das Geschäft des deutschen Konzerns, der Gewinn dürfte weitaus stärker wachsen als der Umsatz. Vor allem die Fussball-WM lässt die Kassen des von Herbert Hainer (59) am Laufen gehaltenen Unternehmens klingeln. Ich habe die Aktien im Sommer 2012 empfohlen, seither haben sie zwei Drittel an Wert zugelegt. Die Titel sind mit einem geschätzten KGV von 18 zwar auch kein Schnäppchen, bieten aber für geduldige Investoren weiteres Kurspotenzial.

Vorderhand wenig optimistisch bin ich dagegen für Puma. Gegenüber den beiden Konkurrenten ist die deutsche Gruppe in Sachen Grösse weit abgeschlagen, und auch der Markenname ist lange nicht so sexy. Nach jahrelanger Stagnation und galoppierendem Margenverfall steckt Puma mitten im Turnaround. Dieses Jahr wird sich entscheiden, ob der einstige norwegische Fussballer und heutige CEO Björn Gulden (48) dem Konzern wieder zu früherem Glanz verhelfen kann. Der Aktienkurs bewegt sich seit langem in einer engen Bandbreite.

Fit wie ein Laufschuh

Vor eineinhalb Jahren habe ich die Aktien des japanischen Sportartikelproduzenten Asics empfohlen; die Titel sind seither um über 130 Prozent in die Höhe geschossen. Da bleibt auch währungsbereinigt noch einiges hängen. Die Japaner agieren als Nischenanbieter im krisenresistenten Segment der Laufschuhe. In Japan, aber auch in Europa und den USA hat sich Asics eine gute Marktposition als Sport- und Lifestyle-Marke geschaffen. Das Umsatz- und Ertragswachstum ist solide, ebenso die Aktien. Zwar sind die grossen Kursgewinne vorerst vorbei, die Titel mit einem geschätzten KGV von 18,8 auch nicht billig. Dennoch traue ich den Wertpapieren mittelfristig noch weiteres Potenzial zu.

Die Börsenhausse bringt es mit sich, dass inzwischen viele Aktien überbewertet sind. Zu den teuersten Papieren am Schweizer Markt zählen Lindt & Sprüngli. Die Namenaktien haben sich über die letzten fünf Jahre um gegen 200 Prozent verteuert. Nur sind die Gewinne in derselben Periode nicht annähernd im selben Ausmass gestiegen. Das Resultat: Die Titel sind mit einem für 2014 geschätzten KGV von 34 überaus stolz bewertet. Sicher, Lindt & Sprüngli sind Blue Chips der Sonderklasse, das Unternehmen ist innovativ, solide finanziert, bestens geführt und verfügt über eine herausragende Marktposition. Zudem ist das Wachstum stetig, wenn auch nicht berauschend. Trotz der Pluspunkte werden für die Titel Mondpreise bezahlt. Nicht nur auf die Bewertung abgestellt, sondern auch beim absoluten Preis: Welcher Privatanleger bezahlt schon 50 000 Franken für eine einzige Aktie?

Gut abgedichtet

In den Kursen steckt eine gehörige Portion Zukunftsmusik. Viel zu viel, befürchte ich. Damit eines Tages das KGV pro Namenpapier auf eine akzeptable Bewertung von etwa 16 sinkt, müsste sich der Gewinn pro Aktie mehr als ­verdoppeln. Doch das werden wir in diesem Jahrzehnt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr erleben. Ich mag die feinen Produkte des Schokoladenherstellers aus Kilchberg, bei den Aktien aber stimmt das Preis-Leistungs-­Verhältnis nicht.

Auch andere Aktien sind im Zeichen der Hausse auf ein Kursniveau gestiegen, das nur mit Blick auf künftig üppig fliessende Gewinne zu vertreten ist. Und viele dieser Unternehmen verfügen über eine Expansionskraft, die eine hohe Bewertung rechtfertigen. Ich denke da beispielsweise an Sika. Die Aktien des Bauzulieferers, der Betonzusatzmittel, Dicht- und Klebestoffe oder Spezialmörtel herstellt, haben sich seit dem Einbruch im Gefolge der Finanzkrise im Wert annähernd verfünffacht und notieren aktuell knapp unter dem historischen Höchst. Die Valoren, die ich an dieser Stelle schon mehrmals empfohlen habe, gehören damit zu den Starperformern unter den Schweizer Valoren.

Mit einem KGV von 21 sind die Aktien vorderhand ausgereizt. Mittelfristig jedoch bieten sich Sika an als vielversprechende Depotbeimischung. Jan Jenisch leitet zwar erst seit zwei Jahren den Konzern; doch in dieser Zeit hat er bewiesen, dass er den soliden Wachstumskurs halten kann – nicht zuletzt durch Zukäufe. Im vergangenen Jahr wurde die Fünf-Milliarden-Umsatzmarke geknackt, der Ertrag dürfte überproportional gewachsen sein. Auch über die nächsten Jahre sind erfreuliche Zuwächse zu erwarten. Sika ist gewappnet für die Zukunft. Vor allem die Schwellenländer sind gute Wachstumstreiber. Mittlerweile stammen 38 Prozent des Umsatzes aus diesen Regionen, Tendenz stark steigend.

 

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

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