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Frank Goldfinger: Das Depot versichern

Gute Aussichten an der Börse: Bruno Pfister, Chef von Swiss Life, ­Zurich-CEO Martin Senn und Michel Liès, Chef von Swiss Re.

Die Blue Chips unter den Schweizer Versicherungsvaloren haben ihre ganz eigenen Reize; Tecan lockt erst auf mittlere Sicht mit frischem ­Kurspotenzial; Hotelaktien bieten den Anlegern kein sanftes Ruhekissen.

Von Frank Goldfinger
28.05.2013

Die Börsenhausse ist weltweit ins Stocken geraten. Die Verschnaufpause bietet eine gute Gelegenheit, im Portfolio Anpassungen vorzunehmen. Bei Aktien mit hohen Kursgewinnen sind Realisationen angezeigt. Die liquiden Mittel lassen sich in defensive Papiere investieren. Etwa in heimische Versicherungsvaloren.

Zurich Insurance Group haben von der Jubelstimmung an den Börsen in diesem Jahr kaum etwas mitbekommen. Der Versicherungsriese hat unter der Führung von Martin Senn für 2012 wenig berauschende Resultate vorgelegt. Auch über die nächsten Jahre dürften die Wachstumsraten des hervorragend kapitalisierten Konzerns zwar solide, doch nicht überdurchschnittlich ausfallen. An Zurich gefällt mir denn auch nicht die Expansionskraft, sondern die Dividendenrendite von 6,7 Prozent.

Wachstumsstärker präsentiert sich Swiss Life. Zwar hat der Ab­schreiber auf der Tochter AWD das 2012er Resultat verhagelt. Dafür ist das Auftaktquartal 2013 gelungen: CEO Bruno Pfister und sein Team steigerten die Prämieneinnahmen um 14 Prozent. Auch die Aussichten sind vielversprechend. Und wenn die Zinsen eines nicht mehr fernen Tages wieder ­anziehen, winken weitere Margen- und Gewinnfortschritte. Die Aktien sind mit einem für 2013 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8,1 attraktiv.

Der letzte Teil des Versicherungstrios aus dem Blue-Chip-Börsenindex SMI, Swiss Re, glänzte für 2013 mit einem Gewinnsprung um 60 Prozent, einer Dividendenerhöhung und einer Sonderausschüttung. Das lässt die Gesamtrendite des von Michel Liès geleiteten Konzerns auf 10,6 Prozent anschwellen – doch nur vorübergehend. Auch die abgespeckte Rendite von 4,9 Prozent ist nicht ohne. 2012 war ein Ausnahmejahr für Swiss Re, für 2013 ist wohl mit einem deutlichen Ertragsschwund zu rechnen. Das könnte die Aktien belasten.

Unter Zeitdruck. Darauf hat die Investorenschar seit 2008 gewartet: Für das abgelaufene Geschäftsjahr legte der japanische Elektronikkonzern Sony wieder schwarze Zahlen vor. Endlich. Dass der Gewinn vor allem aus dem Versilbern von Immobilien und Beteiligungen stammt, scheint zweitrangig zu sein. Der Börse jedenfalls gefällt das Resultat, der Aktienkurs hat sich seit Anfang 2013 mehr als verdoppelt. Die echte Bewährungsprobe jedoch wartet noch auf Sony-Chef Kazuo Hirai: auch im operativen Geschäft wieder anständige Erträge einzufahren.

«Uns bleibt kaum Zeit für den Wandel.» Mit diesen Worten trat der frisch­gebackene Sony-Boss vor einem Jahr vors Management. Wie recht er damit hatte, stellte sich jüngst heraus. Daniel Loeb, Manager des Hedge Funds Third Point, fordert die Abspaltung der Unterhaltungssparte. Anschliessend sollen 15 bis 20 Prozent der neuen Aktien an die Börse gebracht werden. Die Stimme Loebs, dem «Forbes» ein Vermögen von 1,5 Milliarden Dollar bescheinigt, hat Gewicht: Immerhin soll er 6,5 Prozent der Sony-Aktien kontrollieren. Eine Aufspaltung jedoch ist für die Aktionäre nur dann interessant, wenn der restliche Teil – Heimelektronik, Spielkonsolen sowie Mobil­telefonie – ebenfalls befriedigende Erträge abwirft. Gerade im Elektronik­geschäft fallen seit langem rote Zahlen an. Hirai stellt für dieses Jahr wieder ­Gewinne in Aussicht. Ein Einstieg in die Aktien eilt nicht.

Neues Wachstum. Die Etikette «Übergangsjahr» ist bei Tecan zur Dauerausrede geworden. Als im letzten Herbst der Branchenkenner David Martyr CEO wurde, klatschte die Börse Beifall, die Aktien des führenden Anbieters von Instrumenten und Automatisierungslösungen für Labors legten seither ein Viertel an Wert zu. Nur entpuppte sich auch 2012 als weiteres Übergangsjahr; der Umsatz stieg zwar um vier Prozent, doch blieben sechs Prozent weniger Gewinn hängen. Dennoch erhalten die Aktionäre eine um gleich ein Fünftel ­höhere Dividende, denn die Firmenkasse ist proppenvoll.

Der 55-jährige Martyr ist angetreten mit dem klaren Ziel, Tecan in eine neue Expansionsphase zu steuern. Bis 2015 soll der Umsatz um über ein Viertel zulegen – ein anspruchsvolles Vorhaben. Der als akquisitionsfreudig bekannte Brite dürfte dazu wohl auch zum Mittel des Firmenkaufs greifen. Zudem soll einiges an Wachstum aus der Sparte Partnering Business kommen. Dort produziert Tecan Geräte für die automatische Verarbeitung von Proben. Im Weiteren erwartet Martyr starke Impulse aus dem noch jungen Chinageschäft. Die Aktien sind mit einem für dieses Jahr geschätzten KGV von 19,4 ausgesprochen teuer. Mittelfristig aber bieten sie risikobewussten Anlegern Kurspotenzial.

Auschecken. Nur wenige Branchen sind derart mit Swissness verbunden wie die Hotellerie. Und in kaum einem anderen Wirtschaftszweig sind die Gewinne ­derart dünn. Das zeigt der Jahresausweis der Victoria-Jungfrau Collection; die Luxushotelgruppe mit den Fünfsterne­häusern Victoria-Jungfrau in Interlaken, ­Palace in Luzern, Eden au Lac in Zürich und Bellevue Palace in Bern muss einen Verlust von 2,2 Millionen Franken verkraften. Zwar stiegen die Logiernächte um 8,5 Prozent, doch der Umsatz sank um 4,5 Prozent. Um Kosten zu sparen, werden die Aktien Ende Jahr dekotiert und künftig ausserbörslich über die Plattform OTC-X der Berner Kantonalbank gehandelt.

Dort werden auch andere Hotelaktien notiert, beispielsweise jene der Dolder Hotel AG. Hier sind die Zahlen nicht weniger trist: 2012 konnten zwar 4,0 Prozent mehr Logiernächte verkauft werden, doch ging der Umsatz leicht auf 56,8 Millionen Franken zurück. Unter dem Strich blieb ein happiger Verlust von 21,3 Millionen. Die Aktien, von denen der Devisenhändler Urs Schwarzenbach gut neun Zehntel hält, bewegen sich auf tiefem Niveau seitwärts. Vor einem halben Jahr von der Börse an die OTC-X gewechselt haben auch Sunstar. Dem Betreiber von zehn Ferienhotels mit gegen 1900 Betten läuft es ebenfalls nicht rund. 2011/12 gingen die Übernachtungen ­zurück, der Gewinn schmolz auf noch magere 0,3 Umsatzprozente. Das letztjährige Sommergeschäft verlief ebenso flau: weniger Übernachtungen, weniger Umsatz, weniger Betriebsgewinn. Und die Aussichten sind nicht viel besser.

Als junger Finanzredaktor lernte ich: Mit heimischen Bergbahn- und Hotel­aktien kann man ruhig schlafen. Das ist Schnee von vorgestern.

 

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

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