Obwohl die Meldung vage war, hat sie für Schlagzeilen gesorgt: Twitter will an die Börse. CEO Dick Costolo (50) liess dies über einen Tweet verbreiten. Das Wie, Wann und Wieviel ist noch nicht bekannt. Dennoch sind die Anleger in ­heller Aufregung: endlich wieder Frischfleisch im heissen Markt der Internet­aktien. Der Dotcom-Absturz von 2000 ist längst vergessen. Der neue Star heisst ­Facebook: Seit Juli haben die Aktien 85 Prozent zugelegt, die Firma wird nun mit 108 Milliarden Dollar bewertet. Die Anleger stören sich nicht daran, dass die ­Papiere mit einem für das laufende Jahr ­geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 60 heillos überzahlt sind. «Das ist bei Internetaktien üblich», ­belehrte mich ein Bankier – dieselbe Ausrede wie bei der letzten Internetbubble.

Andere Valoren wurden in noch luftigere Höhen getrieben. Die Kurse von LinkedIn haben sich seit dem Going public verdreifacht, Groupon haussierten seit dem schweren Kurssturz um 350 Prozent, Yelp schossen seit Anfang Jahr um 250 Prozent in die Höhe. Über die letzten fünf Jahre gewannen Google 250 Prozent, eBay haben sich im Wert mehr als verfünffacht. Die Erträge jedoch vermochten den Höhenflügen selten zu folgen. Als Resultat davon liegt das KGV von Facebook für 2013 bei beinahe 60, Amazon und LinkedIn kommen auf weit über 100, Groupon steht mit 94 zu Buche. ­Andere Firmen schreiben rot.

Auch Twitter-Aktien finden wohl zu einem überteuerten Preis Abnehmer. Analysten schätzen den Wert der Jungfirma auf 10 bis 15 Milliarden Dollar. Dabei dürfte Twitter 2013 einen Umsatz von knapp 600 Millionen Dollar erreichen. Wer dennoch beim Internethype mitmachen will, muss sich über eines im Klaren sein: Nirgendwo sonst sind die Risiken derart hoch.

Viel Geduld. Als die Aktien des Pharmaherstellers Basilea jüngst innert kürzester Zeit um gegen 20 Prozent tauchten, meldete sich ein merkbar nervöser Leser und wollte wissen, ob er aussteigen solle. Er ist auf meine Empfehlung vom November 2011 hin eingestiegen und hat trotz des Kurseinbruchs rund 150 Prozent verdient. Dass er diesen Gewinn nicht schon längst ins Trockene gebracht hat, ist mir unverständlich.

Doch zurück zu Basilea: Das ­Unternehmen ist auf Kurs. Im ersten Halbjahr wurde der Verlust halbiert. Zudem werden bei neuen Produkten bedeutende Fortschritte erzielt. So verlaufe die Zulassung des Antibiotikums Ceftobiprol in Europa fahrplanmäs­sig, und für Isavuconazol, einen Wirkstoff gegen Pilzinfektionen, liegen die Daten aus Testphase drei vor. Die Aktien sind inzwischen hoch bewertet. Wer Geduld und Risikofreude aufbringt, sollte die Papiere halten.

Gefrässig. Als im Frühjahr 2011 der Generikakonzern Actavis seinen Hauptsitz von Island nach Steinhausen verlegte, sorgte dies europaweit für Schlagzeilen. Inzwischen leiten 135 Mitarbeiter die ­Geschicke des Unternehmens von der Zuger Vorortsgemeinde aus. Nur zwei Jahre nach dem Umzug herrscht wieder Aufbruchstimmung: Actavis verlegt die ­Zentrale nach Dublin, 30 Arbeitsplätze werden transferiert, 65 abgebaut. Entschieden wurde dies in den USA. Vor Jahresfrist war Actavis vom US-Konkurrenten Watson Pharmaceuticals für 5,5 Milliarden Dollar geschluckt worden. Zwar hielten die Amerikaner am Namen Actavis fest, leiten aber die Geschicke des Konzerns von den USA aus.

Die Übernahme ist noch nicht verdaut, schon läuft die nächste. Nun will sich Actavis den irischen Mitbewerber Warner Chilcott für 8,5 Milliarden Dollar einverleiben. Deshalb auch der Umzug nach Irland. Die Börse klatscht Beifall, die Aktien der Firma legten nochmals kräftig zu. Dabei haben sich die Papiere über die letzten fünf Jahre im Wert bereits versiebenfacht.

Gibt die Wettbewerbsbehörde grünes Licht, gehört der Konzern mit einem ­Umsatz von elf Milliarden Dollar zu den Top 3 der Branche. Allerdings ist das Geschäft mit Generika nicht mehr so lukrativ wie einst; immer mehr Anbieter aus Schwellenländern steigen ein. Auch ist nicht auszuschliessen, dass sich Actavis mit den zwei Riesenübernahmen finanziell übernommen hat. Für meinen Geschmack bergen die Titel zu viel Risiko.

Teurer Haushalt. Zu den Kursheulern ­gehören die Aktien von Intershop ja nicht gerade. Die Valoren der Immobiliengesellschaft notieren gegenüber September 2012 unverändert. Doch auch im Sechsjahresvergleich war mit diesen ­Papieren nichts zu verdienen. Schön verdient haben die Aktionäre dafür an den Dividenden. Intershop zählt traditionell zu den Unternehmen mit den höchsten Ausschüttungen. Aktuell stellt sich die Bruttorendite bei 6,1 Prozent.

Doch kann die Firma die hohe Ausschüttung halten? Für dieses Jahr stellt CEO Cyrill Schneuwly ein gutes Resultat in Aussicht, womit die Dividende gesichert ist. Mittelfristig dagegen wird der Schweizer Immobilienmarkt vor allem bei Geschäftsflächen schwieriger. Mit dem Schritt ins Ausland sollten die Erträge zu halten sein. Deshalb sind sich Analysten einig, dass Intershop auch künftig saftige Dividenden auszurichten vermag. Dafür wird auch Hauptaktionär Martin Ebner sorgen. Der Bankier hat zwar seinen ­Anteil von 40 auf 35,5 Prozent abgebaut, doch bleibt er der Schrittmacher bei der Immobilienfirma. Gegenüber der «Finanz und Wirtschaft» frotzelte er einst, die ­Dividende aus der Intershop-Beteiligung liefere das Haushaltsgeld für seine Frau. Das reicht zum Leben; für das vergangene Jahr nämlich erhielt Rosmarie Ebner für ihren Haushalt in Wilen bei Wollerau SZ gegen 15 Millionen Franken.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

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