Die Börsenparty ist – den mit Geld um sich werfenden Notenbanken seis gedankt – immer noch in vollem Gang. ­Vorsichtige Investoren stellen sich ­dennoch schon heute auf magere Zeiten ein. Beispielsweise mit einer teilweisen ­Umschichtung in defensive Werte. Eine Paradebranche sind die Nahrungsmittelhersteller – vor allem Nestlé. Der weltweit grösste Nahrungsmittelkonzern zeigt eine konstante Entwicklung: Über die letzten zehn Jahre stellte sich das durchschnittliche Wachstum auf 6,4 Prozent, und zwar organisch. Auch beim Ertrag braucht sich die Firma aus Vevey nicht zu verstecken. Das Management unter CEO Paul ­Bulcke gilt als hochprofessionell, anhaltendes Wachstum ist gesichert. Die Aktien sind keine Kursheuler, dafür grundsolid: Seit 2003 haben sie immerhin 140 Prozent zugelegt. Die Titel sind zwar nicht ­billig, der jüngste Kursrückschlag eröffnet ­jedoch eine gute Einstiegsmöglichkeit.

Eine nicht minder gute Versicherung gegen magere Börsentage bieten ­Danone. Was Nestlé längst umsetzte – sich durch geografische Diversifikation vom Europageschäft unabhängiger zu machen –, tat über die letzten Jahre auch die französische Lebensmittelgruppe. Franck Riboud, seit 17 Jahren Präsident und CEO (!), kann dank dieser Strategie beträchtliche Erfolge vorweisen. Das ­Unternehmen, das in den Bereichen Milchprodukte, Wasser, Medical Nutrition und Babykost tätig ist, zeigt im Branchen­vergleich eine überdurchschnittliche Wachstumsdynamik. Die Danone-Aktien sind etwas günstiger ­bewertet als Nestlé, doch sind die ­Kursausschläge bei den französischen Titeln heftiger.

Rauchende Reifen. Auf den Formel-1-Rennstrecken sind Sebastian Vettel, Fernando Alonso und Kimi Räikkönen zwar Konkurrenten. Einig sind sie sich dafür in ihrer Kritik am Reifenlieferanten Pirelli, wonach sich dessen Slicks viel zu schnell abbauten. In der Konzernzentrale in Mailand sorgt das Gemaule kaum für rote Köpfe. Die Königsklasse des ­Autorennsports ist zwar prestigeträchtig, doch kein Muss für die Italiener. Dazu läuft es dem Pneugiganten einfach zu rund. Seit einigen Jahren ist Pirelli flott unterwegs, der Umsatz wächst jeweils deutlich, die Erträge nehmen über­proportional zu.

Die 1872 von Giovanni Battista ­Pirelli gegründete Gummiwarenfabrik mauserte sich vom Produzenten von ­telegrafischen Leitungen, Untersee­kabeln und Fahrradreifen zum reinen Hersteller von Autopneus. Die Nummer fünf im Weltmarkt – unumstrittener Branchenleader ist Michelin – konzentriert sich mit grossem Erfolg auf den Premiumbereich. Edel-Autobauer wie Mercedes-Benz, Porsche, BMW, Audi oder Ferrari setzen primär auf Pirelli-Reifen. Das trägt fette Margen ein. Nicht nur in ­Europa ist Pirelli gut aufgestellt, sondern auch in Lateinamerika. In China haben sich die Italiener frühzeitig eine gute Ausgangslage geschaffen und in ­Russland über ein Joint Venture 2010 Fuss gefasst.

Trotz rosigen Aussichten stehen die Aktien unter Abgabedruck. Das hat wenig mit Pirelli selber zu tun, dafür umso mehr mit der ewigen Staatskrise Italiens. Die Aktien jedenfalls sind mit einem für dieses Jahr geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 8,0 und 6,8 für 2014 ein spannendes Investment. Die Dividendenrendite von saftigen 4,9 Prozent rundet das erfreuliche Bild ab.

Keine goldenen Zeiten. Der heftige Preissturz beim Gold sorgt für fette Schlag­zeilen. Über die Gründe herrscht immer noch Rätselraten, die Schuld wird Krisenländern wie Zypern, den Notenbanken oder Spekulanten in die Schuhe ­geschoben. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem. Die Talfahrt des Edelmetalls hat auch die Aktien von Goldminen in die Tiefe gerissen. Der Londoner Index FTSE Gold Mines, der die global grössten Goldförderer umfasst, schmierte seit September um nicht weniger als 45 Prozent ab.

Aktuell sind die Goldpapiere sehr ­billig – zumindest visuell. Das reizt zum Einstieg. Doch Vorsicht: Die Kurskorrektur ist noch nicht vorbei. Zudem sind ­unzählige Valoren gerade von kleinen Goldförderern höchst risikoreich. Wer sich dennoch an Goldminen versuchen will, sollte sich an Aktien von etablierten Firmen halten. Mir gefällt da vor allem Barrick Gold. Der weltweit grösste Gold­förderer mit Hauptsitz in Toronto verfügt über eine solide Bilanz, ist gut geführt und ­besitzt nachgewiesene Goldreserven von 140 Millionen Unzen. Auch sind die ­Aktien mit einem für dieses Jahr geschätzten KGV von 5,6 günstig zu haben. Doch auch für Barrick Gold gilt: nur für risikofreudige Anleger mit viel Geduld.

Vorübergehende Schwäche. Anfang Juni letzten Jahres empfahl ich «konservativ ausgerichteten Investoren, die auf lange Sicht anlegen», die Aktien von Kaba. Die Titel schlugen sich zunächst sehr gut und gewannen bis zu 27 Prozent. Doch als der Schliesstechnikkonzern vor wenigen Wochen einen enttäuschenden Ausweis für das erste Halbjahr 2012/13 vorlegte und später eine Gewinnwarnung folgen liess, brachen die Valoren ein. Die Lage ist nicht dramatisch, Umsatz und Betriebsgewinn dürften im Gesamtjahr leicht unter den Vorgaben liegen. Doch die globale Konjunkturschwäche bremst das Rümlanger Unternehmen etwas ­stärker, als ich das vor Monaten noch erwartete. Dennoch bleibe ich bei meiner Einschätzung: Die Papiere der hoch­innovativen Firma bleiben langfristig ­interessant. Zumal der Verwaltungsrat jüngst beschloss, die Dividenden­ausschüttungsrate um rund ein Drittel anzuheben.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

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