Mit der Finanzbranche war in den letzten Jahren bezüglich ihrer Aktien nicht gut Kirschen essen. Es gibt wenige Ausnahmen, beispielsweise Partners Group. Die Baarer Firma wurde 1996 gegründet und ging zehn Jahre später an die Börse. Nach einem guten Start rutschten die Aktien im Zeichen der Finanzkrise bis 2009 auf 55 Franken ab. Seither jedoch gehören die Titel zu den Highflyern und haussierten um rund 240 Prozent.

Partners Group ist ein Vermögensverwalter, der sich auf Privatmarktanlagen spezialisiert hat. Mehr als 600 Beschäftigte in weltweit 15 Niederlassungen ­managen über 25 Milliarden Euro, jedes Jahr kommen einige Milliarden dazu. Denn die Finanzboutique ist höchst ­erfolgreich; nach eigenen Angaben hat sich über die vergangenen zwölf Jahre der Wert des für Kunden angelegten Vermögens im Durchschnitt verdoppelt.

Dabei sind die Firmenoberen nie übergrosse Risiken eingegangen. Kein Wunder, denn die Gründer Marcel Erni, Alfred Gantner sowie Urs Wietlisbach halten einen Aktienanteil von je 14,2 Prozent im Gesamtwert von gut 2,1 Milliarden Franken. Und wer sein Vermögen im Betrieb stecken hat, schaut auf Werthaltigkeit und nicht auf kurzfristige Gewinne. Das kommt auch externen Aktionären zugute.

Die Valoren von Partners Group sind zwar nicht günstig bewertet; für 2012 stellt sich das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf 19,8. Für 2013 und 2014 prognostiziert Helvea ein Gewinnwachstum von 22 respektive 27 Prozent. Das würde 2014 einem KGV von attraktiven 12,8 entsprechen. Partners Group bieten mittelfristig viel Kursfantasie.

Geduld als Tugend. Ungeachtet der Eurokrise und der Konjunkturflaute haben die Börsen mit einem Sommer-Rally überrascht. Doch kaum ist wieder etwas Zug im Markt, werde ich von nervösen Lesern angefragt, ob sie nun verkaufen sollten. Vor allem das kräftige Kursplus bei Holcim reizt. Ich habe die Aktie des Zementkonzerns Anfang Juni zum Kauf empfohlen, seither hat sie gegen 20 Prozent zugelegt. Ein schöner Profit. Wer aber Geduld aufbringt, dem bieten Holcim mittel- bis langfristig noch mehr Gewinne.

Als Performancetreiber hat sich das gute Semesterergebnis erwiesen. Dabei schlug sich die vom neuen CEO Bernard Fontana verordnete Fitnesskur noch gar nicht richtig in den Zahlen nieder. Der Franzose will den Betriebsgewinn bis Ende 2014 um gegen drei Viertel verbessern. Das eröffnet langfristig denkenden Anlegern gute Chancen. Mit einem für 2014 geschätzten KGV von 9,4 sind die Titel noch lange nicht ausgereizt.

Im freien Fall. Unter medialem Getöse ist im Mai Facebook an die Börse gegangen. Zwar mangelte es nicht an warnenden Stimmen. «Die Euphorie im Vorfeld des Börsengangs von Facebook weckt Erinnerungen ans Dotcom-Desaster von 2000», schrieb mein Kollege Marc Kowalsky in BILANZ 9/12. Dennoch reiben sich heute Tausende von Anlegern verwundert die Augen. Innert nur dreier Monate haben die Valoren gegenüber dem Ausgabepreis die Hälfte an Wert verloren, 53 Milliarden Dollar sind verpufft. «Platzt nun die Internetblase?», titelte jüngst eine amerikanische Zeitung.

Die Internetblase jedoch ist längst geplatzt. Denn auch andere Jungstars des virtuellen Netzes befinden sich im freien Fall. So Zynga. Die Aktien des US-Online-Spieleanbieters schossen nach dem Börsenstart im Dezember 2011 zwar um 50 Prozent in die Höhe; seither jedoch sackte der Kurs um vier Fünftel ab. Nicht viel besser erging es Groupon. Beim ­Internet-Schnäppchenportal hielt die ­Euphorie der Anleger nach dem IPO im November 2011 nur kurz an, dann setzte der Absturz ein: minus 82 Prozent. Auch andere Internet-IPOs gerieten unter die Räder: Die Aktien der russischen Suchmaschine Yandex verloren seit dem Höchst 35 Prozent, das Web-Radio Pandora Media schmierte um die Hälfte ab, Chinas Facebook-Version Renren büsste 77 Prozent ein, vom Höchstkurs der ­Social-Media-Plattform FriendFinder Networks verbleibt nur noch ein Zehntel. Trotz den (visuell) tiefen Kursen gilt: Hände weg von diesen Valoren!

Nur bei einigen wenigen Internet-­Exponenten geht das Geschäftsmodell auf. Google etwa ist ein echter Börsenheuler. Dafür sind die Aktien mit einem geschätzten KGV von über 20 auch teuer.

Dickes Ende. Die Beschuldigungen einer US-Aufsichtsbehörde an die Adresse der Standard Chartered sind massiv: Unter Umgehung der gegen Iran verhängten Sanktionen habe die britische Bank bei etwa 60 000 illegalen Transaktionen ein Volumen von rund 250 Milliarden Dollar abgewickelt – eine Geldwäsche riesigen Ausmasses. Bankchef Peter Sands bestreitet die Vorwürfe heftig. Die britische Presse leistete subito Schützenhilfe und schrieb von einem Angriff der USA auf die City. Kleinlaut hat Sands jüngst einem Vergleich zugestimmt. Mit einer Busse von 340 Millionen Dollar ist sein Institut, gemessen am letztjährigen ­Gewinn von 4,7 Milliarden, noch glimpflich davongekommen.

Den Ärger haben die Aktionäre. Die Valoren büssten nach den Anschuldigungen 22 Prozent ein, bislang wurden die Verluste erst teilweise aufgeholt. Seit dem Vergleich werden Standard Chartered wieder auf den Empfehlungslisten der Banken geführt. Das Geldhaus ist liquide sowie bestens refinanziert und in Schwellenländern hervorragend positioniert. Auch sind die Aktien mit einem für 2013 geschätzten KGV von 9,6 günstig bewertet. Nur bin ich mir unsicher, ob da nicht noch einiges nachkommt. Wie ich in der amerikanischen Wirtschaftspresse gelesen habe, ist nicht auszuschliessen, dass auch andere US-Aufsichtsbehörden ermitteln und eines Tages die Hand hinstrecken. Also Vorsicht!

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch

Anzeige
Anzeige