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Frank Goldfinger: Apple gegen Samsung

Vorteil Lee Kun-hee (l.): Samsung ist derzeit an der Börse günstiger ­bewertet als Tim Cooks Apple.

Nicht Apple oder Samsung – am besten beide Aktien kaufen; HBM ­Healthcare Investments buhlt um die Gunst der Anleger; die Titel der neu formierten Glencore Xstrata sind für risikobewusste Anleger interessant.

Von Frank Goldfinger
14.05.2013

Jahrelang haben die Aktien von Apple nur eine Richtung gekannt: nach oben. Dann die Wende: Seit dem Höchst im September 2012 haben die Titel ein Drittel an Wert eingebüsst. Gegenspieler Samsung dagegen vermochte in derselben Periode um 15 Prozent zuzulegen. Was ist nur mit Apple los? Zehn Jahre lang konnte der Konzern jedes Quartal einen Gewinnzuwachs ausweisen. Doch dieser Trend ist gebrochen; im letzten Vierteljahr stieg zwar der Umsatz um elf Prozent, doch brach der Gewinn um beinahe ein Fünftel ein. Samsung-Patriarch Lee Kun-hee dagegen konnte für das Auftaktquartal Superzahlen vorlegen; der Umsatz verbesserte sich um 17 Prozent, der Gewinn kletterte um 42 Prozent auf einen ­Rekordwert.

Wird der US-Technologiekonzern vom südkoreanischen Konkurrenten an die Wand gespielt? Samsung jedenfalls hat gegenwärtig bei den Handys dank der Galaxy-Linie die Nase vorne. Apple krankt daran, dass dem Konzern seit dem iPad nichts Bahnbrechendes mehr gelingen will. Konzernchef Tim Cook stellte kürzlich für diesen Herbst neue, «aufregende Produktekategorien», Software und Dienste in Aussicht. Das Jahresresultat ist stark vom Erfolg dieser Neuheiten abhängig. Bei Samsung erwarten die Finanzanalysten eine anhaltende Rekordjagd.

Ein Vergleich der Aktien spricht für Samsung. Die Titel sind trotz Dauer-Höhenflug mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 7,3 günstig ­bewertet. Doch auch Apple sind dank der Kursschwäche wohlfeil zu haben; das KGV für 2013/14 stellt sich auf 8,6. Also Apple oder Samsung? Mir gefallen beide Valoren – Samsung für etwas konservativere, Apple für risikobewusste Investoren.

Hoher Discount. Ich habe mich an dieser Stelle schon ziemlich bissig über die HBM BioVentures und deren Gründer Henri B. Meier ausgelassen. Der ehemalige Finanzchef des Basler Pharmariesen Roche ist angetreten, der Börsenwelt zu zeigen, dass er als Anlagestratege wahre Wunder vollbringen kann. 20 Prozent Wertschöpfung hat Meier versprochen – jährlich notabene. Es kam anders; die Performance ist mies, die Aktien von HBM BioVentures sind schwer abgestürzt, das Management hat seit der Gründung weit über 100 Millionen Franken kassiert.

Henri B. Meier ist in der Versenkung verschwunden, die Firma wurde in HBM Healthcare Investments umbenannt und das Risiko bei den Anlagen zurück­genommen. Künftig will sich das Management auch bei den Gebühren etwas mässigen. «Mit dem geänderten Managementvertrag zeigen wir unseren Aktionären, dass wir im selben Boot sitzen», diktierte ­Geschäftsführer Andreas Wicki der ­«Finanz und Wirtschaft».

Und wo sassen die Wicki-Männer denn bisher? Die Beteiligungsgesellschaft wird von dem Privatunternehmen HBM Partners verwaltet. Wicki, Meier und andere sind dort Aktionäre. Mir hat der CEO erklärt, er beziehe 40 Prozent seines Lohnes von HBM Healthcare Investments, den Rest von HBM Partners. Praktisch hat Andreas Wicki mit sich selbst über den neuen Managementvertrag verhandelt. Die Valoren sind zwar interessanter geworden. Dass der hohe Discount – aktuell notiert der Kurs um 22 Prozent unterhalb des inneren Werts – nun spürbar verkleinert werden kann, wage ich zu bezweifeln.

Breit aufgestellt. Die Börsenhausse weit überflügelt haben Bayer. Ich habe die Titel des deutschen Pharmakonzerns vor eineinhalb Jahren zum Kauf empfohlen; seither hat sich deren Wert mehr als verdoppelt. Bayer steuert unvermindert auf Wachstumskurs. Für das vergangene Jahr wurde ein Rekordumsatz gemeldet. Der Betriebsgewinn war belastet durch Sondereffekte, sonst wäre er weit überproportional gestiegen. Auch der Auftakt in dieses Jahr ist geglückt. Für das erste Quartal meldet Vorstandschef Marijn Dekkers eine leichte Zunahme der Verkaufserlöse, während Ebit und Gewinn um neun respektive zwölf Prozent stiegen.

Der Geschäftsgang in den Segmenten Gesundheit, Agro und Spezialitätenchemie ist zwar unterschiedlich. Dank der breiten Diversifikation gleichen sich Schwankungen aus – ein grosser Vorteil von Bayer. Ausserdem verleiht die starke Marktstellung in aufstrebenden Regionen dem Unternehmen zusätzliche Dynamik. Die Aktien zählen zu den attraktivsten Blue Chips Europas. Zwar sind die Valoren satt bewertet. Dank deutlichem Wachstum bleiben sie mittelfristig interessant; für nächstes Jahr beläuft sich das KGV auf 13,2.

Guter Auftakt. «Was lange währt, wird endlich gut.» Hat der Volksmund recht, dann wird die als Fusion etikettierte Übernahme von Xstrata durch Glencore sehr gut. Denn lange genug hat die Verlobungszeit gedauert. Der neue Rohstoffkonzern, der unter dem wenig fantasievollen Namen Glencore Xstrata auftritt, ist ein Gigant: Auf Basis der Zahlen von 2012 wurden 169 Milliarden Dollar an Vermögenswerten gezählt, Umsatz und Ebit stellten sich auf 236 respektive 8 Milliarden. 190 000 Mitarbeitende in über 50 Ländern fördern und vermarkten gegen 100 Rohstoffe. Den Investoren gefällt der neue Koloss, die Aktien stiegen seit Anfang Mai um über zehn Prozent. Aktuell wird der Konzern mit 67 Milliarden Franken bewertet. Damit ist Glencore Xstrata die fünftwertvollste Firma der Schweiz. Die alte Glencore dagegen zählte nicht zu den Lieblingskindern der Anleger; seit dem Börsengang vor zwei Jahren schrumpfte der Börsenwert um gut ein Drittel.

Die Wachstumskadenz des Rohstoffkonzerns aus Baar ist atemberaubend. Neben Xstrata wurden alleine im letzten Jahr zwölf weitere Firmen eingekauft. Und CEO Ivan Glasenberg lässt keinen Zweifel daran, dass Glencore weiter wachsen soll. Allerdings wäre eine Verschnaufpause angezeigt, denn das Verschmelzen von zwei derart unterschiedlichen Kulturen ist keine leichte Aufgabe. Immerhin soll auch der Aktionär nicht zu kurz kommen; das Management denkt über Sonderdividenden und Aktienrückkäufe nach.

Die Papiere sind mit einem geschätzten KGV von 9,7 attraktiv, jedoch nichts für auf Sicherheit bedachte Investoren. Das Rohstoffgeschäft ist mit Risiken ­behaftet. Zudem gerät die Branche in ­Sachen Transparenz zunehmend unter Druck. Auch agiert Glasenberg in der ­Öffentlichkeit nicht immer glücklich; seine Drohung, bei Annahme der 1:12-Initiative aus der Schweiz wegzuziehen, hat dem Firmenimage schwer geschadet.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ.
Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch.

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