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Wolkenkratzer aus Holz erobern die Metropolen

Wolkenkratzer aus Holz erobern die Metropolen
Soll die Grenzen der Holzbaukunst sprengen: der Oakwood Tower. PLP Architecture

Sie schiessen wie Pilze aus dem Boden: Wolkenkratzer aus Holz boomen. Dabei brechen sie auf die eine oder andere Weise stets einen Rekord. Doch warum kehren Architekten Beton und Stahl den Rücken?

Von Jenni Marsh («CNN Style»)
2016-05-12

300 Meter hoch wird dieses Gebäude in London nur noch vom «The Shard» überragt. Aber anders als die zuspitzende Glasstruktur des Wolkenkratzers wird dieser 80-stöckige Turm - wenn er denn genehmigt wird - aus Holz sein. Damit wäre dies der erste Londoner Wolkenkratzer und das höchste Holz-Gebäude der Welt.

Der Oakwood Tower ist ein Bauvorhaben der Architektengruppe PLP Architecture und der Architekturfakultät der Cambridge University. Es ist ein Projekt, das die Grenzen der Holzbaukunst sprengen wird und sich dem Trend der Holzgebäude anschliesst. Denn dieses Material verspricht Leichtigkeit, Nachhaltigkeit und einigen Experten zufolge sogar den Happiness-Faktor. Holz soll der Schlüssel zum grünen Bauen und Bebauen von Städten werden. Und angeblich ist es sogar feuerresistenter als Stahl.

Verbreitet sich wie Lauffeuer

In den letzten fünf Jahren gab es einen explosionsartigen Anstieg an Bauvorhaben von Holztürmen - jedes Projekt, so scheint es, soll auf die eine oder andere Weise einen Rekord brechen. 2012 wurde der zehnstöckige, knapp 32 Meter hohe Wohnkomplex, der den Viktoria Hafen in Melbourne überblickt, erbaut. Vor dem Bau des The Treet 2014 im norwegischen Bergen war es das höchste Holzgebäude weltweit. Der skandinavische Bau überragte das Haus um vier Stockwerke.

Der Oakwood Tower wäre in London das höchste Holzgebäude. Letztes Jahr wurde The Cube, ein 33 Meter hohes Apartment Gebäude im Londoner Stadtteil Shoreditch eingeweiht. Damals wurde es mit «höchste Brettsperrholz-Gebäude Europas» betitelt. In Kanada wird gerade ein Haus errichtet, das sich bezeichneter Weise Tall Wood Building nennt. Es wird als Studentenunterkunft der University of British Columbia genutzt. Vor der Planung des Oakwood Tower war nun dieses Gebäude mit seinen 53 Metern das höchste der Welt.

Sehr viele neue Materialien

Warum wollen also Architekten Beton und Stahl den Rücken kehren? Neue Arten von besonders resistenten Holz sind unter anderem Gründe hierfür. «Es gibt sehr viele neue Materialien aus Holz, die gut für den Bau von hohen Gebäuden verwendet werden können», so Dr. Michael Ramage vom Zentrum für Innovationen im Bereich natürliche Materialien an der Cambridge University.

Brettsperrholz besteht zum Beispiel aus dünnen Holzschichten, die überkreuzt übereinander gestapelt werden. Diese werden zusätzlich mit feuerresistentem Kleber bestrichen. Aber es ist Bambusholz – eine Holzart, die in Asien seit Jahrhunderten als Baumaterial genutzt wird - die Ramage am meisten interessiert. Denn diese Holzart wächst fünfmal schneller als andere. Die mechanischen Gegebenheiten bleiben gleich. Der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation zufolge gibt es 31,4 Hektar Bambus weltweit.

«Wir arbeiten gerade daran, Bambus zu formen», sagt Ramage. «Dabei können wir die Wände der Bambusrohre verwenden, sie in Rechtecke schneiden und diese wiederum in grosse Platten zusammenkleben. So würde man ein Material schaffen, das so aussehen würde wie Bauholz, aber viel resistenter wäre.» Kevin Flanagan von PLP Architects fügt hinzu, dass er sich vorstellen könne, dass in Zukunft vermehrt mit Holz experimentiert werde, um es noch belastbarer zu machen.

Höhere Feuerschutzstandards

Wenn es um Holz-Wolkenkratzer geht, stellt sich eine brennende Frage: Sind diese feuergeschützt? Ramage zufolge sollen die Feuerschutzstandards höher gesetzt werden als für Stahl- und Betongebäude. Sein Zentrum wurde mit 353'785 US Dollar vom Engineering Physical Sciences Research Council in Grossbritannien für die Untersuchungen der Bautechniken mit Holz und den damit einhergehenden Brandschutz ausgezeichnet.

«Es gibt immer noch ein grosses Imageproblem. Holz brennt nicht so, wie sich das die Leute vorstellen», erklärt Ramage. «Die beiden grossen Feuer von London und Chicago wurden von kleinen Holzstücken ausgelöst. Die grossen Holzkonstruktionen sind sehr schwer entzündbar. Daher können Ingenieure genau sagen, wie dick das Holz, mit dem gebaut wird, sein soll. Ausserdem wird eine Schutzschicht auf das Holz aufgetragen, die den Brandschutz noch weiter verstärkt.»

Macht uns Holz glücklicher?

Kevin Flanagan zufolge haben Holzgebäude eine positive Auswirkung auf die menschliche Psyche. «Menschen scheinen in Holzgebäuden entspannter zu sein. Denn sie verbinden Holz mit Natur, zu der sie sich zugehörig fühlen. Es wäre also ein grosser Mehrwert, wenn man Holz vermehrt in die Städte, in denen viele Menschen leben, integrieren würde.»

2009 untersuchte das österreichische Joanneum Research Institut vier Klassenräume: zwei mit Holzböden, Holzdecken und Holztafeln und zwei mit Linoleumböden, Plastiktafeln und -wänden. Die Kinder, die in den Holzräumen arbeiteten, waren der Studie zufolge entspannter und wiesen einen ruhigeren Herzschlag auf.

Ausschliesslich für Bauvorhaben gezüchtet

Doch sollten wir nicht die Regenwälder erhalten? Ja, das sollten wir, befindet die World Wildlife Organization. Über 150'000 Quadratkilometer Regenwald werden jährlich geholzt – das sind 48 Fussballfelder jede Minute. Ramage erklärt, dass das Bauvorhaben der Oakwood Towers - wenn es den genehmigt werden sollte - aus sogenanntem ‚weissen Holz’ gebaut werde. Dieses wird wie Nutzpflanzen 40 Jahre lang ausschliesslich für Bauvorhaben gezüchtet.

Ramage erklärt, dass Holzbau noch nachhaltiger sei als das Bauen mit Beton. Denn schliesslich sei das Holz leichter, weswegen man bei dem Transport weniger Energie benötige. Da Holzgebäude in der Fabrik zusammengebaut werden und dann einfach wie Ikea-Möbel in der Stadt aufgestellt werden, sei eine Holzbaustelle zeitlich und finanziell effizienter, ergänzt Flanagan.

Besonders gut aufgepasst

Von den Tudor Holzbögen in der Westminster Hall in London bis hin zu den Holzdecken in der verbotenen Stadt in Peking - Holz war schon immer das Material für atemberaubende Bauten. Und diese verrotteten nicht. Ramage sagt: «Wir haben 600-700 Jahre alte Holzbauten in Grossbritannien und ihnen geht es bis heute gut. Was aber alle Holzgebäude gemein haben, ist, dass auf sie besonders gut aufgepasst wird.»

Dieser Text erschien bei CNN Sytle, der Onlineplattform von CNN. Auf CNN Sytle informiert der Nachrichtensender sein internationales Publikum über Trends und Hintergründe im Bereich Mode, Design, Architektur, Kunst, Automotive und Luxus.

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