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In welchen Kantonen das Leben besonders teuer ist

Steuern, Miete, Kita-Gebühren: Je nachdem in welchem Kanton man wohnt, bleibt am Ende des Monats unterschiedlich viel Geld übrig. Von Günstig-Gemeinden bis Kostenhöllen - der Vergleich.

Von Marc Bürgi
19.12.2016

Wo lebt es sich am günstigsten? Die Antwort der Credit Suisse heisst: Uri. Im Innerschweizer Kanton bleibt am meisten Geld vom Einkommen übrig, wenn die Steuern, die Krankenkassenprämie und andere ans Wohnort gebundene Kosten einmal beglichen sind. Damit kann Uri seinen Spitzenplatz von 2011 behaupten.

Die Credit Suisse hat analysiert, wie die rund 2300 Schweizer Gemeinden und Kantone im Kostenvergleich abschneiden. Dabei hat die Grossbank vier grosse Kostenblöcke berücksichtigt, welche das Budget belasten: Steuern und Abgaben, die Wohnkosten, die Ausgaben für den Arbeitsweg und der finanzielle Aufwand für die Kinderbetreuung. Sie berechnete die Kosten dabei für verschiedene Haushaltsgrössen und Lebenssituationen.

Grosse Unterschiede bei den Abzügen

Zu den günstigsten Wohnkantonen gehören neben Uri auch Glarus, Obwalden, Thurgau und Appenzell Innerrhoden. In Baselstadt und Genf bleibt hingegen am wenigsten vom Lohn übrig. Dabei zeigen sich grosse Unterschiede bei der Verteilung der Ausgaben.

Die Kantone mit den niedrigsten Ausgaben vereinen mehrere Vorteile: So ist beispielsweise in Uri das Wohnen günstig. Urner zahlen zudem tiefe Steuern und tiefe Krankenkassenprämien. Zwar ist der Kanton abgelegen, aber die Kosten für den Arbeitsweg können Urner grösstenteils von den Steuern abziehen. Nur die Kinderbetreuung geht ins Geld: Krippen sind teuer und der Kanton subventioniert die Betreuung wenig.

Kita-Kosten für Familien besonders wichtig

Bei den Kita-Kosten ist die Kostenschere ausgeprägt. So zahlt eine Familie mit durchschnittlichem Einkommen für eine zweitägige Fremdbetreuung von zwei Kindern in Uri bis zu 26'000 Franken im Jahr, im Kanton Bern sind es rund 3000 Franken.

Für Familien mit Kindern sei dieser Faktor zentral, sagt Thomas Rühl, Mitautor der Studie, gegenüber handelszeitung.ch.  Die Gemeinden könnten über einzelne Faktoren ihre Attraktivität steuern. «Man hat natürlich Einfluss auf den Steuersatz und die Subventionspolitik. Wenn man beispielsweise die Kindbetreuungskosten stärker subventioniert, ist das attraktiv für Familien», sagt Rühl. Am Ende müsse das Ganze aber auch finanzierbar sein.

Im Steuerparadies sind Wohnungen teuer

In manchen Kantone machen Nachteile die Vorteile weg: Zug hat beispielsweise tiefe Steuern, dafür sind die Wohnkosten sehr hoch. Im Jura ist das Wohnen hingegen sehr günstig, aber die Jurassier zahlen viel Steuern und hohe Krankenkassenprämien. Und in gewissen Kantonen sind die Kosten in mehrfacher Hinsicht hoch: In Genf ist die Steuerrechnung happig, die Krankenkasse teuer, und auch für die Wohnung oder das Haus müssen Genfer viel zahlen.

Je nach Einkommen und Lebenssituation wiegen die Vorteile und Nachteile eines Wohnorts unterschiedlich schwer: Für jemand, der viel verdient, sind die Kosten für die Krankenkasse und das Wohnen weniger wichtig als der Steuersatz. Wenn ein Ehepaar mit 100'000 Franken Einkommen vom Kanton Zug in den Kanton Neuenburg zieht, fällt die jährliche Steuerrechnung fast 11'000 Franken höher aus. Beträgt der Verdienst 300'000 Franken, muss das Paar über 41'000 Franken mehr Steuern bezahlen.

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