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Gartentrend 
Trend naturnahe Gärten: Was uns in diesem Jahr blüht

In einer urbanen und streng strukturierten Welt sehnen sich die Menschen wieder nach mehr Natürlichkeit im Garten. Da überrascht es kaum, dass es an der diesjährigen Giardina das grosse Thema ist.

Von Corinna Clara Röttker
2017-02-06

Wenn Christoph Wegelin Gärten gestaltet, lässt er sich von der Natur inspirieren - und von der Poesie. Denn neben seiner Tätigkeit als Naturgartengestalter schreibt er Gartengedichte. Daher sein Firmenname: «Gartenpoet» - naturnahe Gartengestaltung mit poetischem Ansatz. «Die Poesie beeinflusst die Art und Weise wie ich arbeite», erklärt Wegelin. Denn auch im Garten geht es um Harmonie, Stimmigkeit und Einklang. «In einem Garten lasse ich mich von dem Ort, aber auch von den Menschen inspirieren. Bei der Gestaltung spüre ich dann, was sich stimmig anfühlt, so dass die Bedürfnisse der Gartennutzer im Einklang mit den Bedürfnissen der Natur stehen – ein Miteinander von Mensch und Natur.»

Mit seinem Arbeitsansatz trifft Wegelin genau den Puls der Zeit. Dauerschön, pflegeleicht und vor allem natürlich: So stellt sich der Gartenbesitzer von heute sein grünes Refugium vor. «Unser Alltag wird stets hektischer, technischer, strukturierter und urbaner. Vor allem Frauen wünschen sich dazu einen Gegenpol und zugleich authentischen Rückzugsort», erklärt Sebastian Morlock, Leiter der Zürcher Gartenausstellung Giardina, den Trend zu mehr Natürlichkeit.  

«Mixtur gegensätzlicher Elemente»

Wer jetzt an Pflanzen im Blumenwiesen-Look denkt, liegt zwar richtig. Doch nicht nur die Bepflanzung lehnt sich an die Natur an. «Es ist eine Mixtur gegensätzlicher Elemente», so Morlock. Heisst: Harte architektonische Kanten und Formen werden durch Pflanzen abgemildert. Hinzu kommen Elemente wie Bodenplatten und Möbel aus gebrochenem, lokalem Naturstein, geflochtene Trennwände oder Skulpturen aus Holz und Metall - «die Interpretation von Natürlichkeit ist eine sehr individuelle Angelegenheit», so Morlock.

Allerdings: Natürlichkeit im Garten entsteht nicht durch Wildwuchs. Im Gegenteil, sie lebt von bewussten Eingriffen. Oder wie Gartenpoet Wegelin es nennt: Struktur. «Natur ist wild und wirkt unordentlich. Sie zu ordnen heisst nicht, sie zu plagen oder unterzuordnen. Vielmehr geht es darum mit verschiedenen Elementen wie einer Mauer eine Harmonie im Garten zu schaffen.»

Natürliche Materialen aus der Region sind Pflicht

Dabei ist für ihn vor allem eines essenziell: die Verwendung natürlicher Materialen aus der Region. «Natürliche Materialien erzeugen echte und wahrhaftige Stimmungen. Sie sind lebendig, haben Ausstrahlung und berühren uns», sagt Wegelin.

Ein Material hat es dem gelernten Winzer und Baubiologen aus Baden-Rütihof im Kanton Aargau besonders angetan: Stampflehm. «Ich kenne kein Material, das genialer ist als Lehm. Es hat so eine Einfachheit und ist doch so vielfältig mit einem starken Ausdruck.» In Gärten baut er nicht nur verschiedene Gestaltungselemente aus Lehm sondern auch Pizzaöfen, auf die er sich spezialisiert hat. Auch Altholz zählt zu seinen favorisierten Materialien. Überhaupt könnte man sagen, dass Wegelin sich der Rettung alter Materialien verschrieben hat, diese recycelt und neu verwendet. «Heutzutage haben wir einen riesen Materialverschleiss, bei dem die schönsten Naturmaterialen vernichtet werden. Und dagegen möchte ich etwas tun», so Wegelin.

Lebensraum für die heimische Tierwelt

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Winkler & Richard Naturgärten aus Wängi. «Wir möchten Gärten gestalten, in denen sich Menschen geborgen fühlen. Gärten, die mit Leben erfüllt sind, weil sie auch der heimischen Tierwelt Lebensraum geben», sagt Carmen Hocker von Winkler & Richard. Erreicht werden soll das durch überwiegend einheimische Pflanzen wie Wildstauden und –gehölzen, die wiederum durch ihre Beschaffenheit Insekten und Tieren als Nahrung und Brutstätte dienen.

Neben der Bepflanzung spielen bei der Gartengestaltung auch bauliche Massnahmen eine Rolle. Aber: Auf versiegelte Flächen, Beton und ähnlich «Unnatürliches» verzichten die Experten. Stattdessen gibt es durchlässigen Kies und Trockenmauern aus Naturstein und Recycling-Material. Denn: «Da Natursteinmauern nicht verfugt werden, bieten sie kleinen Tieren wie Wildbienen und Eidechsen Unterschlupf», so Hocker. Das Ergebnis ist ein kleines Ökosystem in sich.

Pflege ist auch im Naturgarten ein Muss

Ein Ökosystem, das aber gepflegt werden muss – natürlich ohne den Einsatz von Chemikalien. Denn in Naturgärten darf nicht gespritzt werden. «Wir gärtnern im Einklang mit der Natur, ohne Einsatz von Gift und dröhnenden Laubbläsern», erklärt Hocker.

Diesen Aspekt gilt es bereist bei der Wahl der Pflanzen zu berücksichtigen. Entsprechend kommen Pflanzen zum Einsatz, die gesund und dem Standort angepasst sind. «Auch das ist ein Merkmal von naturnahen Gärten. Man wählt eben nicht eine frostempfindliche, englische Rosensorte. Sondern nimmt stattdessen eine robuste Wildrose, die sich im Herbst auch noch mit Hagebutten schmückt», sagt Hocker.

Allerdings braucht auch die Pflege. Hier liegt in Naturgärten die Herausforderung: Ein Gleichgewicht zu schaffen, dass es einerseits den ästhetischen Ansprüchen der Gartenbesitzer genügt, und zugleich auch wertvoll für Natur und Tierwelt ist.

Winkler & Richard bietet deshalb seinen Kunden Pflegeberatung und -begleitung an. «Da sich einheimische Wildpflanzen versamen, entwickeln sie anders als Kulturpflanzen eine stärkere Dynamik. Wenn man nicht von Anfang an behutsam eingreift, breiten sich dominante Arten zu sehr aus, wodurch die ursprüngliche Vielfalt wieder verloren gehen würde», erklärt Hocker. Pflege ist also auch im Naturgarten ein Muss. «Sonst ist es Wildnis und kein gestalteter Garten mehr.»

Mehr Natürlichkeit mit Wasser

Einen anderen Interpretationsansatz von Natürlichkeit verfolgt Martin Maurer von Wetzel Garten. Für ihn spielt Wasser eine wesentliche Rolle: «Wasser hat eine ganz besondere Atmosphäre, die entspannt und entschleunigt», so Maurer. «Seit jeher zieht es die Menschen an schönen Tagen an.»

Das Aargauer Gartenbau-Unternehmen hat sich auf biologisch aufbereitetes Wasser spezialisiert – ob für den Biopool, Schwimmteich, Brunnen oder den Whirlpool. Allerdings: «Im Gegensatz zu herkömmlichen Swimmingpools verwenden wir kein Chlor oder andere giftigen Chemikalien, um das Wasser aufzubereiten», erklärt Maurer. Stattdessen dient ein Wasserpflanzen-Gürtel als natürlicher Filter. Konkret nutzt man den Nährstoffbedarf der Pflanzen, so dass die Natur das Reinigen von selbst erledigt. Bei Bedarf gibt es auch Biofilter, die mit natürlichen Filtersubstraten arbeiten. «So wird das Wasser glasklar und es entsteht ein natürlicher Freiraum.»

Oder wie Gartenpoet Wegelin sagt: «Eine Quelle, die unsere Bedürfnisse nährt und stärkt.»

Die Gartenausstellung Giardina 2017 findet vom 15 bis 19. März in der Messe Zürich statt. Der Fokus liegt auf die neue Natürlichkeit in der Gartengestaltung. Gartenbauer veranschaulichen, wie sie diesen Gartentrend mit baulichen Massnahmen, sorgfältiger  Pflanzenwahl und dem Einsatz ausgesuchter Materialien in Schweizer Gärten umsetzen.

 

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