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New Yorks Luxustürme: Der Geldadel will hoch hinaus

Es ist eine neue Generation von Wolkenkratzern, die in Manhattans Himmel wächst, Luxuswohntürme für die, die es sich leisten können. Der neuste Rekord: 100 Millionen Dollar - für eine einzige Wohnung.

Von Corinna Clara Röttker
2015-01-28

New Yorks Einwohner sprechen schon seit langem vom «Real Estate Porn», zu Deutsch etwa «Immobilien-Porno». Damit gemeint ist der Bauboom in der Millionenmetropole, der immer wahnwitzigere Dimensionen annimmt. Im Fokus der Aufmerksamkeit: Manhattans Mega-Wolkenkratzer. Das Motto: immer höher, immer teurer, immer luxuriöser.

Die New Yorker dürften ihren Porno-Vergleich nun bestätigt sehen. Eine neue Rekordmarke  wurde geknackt: In Manhattan ist erstmals eine Wohnung für den fast obszönen Preis von rund 100,5 Millionen Dollar (rund 88 Millionen Franken) verkauft worden.

Italienischer Marmor und Rosenholz-Fussböden

Wer der glückliche Käufer ist, bleibt geheim. Bekannt ist aber, was er bekommt: Rund 1’100 Quadratmetern Wohnfläche, sechs Schlafzimmer, sieben Bäder, italienischen Marmor, Rosenholz-Fussböden sowie einen 360-Grad-Panoramablick auf Central Park, Hudson und East River. Der Begriff «Wohnung» scheint da nicht mehr ganz angebracht. Das Penthouse der Superlative erstreckt sich über die komplette 89. und 90. Etage des Luxusturms «One 57», eines der neuen, gigantischen Hochhäuser New Yorks im Herzen Manhattans.

Luxustürme wie der «One 57» prägen derzeit eine neue Generation von Wohntürmen in der Weltmetropole. Sie sollen New York zu noch mehr Pracht verhelfen. Einem New York, das sich immer weniger New Yorker leisten können - doch das tut dem Immobilien-Wahnsinn keinen Abbruch.

Verglaster Mega-Wolkenkratzer

Vier Jahre hat es gedauert, den verglasten Mega-Wolkenkratzer «One57» auf 306 Meter hochzuziehen. Als «Ultra-Luxus» werden die Apartments angepriesen, die Superreiche aus der Marmor-Badewanne mit Armaturen der deutschen Edelschmiede Dornbracht auf die Skyline gucken lassen. Seit Ende 2013 können die ersten Bewohner ihre Luxus-Bleiben des bis dato höchsten Wohn-Hochhauses New Yorks beziehen.

Doch den Status als höchster Wohn-Wolkenkratzer konnte das «One 57» nicht lange für sich einstreichen.  Ein paar Ecken weiter wurde erst vor kurzem der «432 Park Avenue» gebaut, der nochmal 120 Meter höher ist als das «One57».

Luftschloss für Millionäre und Milliardäre

«432 Park Avenue» ist das höchste, teuerste und luxuriöseste Wohnhaus der Welt, ein atemberaubend-groteskes Luftschloss für Millionäre und Milliardäre, über acht Meter höher als das neue One World Trade Center, wenn man dessen leere Spitze nicht mitrechnet. Der Bau soll 1,3 Milliarden Dollar verschlungen haben. Im Oktober war Richtfest, die ersten Käufer sollen im Sommer einziehen.

Nur 104 Wohneinheiten finden sich auf den 96 Etagen von «432 Park». Und die Preisliste kann sich sehen lassen: Laut siebensprachiger Website sind die günstigsten Appartements ab sieben Millionen Dollar zu haben – das teuerste Penthouse kostet 95 Millionen Dollar.

Zweit-, Dritt-, Viertwohnsitze der Gutbetuchten

Als Nische lässt sich dieses Top-Segment des New Yorker Immobilienmarktes schon lange nicht mehr bezeichnen. An allen möglichen angesagten Ecken schiessen Luxus-Gebäude aus dem Boden. Projektentwickler wie die Firma Extell Development überziehen Manhattan mit Protz-Objekten, deren Wohnungen sich kein Durchschnittsbürger leisten kann. Dass die Preise seit Jahren viel stärker steigen als die Einkommen, ist jedoch kein Problem.

Denn: Es sind die Zweit-, Dritt- und Viertwohnsitze der Gutbetuchten, ultrareichen Investoren aus Übersee, die von London nach Singapur und New York jetten: russische Öl-Magnaten, arabische Scheichs und asiatische Multi-Milliardäre. Mit dem Kauf der Edelimmobilien parkieren sie ihr Geld in luftiger Höhe. Laut « New York Times» werden mehr als 50 Prozent der Appartements mindestens zehn Monate im Jahr leer stehen.

Gerade erst hat sich laut «New York Post» Roman Abramovich auf der Upper East Side drei der begehrten Townhouses aus der Zeit der vorletzten Jahrhundertwende für mindestens 50 Millionen Dollar zugelegt. Im letzten Herbst wurden Parkplätze für jeweils eine Million Dollar im Trendviertel SoHo zum Symbol des Wahns.

Quadratmeterpreise haben sich verdoppelt

Dabei ist bei weitem nicht nur Manhattan Spielwiese von Spekulanten, Projektentwicklern, Immobilien-Mogulen und Maklern. In vielen Gegenden von Brooklyn haben die Normalverdiener mittlerweile noch weniger zu bestellen, wenn es um Mieten, Kaufen und Wohnen geht. Laut einer Studie des Analysehauses RealtyTrac driften die Preise für Immobilien und die Einkommen nirgends in den USA stärker auseinander.

So haben sich in den letzten zehn Jahren die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen in Manhattan und Brooklyn in etwa verdoppelt, das Transaktionsvolumen der gesamten Käufe hat sich beinahe verdreifacht. Von 2000 bis 2012 sind die Mieten in New York um 75 Prozent gestiegen - viel stärker als im Rest des Landes. Zugleich gingen die Reallöhne um 4,8 Prozent zurück.

Ein Ende ist nicht in Sicht

Ein Ende des Grössenwahns ist indes nicht in Sicht. Im Gegenteil: Weitere «Supertower» sind bereits geplant oder gar im Bau, die meisten zwischen 300 und über 400 Meter hoch, in Manhattans bester Lage – einen Blick auf den Central Park selbstverständlich inklusive.

Es ist daher wohl nur eine Frage der Zeit, wann der gerade erst aufgestellte Rekord von 100 Millionen Dollar für eine einzige Wohnung wieder geknackt wird.

(mit sda-Material)

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