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Immobilien 
Immo-Startup greift mit Spottpreis die Makler-Zunft an

Stylish design of spacious living room connected with dining hall
Ein Makler muss nicht teuer sein. Das zeigt das Lausanner Startup Neho. Quelle: Katarzyna Bialasiewicz Photographee.eu

Im Durchschnitt kostet ein Makler 30'000 Franken. Das Startup Neho verlangt weniger als einen Drittel – egal für welche Art von Immobilie.

David Torcasso
Von David Torcasso
28.04.2019

Ein Haus in der Schweiz zu verkaufen ist nicht ganz einfach – vor allem, wenn es um das Vertragliche geht. Deshalb greifen viele verkaufswillige Hausbesitzer auf die Dienste eines Immobilienmaklers zurück. Er kann ein Haus fachgerecht schätzen, die notwendigen Dokumente beschaffen und hat ein Netzwerk von Interessenten. 

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Allerdings lässt er sich seine Dienste auch etwas kosten. Wer beim Haus- oder Wohnungsverkauf einen Makler heranzieht, bezahlt heute in der Regel eine Kommission von rund drei Prozent des Verkaufspreises. In Städten mit Wohnungsknappheit, welche die Preise nach oben treibt, verdienen Makler beachtliche Summen. 

Berechnungen immer wieder anders

Das in Lausanne gegründete Immo-Startup Neho möchte nun die Vermittlung von Liegenschaften zum niedrigen Fixpreis anbieten. Und zwar für 7500 Franken pauschal, egal wie gross das Haus ist und wo es liegt.

«Die heutigen Provisionen sind ungerechtfertigt und nicht zeitgemäss», sagt Neho-Mitgründer und Chef Eric Corradin. Das Unternehmen sei angetreten, um die Branche zu modernisieren und den Eigentümern eine faire und transparente Alternative beim Immobilienkauf zu bieten, sagt Corradin.

Zudem sei der Aufwand für viele Immobilien gleich, werde aber je nach Lage des Hauses oder Wohnung anders berechnet: «Warum sollte ein Broker mehr an einem Haus im Zentrum von Zürich verdienen als mit einem in der Agglomeration», sagt Corradin. 

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Mitgründer und CEO von Neho: Eric Corradin
Quelle: ZVG

Das Geschäftsmodell von Neho ist ein Angriff auf das traditionelle Provisionsmodell. Möglich wird die günstige «Flatrate» dank der Digitalisierung von Prozessen. Dafür habe man eine eigene Plattform entwickelt, die effizienter funktioniere, so Corradin. «Wir verlinken alle Schritte online, reduzieren den Papierkram und können damit Kosten und Zeit sparen.» Dazu biete man auch virtuelle Touren durch die Immobilien an. 

Das Startup verfolgt eine schlanke Struktur: Keine repräsentativen Räume, keine Firmenfahrzeuge oder unnötige Drucksachen. Das reduziere die Fixkosten. Trotzdem könne man vom Know-how dasselbe leisten wie eine klassische Immobilienagentur, sagt Corradin. Der Verkauf werde nach wie vor von einem zertifizierten Makler abgewickelt, sagt der Gründer. «Und zwar bis zur Unterzeichnung des Vertrags.»

Besuch nicht inbegriffen

Der Preis ist auf den ersten Blick verlockend. Aber dafür muss der Verkäufer auch Eigeninitative aufbringen. Das bedeutet, selber Bilder hochladen oder auch Dokumente digitalisieren. Die Plattform von Neho muss selbst mit den Unterlagen gespiesen werden, um die Vermittlung voranzutreiben. 

Ein Service ist in den 7500 Franken nicht inbegriffen: Der physische Besuch der Makler von Neho in der Immobilie zur Einschätzung nicht inbegrifffen. Dieser Gang kostet zusätzlich 200 Franken pro Stunde, falls er notwendig ist. 

Rund 20 Mitarbeiter

Das Startup wurde 2017 an der EPFL in Lausanne von Eric Corradin, Steve Savioz, Florent Bourachot und Guillaume Dubray gegründet. Als Partner ist die Real-Estate-Gruppe Investis mit an Bord. Inzwischen beschäftigt das Jungunternehmen rund 20 Mitarbeiter in der Romandie und Zürich. Die Hälfte davon seien qualifizierte Immobilienmakler. 

Rund 75 Prozent der Kunden von Neho seien über 50 Jahre alt, sagt Corradin. Man spreche mit der Plattform nicht nur Digital Natives an, «sondern alle.» Daneben würden die Kunden die hohe Transparenz der Plattform schätzen, sagt Corradin. 

Vom Ausland abgekupfert

Neu ist die Idee von Neho aber bei weitem nicht. Der Pionier kam wie bei so vielen disruptiven Geschäftsmodellen aus Grossbritannien. Dort hat das Unternehmen Purplebricks, das ebenfalls ein Fixpreismodell verfolgt, mittlerweile einen Marktanteil von fünf Prozent. Eine Expansion in andere angelsächische Märkte wie USA, Kanada oder Australien ist geplant. 

Corradin hingegen will zurzeit nicht ins Ausland expandieren, dafür stärker in die Deutschschweiz. Deshalb hat er mit seiner Firma einen ersten Ableger in Zürich eröffnet – Basel, Bern, Zug, Luzern und St.Gallen sollen folgen. Das Konzept überzeugte schliesslich auch die Immobilienbranche: Neho wurde 2018 mit dem Swiss Real Estate Award im Bereich Proptech ausgezeichnet. 

Millionen-Einsparungen für Käufer

In der Schweiz kostet die durchschnittlich verkaufte Immobilie 961'000 Franken. Das geht aus dem Immo-Monitor von Wüest & Partner hervor. Daraus würden im Durchschnitt Vermittlungsprovisonen pro Verkauf von rund 30'000 Franken hervorgehen. Das sind pro Jahr rund 810 Millionen Franken, die an Immobilienmakler gehen. 

Neho hat eine Pauschale von 7500 Franken, die laut Corradi genutzt werde: «Wir haben seit unserer Gründung bereits über 1000 Immobilien bewertet, und über 100 vermittelt». Für die Kunden hätte das Einsparungen von rund 3,5 Millionen Franken gebracht, sagt der Gründer. «Das Ziel ist, in drei Jahren der grösste Broker der Schweiz zu sein», sagt Corradin.