Die Hypothekarzinsen fallen und fallen. Für eine Festhypothek mit zehn Jahren Laufzeit verlangt die Migros Bank gerade noch 1,9 Prozent Zins, wie eine Erhebung des VermögensZentrums (VZ) zeigt. Vor einem Jahr lag der Zinssatz für die gleiche Laufzeit noch bei 2,97. Je nach Bonität und Verhandlungsgeschick des Kunden sind die Banken bereit, gar noch tiefer zu gehen, wie Ansgar Gmür vom Hauseigentümerverband beobachtet.

Nur eine Art von Hypotheken bleibt seit Jahren gleich teuer: die variablen. Den günstigsten Zinssatz bieten laut VZ die Migros Bank und die Liechtensteinische Landesbank mit 2,25 Prozent. Die Spannweite reicht bis zu Tessiner Kantonalbank und Axa Winterthur mit 3 Prozent. Der Schnitt verharrt bei rund 2,7 Prozent.

Es ist keine zehn Jahre her, da hätte dieser Zustand landesweit für Empörung gesorgt. Konsumentenschützer und Mieterverbände wären auf die Barrikaden gestiegen und hätten die Wettbewerbs­hüter losgeschickt, um die Banken zur Räson zu zwingen. Schliesslich liegen die Sparzinsen als klassische Refinanzierungsquelle der Banken für die variablen Hypotheken noch tiefer als die Renditen von Bundesanleihen.

Seither ist die variable Finanzierung von Wohneigentum aus der Mode geraten. Zum einen ist das Volumen zugunsten der festen Laufzeiten massiv gesunken. Bei der Zürcher Kantonalbank beträgt der Anteil der variablen Hypotheken am ­gesamten Hypothekarvolumen noch etwa vier Prozent, vor fünf Jahren waren es noch rund 17 Prozent. Wie sich das Volumen insgesamt in der Schweiz entwickelt hat, lässt sich jedoch nicht eruieren, da entsprechende Statistiken fehlen.

Zum andern verloren die variablen Hypotheken 2008 auch ihre Rolle als ­Referenzzins für die Festlegung der Mietpreise. Nun werden diese anhand des ­volumengewichteten Durchschnitts aller Hypothekarzinsen quartalsweise ermittelt. Diese liegen zurzeit bei 2,39 Prozent, was einen Referenzzins von 2,5 Prozent ergibt. Damit stehen die Zeichen gut, dass der Referenzzins und damit die Mieten bei der nächsten Festlegung noch weiter sinken werden.

Ganz von der Bildfläche verschwunden sind variable Hypotheken aber noch nicht. Bei der Migros Bank beträgt das Volumen immerhin noch etwa 8 Prozent, bei der Berner Kantonalbank gar 13,5 Prozent. Oft werde eine Resthypothek bis zur vollständigen Amortisation variabel finanziert, erklärt Albert Steck, Mediensprecher der Migros Bank. Oder sie dient als teure Notlösung zur Harmonisierung der Laufzeiten verschiedener Hypotheken. So kann dann ein neuer Anbieter ­gesucht oder das Wohneigentum verkauft werden. Eine kurzzeitige Anbindung über sechs Monate oder ein Jahr ist jedoch deutlich günstiger, liegen doch dort die Zinssätze der meisten Anbieter unter 1,5 Prozent. 

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