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Ferienhaus mieten oder kaufen - das raten Experten

Balearen: Jede dritte Immobilie wird inzwischen an Ausländer verkauft.Flickr/Kai Schreiber/CC

Ob Toskana oder Südfrankreich - viele Schweizer träumen vom eigenen Ferienhaus. Der ausländische Immobilienmarkt lockt zugleich mit serbelnden Preisen, doch Experten warnen und geben Tipps.

Veröffentlicht 02.07.2015

Das eigene Ferienhaus: Mit den serbelnden Preise auf den Immobilienmärkten im Ausland wird der Traum vom eigenen Ferienparadies für viele finanziell realistisch. Schweizer mögen die Toskana, Südfrankreich und die Balearen. Doch Experten warnen. Bei Ferienhäusern ist Mieten oft die bessere Variante.

Bruttorenditen von teilweise über 5 Prozent

Peter Moertl schwärmt von den Balearen. Mallorca, Ibiza, Menorca. Das sind in den Augen des Immobilienexperten Paradiese. «Ibiza ist die Goldküste der Balearen, Menorca der Geheimtipp, das Zürcher Oberland des Südens», erzählt er.

Vor allem auf Mallorca stellt Moertl einen Anstieg der Nachfrage aus der Schweiz fest: «Mit dem starken Franken und niedrigem Zinsniveau suchen Schweizer Kapitalanleger wertstabile Anlagen mit attraktiven Renditen.» Auf Mallorca erwirtschaften Ferienhäuser gemäss Moertl in attraktiven Lagen Bruttorenditen von teilweise über 5 Prozent.

Jede dritte Immobilie geht an Ausländer

Jede dritte Immobilie wird auf den Balearen inzwischen an Ausländer verkauft. Vor allem die Deutschen langen kräftig zu, die Schweizer folgen immerhin auf Rang 6, noch vor den Russen. Moertl, Chef und Gründer der Immobilienvermarktungsfirma Premier Suisse Estates, kennt die Gründe: «Die Balearen haben das Ballermann-Image überwunden. Sie gelten inzwischen als familienfreundliche Orte mit hohem Lebensstandard», sagt er.

Unter den Käufern finden sich zunehmend auch Hinz und Kunz, Meier und Müller. Doch Moertl warnt: «Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit ist Mieten vorerst besser als Kaufen».

Auch Bierdeckel gilt

Auch Jurist Christian H. Kälin, Partner bei Henley & Partners in Zürich, rät zur Miete anstelle des Kaufs. «Einige Male am Ort sein, Leute kennen lernen, wissen, wer der beste Anwalt im Dorf ist, das lohnt sich», sagt er.

Kälin ist Autor des Ratgebers «Internationales Immobilienhandbuch». Für 18 Länder hat er Kriterien zusammengestellt, die man beim Kauf von Immobilien beachten sollte, inklusive Steuern, Erbrecht, Aufenthalt und Wohnsitz.

Am sichersten und einfachsten ist Kaufen wohl in Ländern wie Frankreich. «Der Notar ist dort persönlich haftbar», sagt Kälin. «Immobilienkäufe im Ausland sind aber immer anders als hier. Wir sind uns gewohnt, dass hohe Hürden bestehen. Beispielsweise muss ein Grundstückkauf öffentlich beurkundet werden. In anderen Ländern, zum Beispiel Spanien, gibt es diese Sicherheiten nicht. Man kann Immobilien auf Bierdeckeln verbindlich verkaufen», sagt Kälin.

Kroatien - das neue Käuferparadies

Neben Frankreich, Spanien und Italien sei Kroatien für Käufer attraktiv. «Das Preis-Leistungsverhältnis ist sehr gut», sagt er. Bereits mit einigen zehntausend Franken lassen sich Häuser an schönsten Lagen kaufen.

Kälin rät aber anders als Immobilienspezialist Moertl davon ab, Wohneigentum im Ausland als Anlageobjekte zu betrachten. «Ferienimmobilien sind Konsumobjekte. Zwar ist Vermögen langfristig angelegt. Doch die Werterhaltung kostet», sagt er.

So fallen beispielsweise Sanierungs- und Reparaturkosten an. Renovationen sollten stets gut abgeklärt werden. «Wer mit dem Baurecht oder den Auflagen der lokalen Behörden im Ausland nicht vertraut ist, erlebt unter Umständen eine Überraschung, wenn er das neu erworbene Ferienhaus umbauen möchte», sagt etwa Michel Benedetti, Sprecher des Immobilienspezialisten IAZI. «Viele bringen sich in Schwierigkeiten, weil sie die örtlichen Gegebenheiten nicht kennen», sagt er und warnt vor gierigen Maklern.

Gefahr von Gier

«Makler im Ausland verkaufen schnell ein Haus oder eine Wohnung. Die Schwachstellen zeigen sich erst nachher. In der Schweiz hingegen nimmt der Kreditgeber eine eigene Wertschätzung vor. Manche Institute schätzen das Objekt auch vor Ort, was einen gewissen Schutz bietet gegen überhöhte Preise.»

Inländische Banken finanzieren Objekte im Ausland aber kaum. Um die Preise einzuschätzen. gilt darum wie für die anderen Belangen auch: Der Dorfklatsch ist ein guter Ratgeber, sich umhören und umsehen vor Ort ist darum unerlässlich. Und nicht voreilig auf dem Bierdeckel unterschrieben. Ein solcher Vertrag könnte gültig sein.

(sda/ccr)

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