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Architekt Piano und sein Kampf gegen die Schwerkraft

Architekt Renzo Piano: Ein Kampf gegen die Schwerkraft
Renzo Piano: Der Architekt wird 80 Jahre alt. Keystone

Ob die Fondation Beyeler oder «The Shard» in London: Man muss kein Architektur-Liebhaber sein, um Architekt Renzo Piano zu begegnen. Was viele seiner Bauten eint: Die Kritik an ihnen.

Museen, Flughäfen, Unis, Schulen und Bürotürme: Renzo Piano ist der kluge Kopf hinter so vielen Gebäuden, dass er sie wohl selbst kaum noch zählen kann. Sogar hinter Segelbooten steckt der italienische Architekt. Heute, am 14. September wird er 80 Jahre alt.

Man muss kein Architektur-Liebhaber sein, um Renzo Piano zu begegnen. Wer auf Stadtbummel oder Einkaufstour ist, auf einem Flughafen steht oder gerade ein Museum besucht: Vermutlich stand er mitten drin in einem Werk des italienischen Stararchitekten.

Immer wieder neu erfunden

Ob Centre Pompidou in Paris, Potsdamer Platz in Berlin, Weltstadthaus in Köln oder Flughafen in Osaka, ob Zentrum Paul Klee in Bern, Fondation Beyeler in Riehen BS oder das höchste Hochhaus Westeuropas «The Shard» in London - Piano hat all diese Gebäude entworfen. Und er hat sich dabei immer wieder neu erfunden.

«Die wirkliche Falle für einen Architekten ab einem bestimmten Zeitpunkt seiner Karriere ist es, in einem bestimmten Stil gefangen zu sein», sagte er einmal in einem Interview. Und so gilt er im Vergleich zu Frank Gehry oder der 2016 verstorbenen Zaha Hadid als Wandlungskünstler.

«The Shard» - «ein Salzstreuer»

In der Tat hat sein Centre Pompidou, das er in den 70er Jahren mit nach aussen gestülpten Rohren und Treppen furchtlos in die Pariser Innenstadt stellte, wenig mit «The Shard» zu tun - dem 310 Meter hohen Glasturm am Londoner Themseufer.

Was viele seiner Bauten eint: Die Kritik an ihnen. «The Shard» nannte Prinz Charles einen «Salzstreuer», andere sahen darin eine «Scherbe, die ins Herz Londons gerammt wurde». Beim Centre Pompidou schlugen viele zunächst die Hände über dem Kopf zusammen, heute gilt es als einer der Hauptanziehungspunkte in Paris. «Jedes namhafte neue Bauwerk ist erst einmal modern, bevor es ein Klassiker werden kann», so Piano.

Freilich nimmt er Kritik ernst. «Ich bin als Architekt mit einer gewissen Bereitschaft zum Streit gross geworden. (...) Nicht, weil ich ständig beweisen muss, wie toll ich bin, sondern weil es der einzige Weg ist, um zu überleben. Sonst wird man ein kleines Kaninchen, das modischen Firlefanz macht.»

Kampf gegen die Schwerkraft

Piano will Orte schaffen, an denen Menschen zusammenfinden. Der rote Faden seiner Arbeit sei «der Kampf gegen die Schwerkraft». Und so sind seine Bauten oft glasig, leicht, luftig - ein «Flirt mit dem Licht», getrieben von dem Wunsch nach Leichtigkeit, wie er sagt. Licht, Luft, Wind: Hier schlägt die Leidenschaft fürs Segeln durch. Und so hat Piano - geboren in der Hafenstadt Genua - selbst Segelboote entworfen.

Piano stammt aus einer Bauunternehmerfamilie, kein Wunder also, dass er eine Karriere einschlug, die etwas mit Bauen zu tun hat. Er studierte in Florenz und Mailand, will weniger Künstler als Handwerker sein. Sein internationaler Durchbruch gelang ihm zusammen mit dem britischen Architekten Richard Rogers, mit dem er das Centre Pompidou baute.

Heute arbeitet Piano mit einem Team aus rund 150 Mitarbeitern aus Genua, New York oder Paris, wenn er nicht gerade wieder irgendwo in der Weltgeschichte für ein neues Grossprojekt ist. Als Senator auf Lebenszeit ist er seiner Heimat immer noch stark verbunden. Nach der Erdbebenserie in Mittelitalien beriet die Regierung mit ihm, wie man die zerstörten Städte wieder aufbauen und Italien endlich erdbebensicher machen könnte.

(sda/ccr)

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