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Wie bitte, Frau Rohrer?: «Der Erfolg von Filmen ist nicht planbar»

Seraina Rohrer: «Begegnungen, die in Zürich oder Locarno nicht möglich sind».

Die Direktorin der Solothurner Filmtage, Seraina Rohrer, ­fordert mehr Effizienz in der Filmförderung, damit aktuelle Themen wie die Affäre Hildebrand auf die Leinwand kommen.

Von Interview: Hansjörg Ryser
11.01.2012

BILANZ: Werden Sie sich in Ihrer ersten Eröffnungsrede der Solothurner Filmtage ebenso pointiert zur Filmförderung ­äussern wie früher Ihr Vorgänger Ivo Kummer?

Seraina Rohrer: Weil er jetzt Filmchef im Bundesamt für Kultur ist, wäre das etwas komisch. Nein, ich werde mit diesem Ritual brechen und mich in anderer Form äussern.

Aber eine Meinung zur neuen Filmförderung werden Sie haben?

Die Filmpolitik sollte wieder mehr der Diskussion über Form und Inhalte Platz machen. Wir müssen die neuen Instrumente nutzen und Filme realisieren.

Wie bitte, der erneute Rückgang des Marktanteils von Schweizer Filmen auf vier Prozent 2011 ist kein Thema?

Doch, Solothurn soll eine Plattform für solche Diskussionen bleiben. Der Erfolg von Filmen ist aber nicht planbar. Mit dem neuen Reglement sind gute Rahmenbedingungen geschaffen worden.

An realen Dramen fehlt es nicht, nehmen wir die Affäre ­Hildebrand. Kommt sie nicht auf die Leinwand?

Die Finanzierung dauert oft sehr lange und ist aufreibend. Aber Filme wie Cleveland vs. Wall Street über die Subprime-Krise in den USA zeigen mir, dass Produktionen zu Wirtschaftsthemen auch in der Schweiz möglich wären.

Also doch eine Kritik an der Filmförderung?

Abläufe und Koordination zwischen den einzelnen Fördergremien sollten in der Tat einfacher und effizienter werden. Das Förderprogramm des Bundes für Filmproduktionen über 25 Millionen Franken ist wichtig. Allerdings könnten Filmschaffende noch vermehrt innovative Wege gehen, um Projekte zu finanzieren, etwa mit Mäzenatentum oder Crowd Founding.

Welche Bedeutung haben dabei die Filmtage in Solothurn, wo kaum noch spektakuläre Premieren zu sehen sind wie früher?

Das stimmt nicht ganz. Wir haben dieses Jahr 19 Weltpremieren, darunter «Dällebach Kari» von Oscar-Preisträger Xavier Koller. Solothurn ist zudem ein wichtiger Treffpunkt für Filmer, Produzenten und Verleiher.

Reicht das, um neben Festivals wie Zürich oder Locarno für Sponsoren attraktiv genug zu sein? Ihnen fehlt ja immer noch ein dritter Hauptsponsor.

Die lokale Nähe bietet in Solothurn Begegnungen, die in Zürich oder Locarno nicht möglich sind. Diese Ausstrahlung erfreut sich steigender Beliebtheit und macht uns für Sponsoren attraktiv.


Seraina Rohrer: Die Zürcherin Rohrer (34) ist die dritte Leiterin der 1964 gegründeten Solothurner Filmtage. Die 47. Werkschau des Schweizer Films dauert vom 19. bis 26. Januar.

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