Nachdem Yannis Sfouggaris und Stefan Wagner dieses Jahr das gut gehende ­Lokal des St.  Galler Gastroturbos Köbi Nett übernommen hatten, fiel auf den Bildern zur Eröffnung vor allem eines auf: die Frisur von Küchenchef Wagner. Er trägt seine Haarpracht lang, und statt sie brav nach hinten zu kämmen, lässt er die Strähnen wie Essstäbchen aufragen.

Diese Reminiszenz an die Punks bleibt allerdings das Wildeste, was es von unse­rem Besuch im Restaurant ­David38 – der Name bedeutet nichts anderes als die Adresse – zu berichten gibt. Sonst geht es hier gediegen, gemütlich und grosszügig zu und her. Die Tische sind so im Raum verteilt, dass sie ihn ausfüllen und den Gästen dennoch genug Platz und Luft lassen, um sich wohl­zufühlen. An den Wänden hängen unter anderem Schwarzweissporträts von bekannten Künstlern, und ein paar Giacometti-­Kopien be­tonen das Fili­grane der Einrichtung, die ohne jeglichen Schnickschnack auskommt.

Feierliche Stimmung. Bei unse­rem Besuch sind fast alle Tische besetzt, die Stimmung ist emsig, aber nicht hektisch, und obwohl wir an einem ganz normalen Dienstagmittag hier sind, liegt so etwas wie feierliche Stimmung in der Luft. Das liegt an der aufmerksamen Bedienung wie am ausgezeichneten Essen, das aus Wagners Küche kommt.

Fantasievoll. Neben Klas­sikern wie Rindstatar oder Kalbsgeschnetzeltem nach Zür­cher Art stehen zwei, drei asiatisch inspirierte Gerichte zur Auswahl, beispielsweise ein thailändischer Gemüserisotto oder gebratene Riesencrevetten mit Pak Choi und ­Tomaten-Vinaigrette.

Wir probieren das Angebot dazwischen, das von beiden Kochtraditionen profitiert: Zuerst bescheren uns die ­Jakobsmuscheln, die mit leicht säuerlichen eingelegten Kürbisplättchen, Trüffelscheiben und einer ­sämigen Kürbissuppe serviert werden, einen Mundvoll Frische und Würze. Beim Haupt­gericht – einem Kalbs- und einem Rindsfilet, beides ist perfekt – bringen uns vor allem die fantasievollen Gemüse­beilagen ins Schwärmen. Besonders die grüne Rou­lade mit verschiedenen pikant gewürzten Saisongemüsen ist eine tolle Abwechslung zum sonstigen Broccoli-Karotten-Treibhaustomaten-Allerlei. Dazu trinken wir vom roten Sughere di Frassinello aus der Magnumflasche, der hier offen kredenzt wird und das ­Essen auf schöne Weise abrundet.

  • Was man essen sollte: Vom Currysüppchen, das zur Thunfischvariation serviert wurde, hätte ich einen ganzen Topf voll essen können.
  • Zeit vom Platznehmen bis zum ersten Bissen: Genau richtig für ­einen gemütlichen Apéritif.
  • Diskretionsfaktor: Hier trifft sich tout St.  Gallen, und der Raum ist
    offen und hell …

«David38»
Davidstr. 38
St.  Gallen
Tel. 071  230  28  38

www.david38.ch

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